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| 06:44 Uhr

TV aus Cottbus
ZDF erzählt Cottbuser Geschichten

Cottbus hat einiges zu bieten. Nicht alles ist sofort offensichtlich, wie dieser Hinterhof in der der Berliner Straße. Das ZDF ist in den nächsten Tagen auf der Suche nach Geschichten über Cottbus.
Cottbus hat einiges zu bieten. Nicht alles ist sofort offensichtlich, wie dieser Hinterhof in der der Berliner Straße. Das ZDF ist in den nächsten Tagen auf der Suche nach Geschichten über Cottbus. FOTO: Frank Hilbert
Cottbus. Vier Wochen lang berichtet der Sender aus der Stadt. Worüber, steht noch nicht fest. Von Daniel Schauff

Katrin Lindner ist gerade nach Cottbus gezogen. Bleiben wird sie nicht – in vier Wochen zieht sie zurück nach Potsdam. Bis dahin will sie Geschichten gefunden haben, möglichst viele, möglichst interessante. Katrin Lindner ist Journalistin, arbeitet für das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) und ist Teil einer neuen Reihe.

„ZDF in ...“ heißt das Projekt – keine Sendung, wie Thomas Hagedorn, Sprecher des Senders, betont. Vielmehr werden Beiträge aus „ZDF in ...“ in gleich mehreren Formaten im Programm zu sehen sein – in der „drehscheibe“, im „Länderspiegel“ und in „heute – in Deutschland“. Wann, das weiß Hagedorn noch nicht. Katrin Lindner ist am Montag angekommen, hat bereits eine Reihe von Menschen mit Geschichten getroffen, sagt sie. Gedreht habe das Team aber noch nicht. Am Dienstag wollen sie damit anfangen.

Das ZDF will mit dem neuen Format näher an die Zuschauer. Eigentlich berichtet der Sender von Potsdam aus über Brandenburg – viel Zeit für Termine in der Lausitz bleibt da kaum. Als „Luxus“ beschreibt die ZDF-Reporterin die kommenden vier Wochen – ausgerechnet in Cottbus.

„Cottbus war Anfang des Jahres oft in den Schlagzeilen“, sagt Katrin Lindner, betont aber: „Es geht nicht darum, ‚Cottbus-Bashing’ zu betreiben“, Cottbus also in den kommenden vier Wochen möglichst schlecht dastehen zu lassen. Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) beschwert sich seit Monaten über das Bild seiner Stadt in den Medien. Da werde eine „Nazistadt“ aus Cottbus gemacht, ein Ort, an dem „bürgerkriegsähnliche Zustände“ herrschten.

Es werde sicherlich auch darum gehen, warum viele Menschen in der Region unzufrieden seien, sagt die ZDF-Reporterin nach ihrem ersten Tag in der Stadt, aber eben nicht nur. Das Ziel des Formats, sagt Hagedorn, sei es auch, den Zuschauern die Möglichkeit zu geben, mit dem Sender in Kontakt zu kommen. „Was brennt den Leuten auf den Nägeln?“, will die Reporterin wissen, berichtet von einem Treffen mit einer jungen Frau, die sich nur schwerlich mit Minijobs über Wasser halten kann. Es gehe dem Sender auch darum, Menschen aus der dritten oder vierten Reihe zu finden, zu ergründen, warum sich viele in den Medien nicht mehr widergespiegelt fühlten.

Für das erste Stadtteilgespräch in der Oberkirche am Dienstagabend (18.30 Uhr) hat sich das ZDF ebenfalls angekündigt. Vielleicht wird dort der erste Beitrag entstehen, vielleicht aber auch schon tagsüber. Einen Termin mit der Cottbuser Tafel gibt es bereits – schon am Montag war das Fernsehteam dort, habe aber zunächst geredet, nicht gedreht. Darum gehe es auch in erster Linie, sagt Katrin Lindner. Das schwere Equipment habe ihr Team gar nicht dabei, eine kleinere Kamera solle die Distanz zwischen Reporter und Gesprächspartnern vermindern, erklärt sie.

Ziel des Formats sei es auch, ein vollständigeres Bild der Stadt zu zeigen – der Start in Cottbus sei eine redaktionelle Entscheidung gewesen, sicherlich auch wegen des vermeintlichen Zerrbildes, das vor allem in den letzten Monaten entstanden ist, aber auch wegen der vielen Umbrüche, die einige Cottbuser miterleben mussten – vom Krieg über die DDR-Zeit bis zur Wiedervereinigung. Es interessiere sie auch, warum so viele der Demonstranten und Asylkritiker die heutige Zeit mit dem Jahr 1989 verglichen, sagt die ZDF-Reporterin. Nicht zuletzt die Parole „Wir sind das Volk“, genutzt von den Demonstranten während der Montagsdemonstrationen 1989/90, nutzen bei den fremdenfeindlichen „Zukunft Heimat“-Demonstrationen die Teilnehmer immer wieder.

„Wir gehen natürlich in eine Stadt, in der es auch etwas zu berichten gibt“, sagt ZDF-Sprecher Hagedorn. Was allerdings, wird das TV-Team erst im Laufe der kommenden vier Wochen erfahren. Sie sei sich allerdings sicher, dass es in Cottbus eine Menge Geschichten gibt, sagt Katrin Lindner. Nun habe sie endlich die Zeit, die zu finden und zu erzählen.