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Zu schade für den Altpapiercontainer

Praktikantin Nathalie Richter hilft den Lebenshilfe-Mitarbeitern Michele Abel und Mike-Prince Herig (von rechts) bei der Bewertung der Second-Hand-Bücher für den Verkauf im Internet.
Praktikantin Nathalie Richter hilft den Lebenshilfe-Mitarbeitern Michele Abel und Mike-Prince Herig (von rechts) bei der Bewertung der Second-Hand-Bücher für den Verkauf im Internet. FOTO: Nicole Nocon
Cottbus. Mit einem neuen Projekt hat die Cottbuser Lebenshilfe ein attraktives Arbeitsfeld für Menschen mit Behinderung erschlossen. Gebrauchte Bücher werden mittels einer speziellen Software für den Verkauf im Internet erfasst. Nicole Nocon

Seit Anfang des Jahres ist die Lebenshilfe mit einer eigenen Versandbuchhandlung im Netz vertreten.

Wer im Internet nach Second-Hand-Literatur sucht, kann bei den Cottbuser Lebenshilfe Werkstätten Hand in Hand fündig werden. Im Berufsbildungsbereich der Lebenshilfe ist im Frühjahr 2014 ein neues Projekt auf den Weg gebracht worden, das Menschen mit Handicaps eine sinnvolle und interessanten Aufgaben gibt, bei denen sie ihre jeweiligen Fähigkeiten und Fertigkeiten einbringen und weiterentwickeln können. Gebrauchte Bücher, die zu schade für den Altpapiercontainer sind, werden von Mitarbeitern der Lebenshilfe Werkstätten gesammelt, erfasst und im Internet zum Wiederverkauf angeboten, sofern der Zustand noch gut genug ist. "Es sind Bücher, die uns gespendet oder nach Umzügen oder Haushaltsauflösungen kostenlos überlassen werden. Mittels einer speziellen Software wird der Zustand jedes einzelnen Buches erfasst und bewertet und mit einem entsprechenden Preis im Netz angeboten. Seit Anfang des Jahres sind wir über Amazon mit unserer Versandbuchhandlung zu finden", informiert Sabine Noack, die Leiterin der beruflichen Bildung der Lebenshilfe Werkstätten. Sie freut sich, dass das Projekt nach der Anlauf- und Einarbeitungsphase inzwischen gut ins Rollen gekommen ist. Fünf Mitarbeiter bietet es aktuell ein Aufgabenfeld.

"Je größer unser Buchbestand, desto mehr Mitarbeiter können beschäftigt werden. Für Lagerung, Bewertung, Verpackung und Versand sind verschiedene Fähigkeiten gefragt und so können Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen in das Projekt integriert werden", sagt Sabine Noack. Im Lager der Lebenshilfe in Gallinchen warten 5000 Bücher auf neue Leser, 3000 sind schon für den Wiederverkauf erfasst. Was nicht mehr gut genug ist für den Online-Shop wandert trotzdem nicht in den Container, sondern ins Sozialkaufhaus der Lebenshilfe nach Guben.

Bildungsbegleiter Thomas Nasdal leitet das Buchprojekt und erklärt, wie die Bewertung und der Verkauf der Bücher fuktioniert: "Unsere Mitarbeiter recherchieren bei Amazon, ob der gleiche Titel, den wir im Betand haben, schon mit Foto angeboten wird. Das erspart es uns, eigenen Fotos zu machen und einzustellen, was zu aufwändig wäre. Dann überprüft das Team mit Hilfe anhand festgelegter Kriterien den Zustand des Buchs. Dabei hilft eine spezielle Software, die automatisch den Angebotstext erstellt und den Preis festlegt."

Das Angebotsspektrum ist weit und reicht vom Kinderbuch bis zum Romanklassiker, vom Taschenbuch bis zum mehrbändigen Werk und ganzen Serien. "Unsere günstigsten Bücher sind ab 96 Cent zu haben. Fünfzig Bände einer Roman-Sammlung konnten wir schon für 180 Euro verkaufen", sagt Thomas Nasdal und Sabine Noack ergänzt: "Uns würde es freuen, wenn aus dem Berufsbildungsprojekt ein Arbeitsbereich der Lebenshilfe Werkstätten werden würde, der sich eventuell sogar selbst trägt. Bei unseren Mitarbeitern jedenfalls sind die Arbeitsplätze am PC sehr begehrt."

Bücherspenden können noch bis Ende April bei der Lebenshilfe Werkstätten in der Gallinchener Inselstraße abgegeben werden. Im Mai zieht das Buchprojekt an den Standort des Fertigungs- und Dienstleistungsservice der Lebenshilfe in den Cottbuser Norden, ans Große Spreewehr 7, um.