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Zehn ereignisreiche Tage für Cottbuser in Zielona Góra

Der „Freizeitclub – ganz unbehindert“ des Vereins „Macht los“ erhielt Anfang des Jahres unverhofft Besuch aus Zielona Gora. Kerstin Bräuer

Mitarbeiter der Stadtverwaltung der Partnerstadt sowie der Therapiewerkstätten zeigten Interesse an der Arbeit des Vereins mit geistig- und mehrfachbehinderten Jugendlichen und Erwachsenen. Organisiert wurde dieses Treffen von der Behindertenbeauftragten der Stadt Cottbus, heißt es in einer Mitteilung des Vereins.
Im gemeinsamen Gespräch stellten Gäste und Gastgeber fest, dass sie zwar nur etwa hundert Kilometer voneinander entfernt leben, aber kaum etwas vom anderen wissen. So entstand die Idee, einen grenznahen Jugendaustausch zu organisieren.
Die polnischen Partner luden die Cottbuser für Ende Juni nach Zielona Gora ein. Acht Jugendliche mit Behinderungen bereiteten sich ausführlich auf den Besuch vor, indem sie sich über Land und Leute informierten, polnische Gerichte kochten oder sich mit der polnischen Sprache vertraut machten.
Begleitet von drei Betreuern fuhren die Jugendlichen im Alter von 18 bis 25 Jahren voller Erwartungen auf den Reiterhof nach Przylep in die Nähe von Zielona Gora. Sie wurden dort von polnischen Jugendlichen herzlich begrüßt.
Die anfängliche Schüchternheit und die Sprachbarrieren wurden durch gemeinsame Aktivitäten schnell überwunden. Den Cottbusern wurde ein umfangreiches Programm geboten. Täglich nutzten sie das Angebot der Reittherapie sowie der Gymnastik.
Am zweiten Tag wurden den Gästen die Therapiewerkstätten in Zielona Gora vorgestellt. Dort arbeiten 25 Menschen mit Behinderungen im Alter von 19 bis 47 Jahren in unterschiedlichen Bereichen.
Jeder Jugendliche durfte sich einen Bereich aussuchen, den er in mehreren Tagen kennen lernte. Die einen arbeiteten in einer Gärtnerei, andere lernten leckere Piroggen zuzubereiten und polnische Würstchen zu kochen oder alte Möbel zu restaurieren.
Für alle Beteiligten war diese praktische Arbeit eine tolle und interessante Erfahrung. Außerdem lernten sie die Geschichte von Zielona Gora bei einem Stadtrundgang kennen.
Sehr interessant war auch der Besuch des Freilichtmuseums in Ochla, das rekonstruierte Gebäude der letzten Jahrhunderte beherbergt. Ein Töpfer zeigte den Jugendlichen, wie man Gefäße aus Ton mit Hilfe einer Töpferscheibe herstellt. Jeder konnte es dann selbst versuchen, was sich als gar nicht so einfach herausstellte.
Abgerundet wurde das umfangreiche Programm mit Spielabenden, Lagerfeuer und Disko. Überrascht wurden die Cottbuser immer wieder von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit, mit der man sie überall empfing.
Es entstanden viele Freundschaften. Adressen und Gastgeschenke wurden ausgetauscht. Der Abschied fiel allen sehr schwer. Die Jugendlichen verbrachten zehn ereignisreiche Tage in und um Zielona Gora und konnten nebenbei auch noch eine Menge lernen. Finanziert wurde dieses Projekt vom Aktionsprogramm „Jugend“ der Europäischen Union. Für nächstes Jahr hofft der Verein, dass es möglich sein wird, ein Treffen in Cottbus zu organisieren.