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| 18:54 Uhr

Tradition
Museumsnacht zeigt, wie aus Federvieh ein Kissen wurde

Das Federvieh und seine Verarbeitung um 1960 stand im Mittelpunkt der Museumsnacht des Heimatmuseums „Kolasko“ in Drachhausen.
Das Federvieh und seine Verarbeitung um 1960 stand im Mittelpunkt der Museumsnacht des Heimatmuseums „Kolasko“ in Drachhausen. FOTO: Marion Hirche
Drachhausen. Drachhausener lassen dörfliche Traditionen aufleben. Von Marion Hirche

Alle zwei Jahre beteiligen sich die Freunde des Heimatmuseums „Kolasko“ Drachhausen an den Museumsnächten des Lausitzer Museenlandes. In diesem Jahr war es wieder soweit. Am Sonnabend luden die Moderatoren Doreen Krötel und Dietmar Haufe und ihre Mitstreiter zur einer unterhaltsamen Vorstellung einer ganz besonderen dörflichen Tradition ein: Sie zeigten, wie Gänse in den 60ziger Jahren geschlachtet, gerupft und die Federn geschlissen wurden. Dazu hatten sie allesamt ihre Arbeitstrachten aus den Truhen geholt und angezogen: Nur die feine Frau aus der Stadt, die in Drachhausen ein Grundstück kaufen will, gespielt von Silke Jähnicke, kam im Brokatkleid. Mit ihr entwickelten sich allerlei komische Situationen.

In mehreren Szenen stellten die Frauen, unter ihnen auch die Kullowatzschwestern Birgit Unger, Bärbel Hannusch und Wilma Mehlisch, die Aufzucht der Tiere dar, zeigten wie sie nach dem Brühen oder Bügeln vom Federkleid befreit wurden und werden. „Jetzt müssen wir das Vieh noch ausnehmen“, erklärte eine der Dorfbewohnerinen. „Wie? Ist die so reich, dass man sie ausnehmen kann?“, wollte die Städterin wissen. „Nee, ich meine die Innereien rausnehmen, da kann man auch einiges falsch machen“, wurde ihr erklärt. Sie konterte: „In dem Federvieh sieht es ja aus wie im Stromkasten – lauter Kabel“. Letztendlich gab es sogar für die Zuschauer das Blut des Vogels in verarbeiteter Form nach altem Rezept zum Kosten.

In der 3. Szene stellten die Museumsfrauen dann noch das Federnschleißen vor. Sie platzierten sich an einer langen Tafel, jede musste eine Dederonschürze überstreifen, auch Mitarbeiterinnen aus dem Publikum wurden geholt. Dann begann die Sisyphuspuzzelei des Trennens der Daunen vom Kiel. „Daraus werden dann Füllungen für Kopfkissen“, wurde erklärt und im Publikum meinte Jördis Halbasch, eine junge Frau aus Drachhausen: „Ein Federbett gehörte ja immer zur Mitgift.“ Und wie es Tradition ist, wurde an diesem langen Tisch auch „ge­ratscht“. Die „allerneusten“ Dorfgeschichten machten die Runde, von Kandidaten für den Seniorenbeirat des Amtes Peitz, vom Standort für das Drachhausener Rockfestival. Dazu tranken die meisten ein, zwei Eierlikörchen und nach getaner Arbeit gab es Kartoffelsalat mit Bockwurst und Napfkuchen.

Die Zuschauer erfuhren bei der Theatervorstellung viel über das Gänseschlachten, sodass es ihnen leichter fiel, die Fragen vom „Gänsquiz“ zu beantworten. Am Ende wurden Preise für die, die am besten Bescheid wussten, verteilt. Andere Besucher konnten sich mit Leckerem vom Grill belohnen. Auch Zuschauer, wie Paul Konzack aus Drachhausen, erzählte nach Aufforderung ihre persönliche Gänsestory: „Ich habe mir mit Gänsen meine Wolgas verdient.“

Die Jugend schaute nicht nur interessiert beim Schlachten zu, sondern konnte sich auch auf Strohquadern austoben, sich im Kartoffeldruck ausprobieren und Enten-Handpuppen basteln. „Ich finde das sehr gut, was die Museumsfreunde hier machen. Da kann man viel lernen und es ist sehr interessant“, lobte Daniela Balke das Geschehen auf der Wiese neben dem Heimatmuseum. Unterstützt wurde die Theatervorstellung auch von der „Drachencombo“.