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| 02:34 Uhr

Zeichen für tapferen Kämpfer im Siebenjährigen Krieg

Die Stieleiche in Saspow ist so dick, dass sie nicht aufs Bild passt. Baumpfleger Marco Hellwig und Gartenarchitektin Stefanie Sonntag legen das Maßband an. Der Umfang beträgt beachtliche 7,35 Meter.
Die Stieleiche in Saspow ist so dick, dass sie nicht aufs Bild passt. Baumpfleger Marco Hellwig und Gartenarchitektin Stefanie Sonntag legen das Maßband an. Der Umfang beträgt beachtliche 7,35 Meter. FOTO: mih1
Cottbus. Die Saspower Stieleiche gehört zu den prächtigsten und ältesten Bäumen der Stadt. Dabei haben sich in dem Gewächs zwei Bäume vereint. Sie wurde dereinst am Grab eines tapferen Kämpfers im Siebenjährigen Krieg gepflanzt. Peggy Kompalla

Selbst Baumfachleute wie Jörg Lohmann und Marco Hellwig werden beim Anblick der etwa 300 Jahre alten Stieleiche in Saspow andächtig. Sie holen das Maßband raus. Tatsächlich bringt es der Baum mittlerweile auf einen Umfang von 7,35 Meter. Wie ein alter Mensch entwickelt auch er Falten. "Das sind Setzungsfalten", erklärt Hellwig. "Die entstehen durch das Gewicht der Äste." Lohmann zeigt auf mehrere Seile. "Das ist eine Kronensicherung. Der Ast wurde angebunden, damit er nicht abbricht."

Bernd Kamenz vom Heimatverein Saspow kennt die überlieferte Geschichte des Baumes. Er steht nicht umsonst an der einstigen Gemarkung des Friedhofes, erklärt er. "Im Siebenjährigen Krieg zogen Hilfstruppen der Österreicher marodierend übers Land", berichtet er. "Wehrhafte Männer haben das Dorf damals verteidigt. Darunter auch der Sohn des Dorfschulzen, der bei den Auseinandersetzungen umkam." Daraufhin sei er mit großen Ehren auf dem Friedhof beigesetzt worden. "Damals war es üblich, am Kopfende zwei Eichen zu pflanzen. Die sind über die Jahrhunderte zusammengewachsen."

So lange ist das noch gar nicht her, dass aus zwei endgültig eins wurden. Baumpfleger Marco Hellwig erzählt: "Mein Opa hat ein Bild, wie er als Kind in der Eiche drin steht." Auch Bernd Kamenz erinnert sich an solche Szenen. Der Baum sei immer Teil des Dorflebens gewesen. "Als Kinder haben wir zur Fastnacht um die Eiche getanzt", erzählt er.

Dass der 300-Jährige heute noch so gut in Form ist, sei auch dem großen Engagement von Siegfried Saretz zu verdanken, berichtet Marco Hellwig. "Er hat immer auf sie aufgepasst, dafür gesorgt, dass sie keinen Schaden nimmt."


Zahlen und Fakten

Die Stieleiche an der Cottbuser Straße in Saspow ist etwa 300 Jahre alt. Sie wird bereits im Heimatkalender von 1957 als Naturdenkmal erwähnt.

Revierförster Manfred Rescher ermittelte im Jahr 2000 den Stammumfang, der damals 6,75 Meter betrug. 14 Jahre später sind es 7,35 Meter.

Bernd Kamenz berichtet, dass die Eiche vor etwa 100 Jahren von einem Blitz getroffen wurde und teilweise ausbrannte.

Unter den Eichen ist die Stieleiche in Cottbus vorherrschend. Der Baum trägt seinen Namen, weil die Eicheln an langen Stielen hängen und dadurch wie aufgefädelt wirken.