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| 16:36 Uhr

Interview mit Anton Haas
Junger Einstein-Fan will neue Phänomene entdecken

 Anton Haas beim Experimentieren im Max-Steenbeck-Gymnasium. Der 15-Jährige gehört zum deutschen Nationalteam der Nachwuchs-Naturwissenschaftler.
Anton Haas beim Experimentieren im Max-Steenbeck-Gymnasium. Der 15-Jährige gehört zum deutschen Nationalteam der Nachwuchs-Naturwissenschaftler. FOTO: LR / Silke Halpick
Cottbus. Zehntklässler des Max-Steenbeck-Gymnasiums holt Bronzemedaille bei WM in Botswana.

Eine Bronzemedaille hat der 15-jährige Anton Haas bei den Weltmeisterschaften für Nachwuchs-Naturwissenschaftler in Botswana geholt. Der Zehntklässler des Max-Steenbeck-Gymnasiums in Cottbus gehört zum deutschen Nationalteam in seiner Altersklasse. Qualifiziert hatte er sich durch ein mehrstufiges Aufnahmeverfahren, an dessem Ende sechs Teilnehmer standen.

An der zehntägigen WM nahmen insgesamt 300 Schüler aus aller Welt teil. Rund 45 Prozent von ihnen kamen mit Medaillen nach Hause, wie Anton Haas erzählt. „25 Goldmedaillen wurden insgesamt vergeben“, sagt er. Seit drei Jahren lernt er am Steenbeck-Gymnasium. Seine Familie wohnt in Perleberg. Die RUNDSCHAU sprach mit dem Wissenschaftstalent über Ordnung im Allgemeinen und Sinusfunktionen im Speziellen.

Eine kleine Testfrage: Wie lautet der zweite Hauptsatz der Thermodynamik? (Das ist eigentlich erst Schulstoff der 11. Klasse)

Haas Der besagt unter anderem, dass ein Perpetuum mobile zweiter Art nicht funktionieren kann.

Korrekt. Er besagt auch, dass die Entropie in sich selbst überlassenen Systemen nicht ab-, sondern zunimmt. Kurz: Die Unordnung steigt. Gilt das auch für Dein Zimmer?

Haas Bei mir zu Hause ist es immer sehr ordentlich. Da bin ich auch nicht so oft, weil ich ja aufs Internet gehe. Aber auch in Cottbus bin ich relativ ordentlich. Das hat einen einfachen Grund: Ich kann nicht arbeiten, wenn Müll um mich herumliegt.

Mit welchem Schulfach müsste Dein Tag beginnen, um gut zu werden?

Haas Physik oder Informatik. In Informatik bin ich zwar nicht so gut, mache es aber trotzdem sehr gern, weil man dabei viel nachdenken und Probleme lösen muss.

Und was machst Du am liebsten, wenn die Schule vorbei ist?

Haas Mit den anderen Internatsschülern unternehme ich sehr viel. Wir spielen Karten, quatschen oder kochen zusammen. Seit circa einem halben Jahr gehe ich auch ins Fitnessstudio. Der Sport ist für mich ein Ausgleich, um mich auszupowern.

Kannst Du ohne Handy leben?

Haas Bei der Weltmeisterschaft in Botswana musste ich mein Handy neun Tage lang abgeben. Ich habe es tatsächlich etwas vermisst, vor allem abends beim Einschlafen, da höre ich ganz gern Musik. Es war aber auch mal schön, nicht erreichbar zu sein und sich nicht um die alltäglichen Probleme kümmern zu müssen. Das empfand ich sogar als ein bisschen befreiend.

Welche wissenschaftliche Erfindung ist für Dich unverzichtbar?

Haas Die eine einzige wichtige Erfindung gibt es für mich nicht. Jede Entdeckung war wichtig und hat die Menschheit ein großes Stück vorangebracht.

Gibt es einen Wissenschaftler, der Dich besonders beeindruckt?

Haas Das ist tatsächlich Albert Einstein. Er war ein herausragender Wissenschaftler, der die Physik komplett revolutionierte. In den außerschulischen Seminaren, an denen ich gelegentlich teilnehme, geht es häufig um seine Theorien.

Langweilt Dich da der herkömmliche Schulstoff nicht?

Haas Nein. Mathe, Physik und Chemie fallen mir leicht. Doch bei den anderen Fächern ist das nicht so.

Galilei hat gesagt, dass das Buch der Natur in der Sprache der Mathematik geschrieben ist. Besteht für Dich auch die Welt aus Zahlen?

Haas Galilei meinte damit, dass man physikalische Vorgänge mit mathematischen Konstrukten beschreiben kann. Das ist ziemlich zutreffend, finde ich. Die Mathematik denkt sich oft aus, wie man was ausdrücken könnte. Die Physik nutzt das, um Vorgänge zu beschreiben. Ein gutes Beispiel dafür ist die Sinusfunktion: Am Anfang haben sich Mathematiker überlegt, wie man Verhältnisse von Seiten in einem Dreieck darstellt, um einfache Berechnungen durchführen zu können. Später haben die Physiker mit der Sinusfunktion Schwingungen dargestellt.

Die große mathematische Konstante ist Pi mit unendlich vielen Nachkommastellen. Wie viele davon kennst Du?

Haas Nur zwei. Zwei reichen auch völlig aus. Ich kenne natürlich auch Leute, die 50 Stellen nach dem Komma aufsagen können. Doch ganz ehrlich: Das braucht kein Mensch.

Ein kleiner Zeitsprung: Wenn alles in Deinem Leben optimal verläuft, wo bist Du in 20 Jahren?

Haas Bei der Uni als Physiker angestellt. Ich mache was mit Astro- oder Teilchenphysik und entdecke neue Phänomene in der Grundlagenforschung.

Und wie sieht Dein Worst-Case-
Szenarium aus?

Haas Das wäre ein Job, bei dem ich jeden Tag das Gleiche machen müsste. Immer wieder neu denken zu können, das ist mir wichtig.

Bist Du ein Perfektionist?

Haas Ich bin eigentlich ziemlich faul und schiebe Arbeit gern hinaus. Wenn ich aber etwas angefangen habe, ziehe ich es auch durch. Es müssen nicht immer 100 Prozent sein, aber 90 Prozent sind das Mindeste.