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Brandenburgs Ministerpräsident im GroKo-Kabinett?
Woidke wird in Berlin gebraucht

Nur Spekulationen oder soll der Ostdeutsche Dietmar Woudke für die SPD mit ins neue GroKo-Kabinett?
Nur Spekulationen oder soll der Ostdeutsche Dietmar Woudke für die SPD mit ins neue GroKo-Kabinett? FOTO: Ralf Hirschberger / ZB
Cottbus. Brandenburgs Regierungschef sagt Termin für Mittwoch bei der Leag in Cottbus ab. Als Mitglied der SPD-Verhandlungsgruppe muss er nach Berlin. Soll der Ostdeutsche auch ins neue GroKo-Kabinett? Von Simone Wendler und Christian Taubert

Brandenburgs Ministerpräsident und SPD-Landeschef Dietmar Woidke hat am Dienstag einen Besuch in der Lausitzer Braunkohlewirtschaft abgesagt. Mit Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) wollte er bei der Leag in Cottbus darüber Auskunft geben, welche Energie- und Klimapolitik das Lausitzer Revier von einer neuen Großen Koalition von Union und SPD zu erwarten hat. Doch Woidke wird in Berlin gebraucht: Ob dabei ausschließlich seine Kompetenz als Mitglied der SPD-Verhandlungsgruppe gefragt ist oder er mit zum SPD-Tableau für das neue Kabinett Merkel gehört – abwegig scheint die Spekulation nicht.

Immerhin dürfte beim Zustandekommen einer neuen GroKo ein Ministerposten für die Sozialdemokraten erneut an einen Ostdeutschen fallen. Da die Schwerinerin Manuela Schwesig, Ex-Familienministerin, gerade erst Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern wurde, ist die Option Woidke durchaus denkbar. Zumindest wird aus seinem Potsdamer Umfeld darauf verwiesen, dass es so viele Möglichkeiten nicht gibt.

Dass es jetzt die Terminkollision zwischen Leag-Besuch und dem unbedingten Erscheinen von Dietmar Woidke bei der Verkündung der um drei Tage verzögerten GroKo-Verhandlungen in Berlin gibt, kann Zufall sein. Wahrscheinlicher erscheint jedoch, dass SPD-Parteichef Martin Schulz den Lausitzer an seiner Seite haben will. Sollte Woidke schon gefragt worden sein, ist davon auszugehen, dass er für seine Partei – ähnlich wie bei der Nachfolge von Matthias Platzeck in Brandenburg – in die Bresche springen könnte.

Nach Auffassung des Schatzmeisters der brandenburgischen SPD, Harald Sempf, habe Woidke immerhin durchgesetzt, dass sich der brandenburgische Landesverband nach dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen als einer der ersten für Sondierungsgespräche mit der CDU aussprach. Sempf hatte seinen Parteichef gegenüber der Märkischen Oderzeitung schon vor Tagen ins Rennen um Ministerposten in Berlin gebracht. Der Potsdamer Regierungssprecher Florian Engels betonte am Dienstagabend jedoch gegenüber der RUNDSCHAU: „Da ist nichts dran. Dietmar Woidke ist Ministerpräsident – und das sehr gerne. Und das bleibt er.“

Der Besuch beider Ministerpräsidenten in der Hauptverwaltung der Leag in Cottbus soll nach Unternehmensangaben zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Dabei gehe es im Gespräch mit dem Vorstand des Braunkohleunternehmens und Betriebsräten darum, welche Energie- und Klimapolitik von der Groko zu erwarten sei.

Die Leag betreibt in der Lausitz vier Tagebaue und drei Kraftwerke und beschäftigt rund 8000 Menschen. Mit rund 60 Millionen Tonnen Jahresleistung fördert die Leag ein Drittel der in Deutschland abgebauten Rohbraunkohle.