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Zeitzeugen hinter Gefängnismauern

Amerikaner im Cottbuser Knast: Der Cadillac aus dem Jahr 1971 von Thomas Busse fand viele Bewunderer.
Amerikaner im Cottbuser Knast: Der Cadillac aus dem Jahr 1971 von Thomas Busse fand viele Bewunderer. FOTO: Georg Zielonkowski/ski1
Cottbus. Das ehemalige Cottbuser Zuchthaus hat am Tag der Deutschen Einheit seine Tore geöffnet, um auf unterschiedliche Weise an die Vergangenheit zu erinnern. Sylvia Wähling leitet die Gedenkstätte Menschenrechtszentrum und erklärt: "Ich glaube, es passt recht gut zusammen, wenn wir an die Fahrzeuggeschichte an diesem Tag der Freude genauso erinnern, wie an die Menschen, die hier nur wegen ihrer Gesinnung und ihrer Fluchtgedanken hinter den Mauern eingesessen haben. ski1

" Deshalb sieht sie mit Freude, wie eine Karawane betagter Zweirad- und Landwirtschaftsfahrzeuge durch das Eingangstor rollt, dazu jede Menge Pkw-Oldtimer.

Den größten Personenwagen bringt Thomas Busse aus Kolkwitz mit - einen Cadillac Eldorado, Baujahr 1971. "Nachher wird noch mein Kumpel Lutz kommen, der hier eingesessen hat", erzählt der Oldtimer-Fan. "Zusammen werden wir dann einen Rundgang machen, zumal es heute ja viele weitere Zeitzeugen gibt, die aus der damals schlimmen Zeit berichten werden." Genau deswegen reiste Günter Weinhold mit seiner Frau aus Augsburg in die Lausitz mit seinem Wohnmobil an. Beide verbrachten die Nacht auf dem Gelände des alten Zuchthauses. "Wir haben Frau Wähling kennengelernt, die von meiner Geschichte erfahren hatte. Sie ermöglichte es mir, hier zu übernachten." Der frühere Dresdner saß von August 1980 bis Juli 1981 in Cottbus ein, weil er bei einer Mai-Demo ein Plakat hielt, dass das Recht auf Reisefreiheit forderte. Darauf gab es Haft. "Ich war 1997 schon mal nach Cottbus zurückgekommen, aber damals konnte ich nur außen um den Komplex herumlaufen. Heute hier drinnen werden alte Erinnerungen wieder wach", sagt Günther Weinhold ganz bewegt.

Einen persönlichen Draht hat auch der Merzdorfer Gartenbaumeister Michael Max zu dem einstigen Gefängnis, war doch sein Vater Dieter mehr als zehn Jahre lang als evangelischer Pfarrer von Willmersdorf und Döbbrick auch als Gefängnispfarrer hinter diesen Mauern tätig. Einmal im Monat war er bei den Gefangenen. "Viel wichtiger aber war die Betreuung der Angehörigen draußen, denen Vater Trost und Hilfe zusprechen konnte", erzählt Michael Max. Er konnte dem Menschenrechtszentrum viele Unterlagen und Predigttexte seines Vaters übergeben.

Eine Foto-Ausstellung mit Motiven von Klaus-Dieter Lehmann die am Dienstag eröffnet wurde, richtet den Blick auf das Innenleben der noch unsanierten Gebäude auf dem Gefängnisgelände. Die Leiterin der Gedenkstätte erklärt: "Damit wollen wir unseren Besuchern zeigen, dass es noch allerhand zu tun gibt. Denn wir wollen auch diese Gebäude erhalten und zum Erhalt deutscher Geschichte sanieren."