Der Cottbuser Tierarzt Ekkehard Schwarzer hat am Mittwoch einen Patienten behandelt, dessen Fall ihn schockiert. "Dass ein Hund einen Rattenköder frisst, der etwa in einer Scheune ausgelegt wurde, kommt schon mal vor. Aber, dass ein Tier mit präpariertem Fleisch allem Anschein nach mit voller Absicht getötet werden soll, habe ich so noch nicht erlebt", sagt der Veterinär. Glücklicherweise habe der Hundehalter schnell reagiert, sodass das Tier noch keinen größeren Schaden erlitten habe.

Enrico Rachow aus Papitz hatte seinen Bulldoggen-Mischling zu Tierarzt Schwarzer gebracht, weil der Hund einen mit Nägeln und Gift gespickten Köder gefressen hatte. "Unbekannte haben Würstchen und große Fleischstücke über einen hohen Zaun auf mein Grundstück geworfen. Es gab keine Vorwarnung. Mein Hund sieht vielleicht gefährlich aus, ist aber ganz harmlos. Und es hat sich auch noch nie jemand bei mir beschwert", sagt Enrico Rachow. Ekkehard Schwarzer bestätigt das: "Es handelt sich hier nicht um einen Kampfhund, sondern um ein ganz liebes Tier."

Nach dem ersten Schrecken hatte Hundehalter Rachow sich hilfesuchend an die Polizei gewandt. "Am Telefon sagte man mir, dass das kein Fall für die Polizei sei, weil dem Hund nicht viel passiert sei. Ich habe dann noch einen Streifenwagen angehalten. Aber auch die Beamten wollten nicht aktiv werden", wundert sich der Papitzer.

Polizeisprecher Torsten Wendt: "Juristisch gelten Hunde tatsächlich als Sache, aber wenn jemand bei uns Anzeige wegen Tierquälerei erstattet, gehen wir dem natürlich nach." Dann folgt allerdings ein großes Aber: "In den sozialen Netzwerken gibt es immer wieder neue Meldungen über ausgelegte Giftköder oder Fleisch, dass mit Scherben bestückt ist. Im vergangenen Jahr ist bei uns diesbezüglich aber nur eine einzige Anzeige eingegangen."

In der Facebook-Gruppe "Giftköder Cottbus" wurde am gestrigen Donnerstag eine neue Schreckensmeldung verbreitet und mit Fotos dokumentiert: In der Ottilienstraße seien Wurststückchen gefunden worden, die mit Büroklammern gespickt waren. Bei der RUNDSCHAU meldeten sich mehrere Hundehalter, die derartige Köder in der Gartenstraße gefunden haben.

Lutz Linke, der Vorsitzende des Tierschutzvereins Cottbus, ist selbst Hundehalter. "Die Menschen, die so etwas tun, sollten sich überlegen, was sie da machen. Neben Haustieren können auch Wildtiere die Köder fressen und elend zugrunde gehen. Die Tiere leiden und können sich nicht wehren", sagt der Tierschützer. Er rät dem Papitzer Hundehalter, den Anschlag bei Polizei und Ordnungsamt anzuzeigen.

Für Irene Nickmann vom Tierschutzverein ist der Anschlag auf den Hund in Papitz "Tierquälerei in höchster Potenz".

Enrico Rachow und sein Hund müssen sich erst einmal von dem schockierenden Erlebnis erholen. "Es war reiner Zufall, dass ich meinen Hund noch rechtzeitig gefunden habe. Er würde sonst wohl nicht mehr leben."