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| 18:30 Uhr

Aus dem Gericht
Der verschwundene Zeuge

Cottbus. Trotz der Geständnisse im Juni fällt im Maskenmann-Prozess immer noch kein Urteil. Von Daniel Schauff

Christian W. und Ralf H. wirken entspannt, als sie den Gerichtssaal betreten. Rund eine Dreiviertelstunde nach dem eigentlichen Verhandlungsbeginn werden sie in Handschellen ins oberste Stockwerk des Landgerichts geführt. Die Sitzreihen sind unüblich voll, es geht um Raubüberfälle, nicht um Mord. Und es ist bereits klar: Auf der Anklagebank sitzen die beiden Täter.

Im Juni haben Christian W. und Ralf H. die beiden Taten, die ihnen vorgeworfen werden, gestanden. Im Oktober des vergangenen Jahres haben sie maskiert und mit „waffenähnlichen“ Gegenständen zwei Pizzaboten und eine Gruppe Jugendlicher überfallen. Ralf H. brauchte damals Drogen, Christian W. hatte seine Teilnahme am Raubzug durch Cottbus mit fehlendem Geld und Hunger begründet. Es scheint nahezu alles geklärt an diesem Mittwochvormittag – ein Urteil aber ist noch längst nicht in Sicht, auch fast zwei Monate nach dem Geständnis der beiden Täter vor Gericht.

Die Zeugen in dem Verfahren entpuppen sich immer mehr zur Bremse – ein für Mittwoch geladener Mann, der laut Gerichtssprecherin Susanne Becker Angaben sowohl zu dem Pizzabotenüberfall als auch zu dem Überfall der vier Jugendlichen hatte machen sollen, erschien nicht. Das Gericht hatte bereits einen Vorführungsbefehl gegen ihn ausgesprochen, weil er bereits einmal trotz Ladung nicht zum Gerichtstermin erschienen war. Am Mittwoch habe ihn die Polizei aber nicht zu Hause angetroffen, sagt Susanne Becker. Die ursprünglich geplante Aussage fiel ins Wasser. Gleichzeitig muss das Gericht alle Zeugenaussagen würdigen, um ein falsches Geständnis möglichst auszuschließen.

Bereits im April hatte das Gericht ein ähnliches Problem. Damals saß nur Christian W. auf der Anklagebank. Es ging um einen Überfall auf ein Asia-Imbiss, mit Waffe und Pfefferspray und Ralf H. als Komplizen. Der musste sich damals jedoch noch nicht vor Gericht verantworten. Den Imbiss hatte das Duo kurz vor dem Raub an Pizzaboten und Jugendlichen überfallen, rund 300 bis 400 Euro hatten sie erbeutet, einem 18-jährigen Schüler Schlafstörungen, Albträume und Angstzustände beschert, nachdem einer der beiden Täter dem jungen Mann die Waffe an die Schläfe gehalten hat. So hatte es das Opfer selbst im Zeugenstand geschildert. Der 18-Jährige konnte die Täter nicht eindeutig identifizieren, immerhin trugen sie während der Tat, wie auch bei den anderen Überfällen, Masken. Vor dem Imbiss aber zogen sie die Masken ab, einem Passanten fiel Christian W.s auffällige Gesichtstätowierung auf.

Vor Gericht erschien der Zeuge trotz Ladung allerdings nicht. Zu groß sei die Angst, hatte er dem Richter zufolge am Telefon erklärt. Von seiner Aussagepflicht hat ihn das allerdings nicht befreit.

Christian W. ist für den Überfall auf den Imbiss zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden, sitzt seine Strafe derzeit in der Justizvollzugsanstalt ab. Wann ein Urteil im Prozess wegen der Überfälle auf die Pizzaboten und Jugendlichen fällt, ist noch unklar. Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger haben am Mittwoch Verhandlungstermine bis in den September hinein verabredet.