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| 19:33 Uhr

Zeitumstellung
Von Winterschlaf direkt in die Frühjahrsmüdigkeit

Cottbus. In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren eine Stunde vorgestellt – mit negativen Folgen für die Gesundheit. Von Andrea Hilscher

Humorvolle Menschen können an den Wochenenden der Zeitumstellung mit lustigen Rätselspielen Freunde gewinnen: Wird die Uhr vorgestellt, wenn man seine Terrassenmöbel raus- oder eher reinräumt? Und bleibt es dann länger hell? Oder ist es morgens beim Aufstehen wieder dunkel? Klar ist nur eines: mit jedem Umstellen der Uhr gerät unser Organismus unter Stress. Der Cottbuser Schlafmediziner Dr. Frank Käßner warnt nachdrücklich vor den negativen Folgen der Zeitumstellung.

„Gerade die Umstellung von der Winter- auf die Sommerzeit belastet die Menschen am stärksten“, weiß Käßner aus Erfahrung. „Etwa zwei Drittel der Bevölkerung hat massive Probleme mit der Umstellung.“ Besonders die „Eulen“, also Menschen, die ohnehin schwer aus dem Bett kommen, sind betroffen. Ihnen fällt es schwer, noch eine Stunde früher als sonst aufzustehen. Frank Käßner: „Ein wenig kann man den Schlafmangel am Sonntag kompensieren, aber am Montag schlägt er dann voll durch.“ In der Nacht von Sonntag auf Montag schlafen die Menschen ohnehin schlechter als an anderen Tagen. Kommt die Zeitumstellung hinzu, steigt die Gefahr von Autounfällen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen.

Tipp des Mediziners: „Wer weiß, dass er sensibel auf die Umstellung reagiert, sollte schon einige Tage vorher anfangen, sich auf den neuen Rhythmus einzustellen. Ein paar Minuten früher aufstehen, etwas früher ins Bett gehen und so sanft in die neue Zeit gleiten.“ Käßner, ansonsten ein großer Fan von „Powernaps“, von kurzen Erholungsschläfchen, rät in der Umstellungsphase von diesen Nickerchen ab. „Sonst ist man abends zu lange wach, kann schlechter einschlafen und fühlt sich zerschlagen.“ Dann würde man nahtlos vom Winterschlaf in die Frühjahrsmüdigkeit rutschen, sagt er augenzwinkernd.

Ganz wichtig: „Auch wenn das Wetter derzeit nicht dazu einlädt, sollte man sich viel an der frischen Luft aufhalten.“ Licht und Bewegung helfen, die Produktion von Hormonen zu synchronisieren, die auch für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus verantwortlich sind.

Und genau dieser Rhythmus gerät nach Einschätzung Käßners immer leichter aus dem Takt. „Vor hundert Jahren haben die Menschen noch zwei Stunden mehr geschlafen als wir heute.“ Reizüberflutung, Stress, ständige Erreichbarkeit sowie Smartphone und Fernseher im Schlafzimmer führen zu Schlafstörungen. „Wer länger als vier Wochen nicht ein- oder durchschlafen kann, sollte seinen Hausarzt um Rat fragen und sich bei Bedarf zum Facharzt überweisen lassen“, empfiehlt der Mediziner.

Er selbst gehört übrigens zu den Menschen, die mit ausgesprochen wenig Schlaf auskommen. „Fünf Stunden pro Nacht reichen mir völlig, kurzfristig geht auch weniger.“ Als Arzt sei er vehementer Gegner der Zeitumstellung. „Die Winterzeit ist die natürliche Zeit. An ihr hat sich der menschliche Organismus seit Jahrtausenden bis hinein in die kleinste Zelle orientiert.“ Änderungen würden unweigerlich die Chronobiologie des Körpers, die innere Uhr, durcheinanderbringen.

„Als Sportler aber, das muss ich zugeben, bin ich ein großer Fan der Sommerzeit.“ Käßner ist passionierter Golfspieler. „Und wenn es abends schön lange hell ist, kann ich statt einer 9- auch mal eine 18-Loch-Runde spielen.“