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| 12:33 Uhr

Woidke in Cottbus
Woidke bekennt sich zu Umzug des Wissenschaftsministeriums nach Cottbus

 Ministerpräsident Dietmar Woidke (r.)  stellte sich im Gut Branitz den Fragen von Moderator Jens-Uwe Hoffmann (l.) sowie der Besucher.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (r.) stellte sich im Gut Branitz den Fragen von Moderator Jens-Uwe Hoffmann (l.) sowie der Besucher. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke plaudert bei einer Talkrunde in Cottbus aus dem Nähkästchen. Wirklich spannend wird es erst, als er über die Schere zwischen Ost und West und den Streit um den Umzug des Wissenschaftsministeriums nach Cottbus spricht. Von Nils Ohl

Zum vierten Teil seiner Talk-Serie „Superwahljahr 2019“ hat sich Jens Uwe Hoffmann am Freitagabend den Brandenburger Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) als Gast in das Gut Branitz eingeladen. Anders als sonst in Hoffmanns Talk-Runden üblich, gab es keine weiteren Gäste auf dem Podium.

Als thematischen Rahmen gab der Talkmaster die Auswertung der Europa- und Kommunalwahlen vom 26. Mai und eine Vorschau auf die Landtagswahl vom 1. September an. Doch bis diese Themen zur Sprache kamen, plauderte Hoffmann lange über die Kindheit des heutigen Ministerpräsidenten auf dem Bauernhof in Naundorf bei Forst. Woidke griff den Ball gern auf und so erfuhren die Zuhörer den Unterschied zwischen LPG Typ 1 (nur gemeinsame Nutzung der Maschinen) und LPG Typ 3 (auch das Vieh wurde Gemeinschaftsbesitz), das Leben auf einem Mehrgenerationenhof, der sich seit 400 Jahren in Familienbesitz befindet, einen Urgroßvater als preußischen Garde-Ulanen und anderes mehr. Erst über den Umweg der Doktorarbeit, Dietmar Woidke hat als Diplomagraringenieur zu einem Thema der Tierhaltung promoviert, kam allmählich das Klima und damit die aktuelle Politik ins Spiel.

Man müsse, so Woidke, beim Klimaschutz Lösungen für und nicht gegen die Menschen finden. Als gelungenes Beispiel nannte er das Abschlusspapier der Kohlekommission. Dort sei es – auch mit dem Ausstiegsdatum 2038 – gelungen, einen Kompromiss zwischen den Interessen der Menschen in der Region und dem Klimaschutz zu finden. „Dieser Kompromiss muss besser verkauft werden“, forderte Woidke. Dass sei in der heutigen Politik allerdings schwer möglich, da sich die Positionen immer weiter polarisieren.

Heftigen Widerspruch des Ministerpräsidenten erntete Jens Uwe Hoffmann mit seiner These, der Osten allgemein und Brandenburg speziell habe „Blau“ gewählt. Das sei eine typische „Westsicht“, denn „75 Prozent der Menschen haben das nicht getan“, erwiderte Woidke.

Allerdings habe die etablierte Politik zu wenig darauf gehört, was die Menschen wirklich bewegt. Auf Beispiele angesprochen nannte er die Rentenmauer zwischen Ost und West, die 30 Jahre nach dem Mauerfall inzwischen länger besteht als die Berliner Mauer mit 28 Jahren. Und wenn den Menschen jetzt nach Schließung der Kohlegruben prosperierende Landschaften versprochen werden, wecke das bei vielen ungute Erinnerungen an die 90er-Jahre.

Ministerpräsident Woidke sprach darüber, wie wichtig es ist, die Projekte des Strukturwandels nun anzugehen, um den Menschen Mut zu machen. Dabei kam der Ministerpräsident auf die großen Vorhaben in Cottbus zu sprechen. Es ging um den gerade mit der Deutschen Bahn vereinbarten Ausbau des Bahnwerkes Cottbus und um den Plan, in Cottbus über das Carl-Thiem-Klinikum und die BTU Cottbus-Senftenberg die Ausbildung von Ärzten zu etablieren. Hierzu laufen am 17. Juni konkrete Gespräche der beteiligten Partner aus ganz Brandenburg. In der Perspektive könnte das rund 1500 neue Arbeitsplätze – vom Professor bis zum Hausmeister – für die Region bedeuten.

Es ging auch um den Ausbau der Bahntrassen zwischen Cottbus, Berlin, Leipzig und Breslau und um die Ansiedlung von zwei Instituten in Cottbus: Zum einen das Fraunhofer-Institut zur Energiespeicherung, zum anderen eine Einrichtung des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt, um die nächste Generation von Flugzeugmotoren zu entwickeln.

Dabei kam natürlich auch die Frage nach dem umstrittenen Umzug des Wissenschaftsministeriums nach Cottbus auf. Hier gab es eine klare Ansage des Ministerpräsidenten: „Mich ärgert die Diskussion. Als wäre Cottbus Waldiwostok“. In der Lausitz müssten sich infolge des Kohleausstiegs und des Klimaschutzes viele Tausend Menschen neu orientieren. „Und wir reden da über Beamte, die nicht für eine Stadt, sondern für das ganze Land verbeamtet sind.“ Mit der künftigen medizinischen Ausbildung, der BTU und den vielen Instituten sei Cottbus ein guter Standort für diesen Teil der Landesregierung.