ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:35 Uhr

Mittelalterlicher Ziegelbrennofen in Cottbus
Vergraben – aber nicht vergessen

Ein letzter Blick auf den fast vollständig verfüllten mittelalterlichen Ziegelbrennofen an der Mühlenstraße. Auf den Foto sind noch die abgedeckten oberen Fundamente zu erkennen. Mittlerweile ist der Fund wieder komplett im Erdreich verschwunden.
Ein letzter Blick auf den fast vollständig verfüllten mittelalterlichen Ziegelbrennofen an der Mühlenstraße. Auf den Foto sind noch die abgedeckten oberen Fundamente zu erkennen. Mittlerweile ist der Fund wieder komplett im Erdreich verschwunden. FOTO: LR / Peggy Kompalla
Cottbus. Für die Archäologen ist die Sicherung des mittelalterlichen Ofens ein Erfolg. Der Bauherr will den Fund am Wichernhaus würdigen. Von Peggy Kompalla

Auf der Baustelle an der Mühlenstraße ist wieder Arbeitsalltag eingezogen. Die wochenlange Aufregung um den Ort hat sich gelegt. Einziges Überbleibsel ist ein blickdichter Zaun, der nun gelegentlich sogar offen steht. Von dem Sensationsfund im Boden ist nichts mehr zu sehen. Dabei befindet sich nur wenige Schritte von der Straße entfernt ein mittelalterlicher Ziegelbrennofen im Erdreich. Der Fund hatte für große Aufmerksamkeit gesorgt – in der Fachwelt, aber auch in der Bevölkerung. Während viele Cottbuser den Umgang mit dem Ofen kritisieren, ist seine Sicherung im Boden für die Konservatoren ein Erfolg. Das betont Dr. Christof Krauskopf vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum in Wünsdorf. Für den Mittelalterarchäologen ist die Beerdigung die beste Lösung, „um den Fund langfristig zu erhalten“. Damit sei er nicht vergessen. Im Gegenteil: Für die Fachleute beginnt jetzt die eigentliche Arbeit und die Cottbuser sollen in Zukunft auch etwas von diesem Ort haben.

Im Vorfeld der Bauarbeiten am Wichernhaus hatten Archäologen Ende Juni den außerordentlich gut erhaltenen Teil eines mittelalterlichen Ziegelbrennofens aus dem 14. oder 15. Jahrhundert freigelegt. „Das ist ein schöner Befund“, sagt selbst Archäologe Krauskopf. Allerdings sehe der Ofen auf den Fotos viel stabiler aus, als er tatsächlich sei. „Das war ein temporärer Bau“, erklärt er. „Er besteht komplett aus Stampflehm. Ziegel wurden nur für die drei Spitzbögen verbaut.“

Wie sensibel der Fund ist, habe sich schnell gezeigt. Obwohl die Fundamente mit Planen vor den Wettereinflüssen geschützt wurden, habe der Regen trotz aller Vorsicht in den wenigen Wochen der Untersuchungen teils kleine Rinnen im Bau hinterlassen. „Der wäre uns binnen weniger Monate weggespült worden“, betont Krauskopf. Ein archäologisches Fenster – sprich eine Glasplatte – als Sicherung sieht der Konservator mit Skepsis. „Da gibt es sehr zwiespältige Erfahrungen“, sagt er. „In der Regel entsteht bei Erdbefunden unter der Glasplatte ein Mikroklima, so dass die Scheiben bemoosen oder sich sogar Schimmel bildet.“ Noch viel gravierender sei allerdings die Kapillarwirkung im Mauerwerk, nachdem es freigelegt wurde. „Bei Lehm erst recht“, betont der Archäologe. Den Effekt kennt jeder Bauherr. Dabei wird die Feuchtigkeit im Boden durch das Mauerwerk nach oben transportiert, wo sie schließlich verdunstet. „Zurück bleiben die Salze am Fuß des Fundaments. Die können nach und nach sogar Ziegel sprengen.“ Dieser Effekt werde unterbunden, wenn der Befund komplett im Erdreich liegt.

Den Ofen zu bergen, wäre einem Vabanquespiel gleichgekommen – allein wegen der zerbrechlichen Lehmmauern. Zudem wäre nicht klar gewesen, wie er konserviert werden soll – zumal mit einem extrem hohen Aufwand. „Wir hätten den Ofen wegen seiner Größe auch nicht im Ganzen bergen können“, erklärt Christof Krauskopf. „Wir hätten ihn zerschneiden müssen. Dabei wäre er uns unter den Händen zerbröselt.“ Angesichts all dieser Fakten entschieden sich die Fachleute für die Konservierung im Boden. „Das ist die beste Methode“, versichert der Archäologe. „Der Ofen ist noch da. Das ist ein Erfolg.“ Der Investor habe sich in dem ganzen Prozess sehr kooperativ gezeigt.

Die Schnapke-Gruppe investiert in den Wichernkomplex rund zehn Millionen Euro und errichtet drei neue Wohnhäuser, womit die letzte große Brache in der Cottbuser Altstadt verschwindet. Für den Bauherrn bedeutet der Fund nicht unerhebliche Mehrkosten. Er muss nicht nur die Grabungen bezahlen. Er wird auch den Keller für ein Wohnhaus verlegen müssen und den Fundort mit einer speziellen Technik sichern. Christof Krauskopf erklärt: „Es kommt eine Bodenplatte über den Befund, die keinen Druck auf den Erdboden ausübt.“ Dies geschehe mit einer Bewehrung über ein Fundament rund um den Ofen. „Auf diese Weise kommt es zu keiner Verdichtung des Bodens.“

Bauherr Jörg Schnapke versichert: „Wir machen uns Gedanken, wie wir den Ort und den Fund würdigen können.“ So werde in Erwägung gezogen, am künftigen Gebäude eine Tafel anzubringen oder eine Galerie zum Ofen im Hausflur zu gestalten.

Für die Fachleute beginnt nach der Dokumentation die eigentliche Arbeit. „Die wissenschaftliche Aufarbeitung dauert wesentlich länger als die Grabung“, sagt Christof Krauskopf. Der Grabungsbericht und die ausführliche Dokumentation über den Fund an der Mühlenstraße stehe der Forscherwelt zur Verfügung. „Wir werden den Fund mit Sicherheit mit einem Vortrag in unserer nächsten Jahrestagung vorstellen“, sagt er. Darüber hinaus sei geplant, über den Cottbuser Ziegelbrennofen im Fachmagzin „Archäologie in Deutschland“ zu berichten.