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Zeitreise in die Geschichte des Autos

Auf dem Sportplatz in Skadow – einem der Halte der Oldtimer-Rallye – wurde geguckt, gestaunt und gefachsimpelt.
Auf dem Sportplatz in Skadow – einem der Halte der Oldtimer-Rallye – wurde geguckt, gestaunt und gefachsimpelt. FOTO: Zielonkowski/ski1
Skadow. Als 2014 beim ersten Kfz-Veteranentreffen in Skadow gerade einmal 37 Fahrzeuge zu bestaunen waren, konnte kaum jemand ahnen, dass drei Jahre danach schon eine Teilnehmer-Obergrenze bei der Rallye "Alte Spreewald-Gurken" festgelegt werden musste. "Wir haben doch noch einige Starter mehr zugelassen, weil wir ja keinen wegschicken wollten", erklärt Stefan Reinschke aus dem Skadower Organisationsteam. Georg Zielonkowski / ski1

106 Teilnehmer wurden somit am Samstagmorgen vom Handwerkskammer-Standort in Gallinchen auf eine 160-Kilometer-Tour geschickt.

Am ersten Zielort Schlepzig wurden die betagten Fahrzeuge und deren zumeist in historischer Kleidung angetretenen Fahrer schon von weit mehr als hundert Neugierigen erwartet, bevor die Piloten zu einer Führung durch die dortige Whisky-Destilliere aufbrachen, um anschließend per Kahn den nahen Spreewald zu erkunden. "Gerade die Erlebnisse an den Stationen unterwegs machen diese Oldtimer-Tour hier in der Lausitz so großartig", merkte Andreas Keßler am Ziel in Skadow an. Der von Radio1 und MDR bekannte "Auto-Papst" war wie im Vorjahr erneut am Start. Neben manch praktischem Tipp für die Rallye-Teilnehmer sprach er voller Achtung gegenüber dem Veranstalter: "Die Leute hier aus Skadow und Umgebung sowie der Oldtimerakademie der Handwerkskammer Cottbus nehmen sich in einer ganz besonderen Weise dem klassischen automobilen Kulturgut an, indem sie Historie und Erlebnisse perfekt miteinander verbinden."

In ähnlicher Weise äußerten sich die Teilnehmer. Hartmut Hinze aus Neuhausen, der mit einem Tatra 603/2 angetreten war, lobte die großartige Auswahl der alljährlichen Routen, zu denen man sonst kaum einmal fährt. Der Werkzeugmacher ist seit 20 Jahren in der Szene zu Hause und besonders stolz auf sein in der damaligen CSSR 1973 erbautes Fahrzeug. "Es gab nur drei Vorbesitzer, was bei solchen Baujahren selten ist", erzählte er. Um anzufügen, dass zunächst die DDR-Botschaft in Prag Nutzer dieses Wagens war und der Letzte dann Wilfried Lehmann von der Bohsdorfer "Silvana-Combo". Seltenheitswert genießt bei diesem Fabrikat der luftgekühlte V8-Heckmotor.

Erstmalig in die Veranstaltung eingebunden war die Präsentation früherer Landwirtschaftstechnik. Unter den rund 30 Fahrzeugen stach besonders der "Zwitter" von Detlef Berndt hervor. Erbaut wurde der "Hermann Lanz Aulendorf D40" im Jahr 1949. Ihm wurden zu Kriegszeiten Motor und Vorderachse entrissen, so dass ihm weit später mit dem Einbau eines "Famulus-2-KVD-Motors" und einer neuen Achse neues Leben eingehaucht wurde. So konnte dieses 34 PS-starke Fahrzeug bis einschließlich 1994 weiterhin landwirtschaftliche Dienste verrichten.

Noch bevor alle Kfz-Veteranen das Sportplatzgelände des SV Fortuna Skadow verließen, nahm An-dreas Keßler verschiedene Auszeichnungen vor. Eine zuvor zusammengestellte Jury wählte das Sommerkleid von der erstmals teilnehmenden Margitta Lohmeier als Schönstes aus, besagtes Agrarfahrzeug von Detlef Berndt bekam ebenfalls einen Preis. Die Ehrung für den schönsten Oldtimer ging indes an ein Mercedes-Cabrio 230 aus dem Jahre 1938. Das auffälligste und am besten erhaltende Zweirad des Tages war schließlich eine Vorkriegs-Zündapp KS 800 mit einem Boxermotor aus dem Jahr 1938.

Die zahlreichen Gäste, die rund ums Veteranentreffen gern allerlei Versorgungsleistungen am Rande der Ausstellungsfläche genutzt haben, hörten gern die Ankündigung von Stefan Reinschke: "Angesichts des vielen Lobes am heutigen Tag freuen wir uns alle gemeinsam auf unsere fünfte ‚Alte Spreewald-Gurken'-Rallye im Jahr 2018."