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Zug brachte Max Krohn zur Gaskammer in Treblinka

Stolperstein in der Mühlenstraße 27 für Max Krohn.
Stolperstein in der Mühlenstraße 27 für Max Krohn. FOTO: Helbig/mih1
Cottbus. Die Gegend zwischen Altmarkt und Spremberger Turm gehört zum historischen Kern von Cottbus und ist ein Schmuckkästchen. Mühlenstraße, Neustädter Straße – die Bürgerhäuser erzählen etwas vom Wohlstand ihrer einstigen Bewohner. Erika Pchalek/epk9

Auch einige jüdische Bürger lebten hier.

Stolpersteine hemmen den Schritt, berichten von Leidenswegen und Tod. Bertha Pakulla und ihre Kinder waren hier zu Hause, und in ihrer Nachbarschaft lebte der Kaufmann Max Krohn. Auch ihm ist ein Stein gewidmet.

Am 24. Februar 1872 geboren, hatte er 1937 das Rentenalter erreicht. Damals wohnte er in der Mühlenstraße 25. Aber ein geruhsames Dasein nach einem Leben voller Arbeit sollte ihm nicht vergönnt sein. Zu den Schikanen durch die Nationalsozialisten gehörten Zwangsumzüge. Das "Gesetz über die Mietverhältnisse mit Juden" vom 30. April 1939 sollte verhindern, dass Juden und "Arier" unter einem Dach zusammenlebten. Daraufhin wurde die jüdische Bevölkerung in Judenhäusern auf engem Raum zusammengefasst. Dies war eine wichtige Vorstufe für die Deportationen.

So zog Max Krohn 1939 in das Judenhaus Mühlenstraße 37. Doch fand er auch dort keine Ruhe. Im Juli 1942 musste er wieder seine Koffer packen und in das Judenhaus in der Münzstraße 42 umziehen. Im 24. August 1942 wurde der nun 70-Jährige nach Theresienstadt deportiert. Aber dieses Ghetto im heutigen Tschechien sollte nur eine Zwischenstation sein. Im September ging es weiter nach Osten. Das Ziel des Transportes lag nordöstlich von Warschau in der Wojewodschaft Masowien: Das Lager Treblinka. "Die Transporte kommen reibungslos, ununterbrochen, und Treblinka wird täglich reicher an Blut. Je mehr gebracht wird, desto mehr kann Treblinka aufnehmen." So beginnt Chil Rajchmanns Bericht "Ich bin der letzte Jude". Er hat zehn Monate als Arbeitsjude den Höllenort überlebt. Nach Aufstand und Flucht schrieb er seine Erlebnisse nieder.

Weiter aus dem Bericht: "Eine Gaskammer maß sieben mal sieben Meter. Die Menschen wurden wie Sardinen hineingestopft. . . In diesem Gebäude dauerte das Vergasen zwanzig Minuten. . ." In der Nähe war keine Industrie, nur Kiefern, Sand, Heide. Hier war keiner an Arbeitskräften interessiert. Einziges Ziel war die Vernichtung menschlichen Lebens. Die Organisation war rationell: In drei Stunden konnten rund 6000 Menschen vergast werden. Es waren mehr als 700 000 Tote in 14 Monaten. Der 70-jährige Max Krohn hatte hier keine Chance.

In dem Zug, in dem er zu dem Ort des Todes gebracht wurde, waren außer ihm 2004 Opfer. Nur ein Mensch aus diesem Transport hat überlebt. Das Gas brachte allen den Tod.

Quellen: Gedächtnisbuch der Jüdischen Gemeinde 1: Chil Rajchman, Ich bin der letzte Jude, Treblinka 1942/43,Piper München/Zürich, S. 87 ff.; www.holocaust.cz

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