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Wort am Sonntag: Ausstellung erinnert an Kurt Kretschmann

FOTO: LR
Cottbus. Es gibt Menschen, die hinterlassen von der Öffentlichkeit völlig unbemerkt große Spuren. Kurt Kretschmann ist so einer.

Vergangenen Sonntag wiederholte sich von der Öffentlichkeit ziemlich unbemerkt sein 100. Geburtstag.

"Ah, ich erinnere mich", ruft jetzt jemand, "das ist doch der, der 1950 in der DDR die Naturschutzeule (die 1990 überraschenderweise als gesamtdeutsches Symbol übernommen wurde) erfunden hat."

Genau den meine ich. Den, der 1954 die Lehrstätte für Naturschutz an der Müritz gründete, 1960 sein Haus in Bad Freienwalde zum öffentlichen Blockhaus der Naturpflege öffnete, 1976 eine Arbeitsgruppe, die sich dem Weißstorch widmete ... und - und - und.

Was viele nicht wissen ist, dass Kurt Kretschmann ein frommer Mann war, der aus seinem Glauben kein Geheimnis machte und aus seinem unerschütterlichen Glauben an seinen Gott, der die ganze Welt in seiner Hand hält, ein konsequentes Leben führte: Im Jahr 1935 - zur Passionszeit - gelangte er durch Fasten zu der Überzeugung, dass ein christliches Leben und ein Wehrdienst im faschistischen Deutschland nicht zusammenpassen. Ein Jahr später verweigerte er den Wehrdienst und wurde zur Zwangsarbeit eingezogen.

1944 wurde Kretschmann zum Tode verurteilt. Nur durch glückliche Umstände gelang es ihm, zu desertieren und sich bis zum Kriegsende in einer Gartenlaube zu verstecken.

Das Antikriegsmuseum der Friedensbibliothek Berlin erinnert an Kurt Kretschmann in einer Ausstellung - anlässlich der 100. Wiederkehr des Beginns des 1. Weltkrieges. Die Ausstellung ist in der Cottbuser Oberkirche noch bis zum 14. April täglich von 10 bis 16 Uhr, bei freiem Eintritt, zu sehen.

Christoph Polster ist Pfarrer

der evangelischen Gemeinde St. Nikolai

in Cottbus