"Wir haben schon eine Liste mit 50 bis 55 Adressen nach Cottbus geschickt", bestätigt Dr. Ulrich Viets, Leiter des Staatlichen Schulamtes in Wünsdorf. "Diese Schulen befinden sich fast ausschließlich im Berliner Speckgürtel." Vor allem Namen und Anschriften von Grundschulen stehen auf dieser Liste. An diesen Orten könnten Lehrer aus dem Bereich Cottbus ab 1. August eine neue Bleibe finden, wenn sich im Staatlichen Schulamt Cottbus keine Lösung findet, wie man dort dem Lehrerüberhang Herr werden kann. Das Gebiet des Schulamtes Wünsdorf umfasst das Territorium der Landkreise Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming.

Vorbereitung auf Lehrer-Zuwachs Die Wünsdorfer bereiten sich bereits auf Lehrer-Zuwachs aus der Lausitz vor. "Wir werden aufgefordert, frei werdende Stellen nicht neu zu besetzen", sagt der Schulamtsleiter. Vor allem in den Städten und Gemeinden rund um Berlin würden noch Lehrkräfte benötigt. "Die Lehrer aus dem Süden müssen dann natürlich auch umziehen", macht Viets klar. Im Süden des Schulamtsbezirks, also zwischen Dahme, Luckau und Lübben, seien die Schulen meist mit ausreichend Pädagogen besetzt. Insgesamt sind im Bereich des Schulamtes Wünsdorf etwa 3000 Lehrer beschäftigt – sie unterrichten etwa 35 000 Schüler. Zum Vergleich: Im Gebiet des Staatlichen Schulamts Cottbus kommen auf knapp 4300 Lehrer derzeit noch rund 47 000 Schüler.

Zeitverträge werden nicht verlängert Zu den Stellen, die das Wünsdorfer Amt bereits an das Cottbuser gemeldet hat, könnten im Sommer noch einige mehr kommen. "Viele Berliner Lehrer, die bisher in Brandenburg arbeiten, haben lediglich Zeitverträge. Die werden nicht mehr verlängert", sagt Viets. Diese Stellen könnten dann von Kollegen zwischen Mühlberg und Guben besetzt werden – wenn es in der Lausitz zu der Massenumsetzung kommt.

Ulrich Viets glaubt noch nicht daran: "Diese Ströme sind uns schon seit Jahren angekündigt worden. Bisher kamen sie aber nicht."

Die Frage nach den Umsetzungsströmen ist immer noch eine Rechnung mit vielen Unbekannten: Noch ist offen, wie viele Lehrer in Südbrandenburg freiwillig auf Teilzeitarbeit wechseln, obwohl sie ein tariflich verbrieftes Recht auf eine Vollzeitstelle haben. Davon ist abhängig, wie viele Kollegen per Sozialauswahl die Lausitz und das Elbe-Elster-Land verlassen müssen. Sind es wenige oder die vom Personalrat befürchteten bis zu 620? Klarheit wird wohl erst der Februar bringen, wenn die Rückmeldungen der Teilzeitwilligen ausgewertet sind.

Viets’ Cottbuser Amtskollege Dietmar Wolter will sich demnach auch nicht auf Zahlenspielereien einlassen. Ebenso wenig will er über Betroffene spekulieren. Erst Anfang Februar stehe fest, welche Lehrer für eine Versetzung in Betracht kommen, bis Ende Februar sollen laut Dienstvereinbarung die zu Versetzenden ausgewählt werden.

Dabei ist noch völlig offen, wie die Versetzungsgefährdeten reagieren werden. Der Hauptpersonalrat hat am 8. Februar zur Vollversammlung nach Cottbus eingeladen. Das Treffen wird auch ein Stimmungstest werden, ob die Lausitzer Lehrer kampflos das Feld räumen.
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Hintergrund: Schulbezirke

Das Land Brandenburg ist seit 2002 in sechs regional zuständige Staatliche Schulämter eingeteilt:

Staatliches Schulamt Cottbus: Landkreise Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster sowie die Stadt Cottbus.
Staatliches Schulamt Wünsdorf: Landkreise Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming
Staatliches Schulamt Perleberg: Landkreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel
Staatliches Schulamt Eberswalde: Landkreise Uckermark und Barnim
Staatliches Schulamt Frankfurt (Oder): Landkreis Märkisch-Oderland und Oder-Spree sowie die Stadt Frankfurt (Oder)
Staatliches Schulamt Brandenburg an der Havel: Landkreise Havelland und Potsdam-Mittelmark sowie die Städte Potsdam und Brandenburg an der Havel
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