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| 19:41 Uhr

Cottbus
Zehntklässler forschen zum Pionierhaus

Die Zeitenspringer Lorenz Lenk, Anton Franke und Philipp Grundke mit ihrer Lehrerin Heike Kaps-Brettschneider (v.l.).
Die Zeitenspringer Lorenz Lenk, Anton Franke und Philipp Grundke mit ihrer Lehrerin Heike Kaps-Brettschneider (v.l.). FOTO: Peggy Kompalla / LR
Cottbus. Schüler entdecken die Geschichte vor Ort und suchen Cottbuser Zeitzeugen. Von Peggy Kompalla

Warum Bücher wälzen, wenn Geschichte direkt vor der Nase liegt? Manchmal ist sie sogar ein Ort, an den man gehen kann. Deshalb sitzen Anton Franke (15), Lorenz Lenk (16) und Philipp Grundke (16) am Mittwoch gemeinsam mit ihrer Lehrerin Heike Kaps-Brettschneider im Familienhaus. Es sind Winterferien. Trotzdem brüten die Zehntklässler des Max-Steenbeck-Gymnasiums über einem Geschichtsprojekt. Sie forschen zum Pionierhaus Cottbus und stellen fest: „Wir brauchen Zeitzeugen.“

Dabei haben die Schüler bereits eine Menge Informationen zusammengetragen. Doch sie wissen: Richtig lebendig wird die Geschichte erst mit den Menschen und alten Gegenständen von damals. Anton Franke sagt: „Wir suchen Fotos und Filme, eine Pionieruniform. Aber auch Geschichten und Erinnerungen von früheren Mitarbeitern des Pionierhauses.“ Die Teenager hoffen, unter den RUNDSCHAU-Lesern Menschen zu finden, die ihre Geschichte mit den Schülern teilen und ihnen damit mit ihrem Geschichtsprojekt helfen.

„Unsere Eltern waren alle Pioniere“, sagt Anton Franke. „Trotzdem wissen wir so wenig darüber.“ Durch ihre Recherchen haben die Schüler Einiges gelernt. „Der unterschwellige Zwang, dem die Leute ausgesetzt waren, hat mich überrascht“, sagt der Zehntklässler. „Wer nicht Mitglied bei den Pionieren oder der FDJ war, konnte sein Abitur gefährden.“ Philipp Grundke ergänzt: „Wie aktiv die Kinder vom Staat für sein politisches Weltbild geprägt wurden, beschäftigt mich am meisten.“

In Cottbus fand im Jahr 1970 das VI. Pioniertreffen statt. „Da kamen 60 000 Pioniere aus der ganzen Republik und dem Ausland“, erzählt Lorenz Lenk. „Das ist eine beeindruckte Größe. Die Pionierorganisation hat sich als offen und bunt präsentiert. Aber war sie das wirklich? Wie hat sie die jungen Menschen beeinflusst?“

Die Schüler gehen mit einem kritischen Blick an die Geschichte. Das Handwerkszeug dafür bekommen sie durch das Jugendprogramm Zeitensprünge des Landesjugendrings Brandenburg. Unterstützt werden sie neben ihrer Lehrerin von Christoph Polster, Pfarrer im Ruhestand, und Martin Bock vom Fanprojekt in Cottbus. Die Betreuer nennen ihre jungen Forscher deshalb auch liebevoll Zeitenspringer. Tatsächlich sind sie das auch, schließlich springen sie in der Zeit zurück.

Den Schülern – zur Gruppe gehören insgesamt zehn junge Leute – bleibt der Monat Februar für weitere Recherchen. Ins Archiv der RUNDSCHAU wollen sie auch noch absteigen. „Es muss ja was zum Pioniertreffen in der Zeitung gestanden haben“, sagt Philipp Grundke. Lorenz Lenk fragt: „Und zur Eröffnung 1950?“ Das müssen sie noch herausfinden.