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| 06:15 Uhr

Rückforderungen der JCC
Groß Gaglow beschäftigt jetzt Berlin

Horst Seehofer
Foto: dpa
Horst Seehofer Foto: dpa FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Cottbus/Potsdam/Berlin. Drei Familien in dem Cottbuser Ortsteil droht der Verlust ihres Grundstücks. Von Daniel Schauff

In einem Brief an den Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat sich Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hinter die Groß Gaglower Bürger gestellt, die derzeit um ihre Grundstücke bangen. Die Jewish Claims Conference (JCC) fordert die Herausgabe der Grundstücke, um mit ihnen Entschädigungszahlungen für jüdische Opfer des Nationalsozialismus vorzunehmen. Hintergrund: Vor dem Zweiten Weltkrieg waren Juden, die in Groß Gaglow gesiedelt hatten, von den Nazis vertrieben worden. Ihre Grundstücke fielen einer Gesellschaft zu. Die wiederum erwarben künftige Groß Gaglower. Drei heutige Groß Gaglower Grundstücksbesitzer sind direkte Erben der damaligen Käufer. Auf sie kommt nun ein Rechtsstreit zu, in dem sie um ihre Heimat kämpfen wollen.

„Die betroffenen Bürger haben sich hilfesuchend an mich gewandt“, schreibt Woidke in seinem Brief. „Die Menschen in Groß Gaglow haben vor Jahrzehnten in gutem Glauben die Obstwiesen (...) erworben und dort ihr neues Zuhause, ihre Heimat aufgebaut“, so der Ministerpräsident weiter.

25 Jahre nach der Deutschen Einheit müsse es andere Wege geben, „um von den Nationalsozialisten an Juden begangenes Unrecht auszugleichen“, schreibt Dietmar Woidke. Und weiter: „Ich würde mich sehr freuen, wenn wir hier mit Ihrer Unterstützung und gegebenenfalls unter Aufzeigen eines Gesprächsweges mit der Jewish Claims Conference zu einer Lösung kommen könnten.“

Angesichts des hohen Alters der Betroffenen sei es unzumutbar, dass sie nun noch vor Gericht treten müssten, hatte der Groß Gaglower Ortsvorsteher Dieter Schulz bereits gegenüber der RUNDSCHAU betont. Auch Woidke gibt das in seinem Brief zu bedenken: „Die Menschen in Groß Gaglow haben vor dem Hintergrund ihres hohen Alters die Ruhe im Lebensabend verdient.“

In einem Gespräch mit der LR vor wenigen Tagen hatten Renate und Karl Homer, die als Erste den Bescheid über die Herausgabeforderung vom Bundesamt für offene Vermögensfragen erhalten hatten, betont: Es gebe keinen anderen Weg als den juristischen. „Sonst stehe ich ja morgen auf der Straße“, so der 79-jährige Karl Homer.