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Wunschliste für das Cottbuser Zuchthaus

Sylvia Wähling zeigt das Arbeitsfeld für die 96-Stunden-Aktion. Das erste Obergeschoss soll komplett ausgebaut werden.
Sylvia Wähling zeigt das Arbeitsfeld für die 96-Stunden-Aktion. Das erste Obergeschoss soll komplett ausgebaut werden. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Das Menschenrechtszentrum setzt auf die Cottbuser, um das erste Obergeschoss im alten Zuchthaus auszubauen. Die Herausforderung ist besonders groß, soll doch die Arbeit innerhalb von 96 Stunden erledigt sein. Die Aktion des rbb-Fernsehens startet am Montag. Gesucht werden Helfer, Fachleute und Spender. Dafür liegt eine Wunschliste beim Baufachhandel Szonn in Kolkwitz aus. Peggy Kompalla

Ganz bei Null geht es am Montagabend nicht los, obwohl es für den Laien so aussieht. Planer und Architekten sind gehörig in Vorleistung gegangen. Daraufhin wurden im ersten Obergeschoss neue Stahlträger eingezogen. "Ansonsten hätten wir das Geschoss nicht ausbauen können", sagt Sylvia Wähling, Chefin des Menschenrechtszentrums. Dabei sei das längst überfällig.

Beim Umbau des alten Zuchthauses zur Gedenkstätte vor zwei Jahren waren das Erdgeschoss und das zweite Obergeschoss zum Museum umgewandelt worden. "Für unsere Bildungsarbeit ist es mittlerweile zu eng geworden", erklärt Sylvia Wähling. So sollen im ersten Obergeschoss neue Seminarräume, Büro- und Lagerflächen sowie Sanitäranlagen eingebaut werden. "Die Räume sind so wie sie 2002 verlassen wurden", berichtet die Chefin. "Durch Vandalismus wurden sie später zusätzlich beschädigt."

Rund 600 Quadratmeter ist das Geschoss groß. Das Cottbuser Büro Wanta Architekten arbeitet mit der Bauaufsicht im Eiltempo an der Baugenehmigung, die am Freitag vorliegen wird, wie Baudezernentin Marietta Tzschoppe (SPD) am Dienstag versichert. Gebraucht werden neben Arbeitskraft vor allem Spender. "Es fehlt noch jede Menge Material", berichtet Sylvia Wähling. Damit das am Ende auch passt, hat das Menschenrechtszentrum beim Baufachhandel Szonn eine Materialliste hinterlegt. "Daraus können die Cottbuser auswählen, womit sie die Bauarbeiten in der Gedenkstätte unterstützen möchten." Darüber hinaus sei es möglich, direkt beim Menschenrechtszentrum zu spenden. Wer lieber seine Muckies oder sein Fachwissen hergeben will, ist herzlich willkommen. Neben Helfern werden den Planern zufolge insbesondere Fachleute fürs Verputzen von Decken, fürs Fliesen, das Verlegen von Bodenbelag sowie Installieren von Heizkörpern gesucht.

"Das ist eine 96-Stunden-Aktion", betont Sylvia Wähling. "Wer also nur in den Abend- oder Nachtstunden zum Einsatz kann, soll sich ruhig bei uns melden." Ehemalige Häftlinge haben sich demnach bereits für die Aktion angesagt. Zum Abschluss gibt es noch eine besondere Belohnung. Eine erste kleine Kostprobe aus Beethovens Freiheitsoper "Fidelio", die erst im Sommer auf dem Gefängnishof ihre Premiere haben wird.

Zum Thema:
Die 96-Stunden-Aktion startet am Montag, 4. April, und läuft bis Freitag, 11. April. In der Zeit wird rund um die Uhr in der Gedenkstätte gearbeitet. Welche Hilfe am besten ankommt, kann vorab bei Sylvia Wähling unter 0355 29013312 am Telefon geklärt werden. Beim Baufachhandel Szonn liegt die Materialliste aus. Die Adresse lautet: Berliner Straße 74 in Kolkwitz.