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| 20:02 Uhr

Cottbus
„Wohin sollen wir denn flanieren?“

25 LR-Leser hatten am Mittwoch die Gelegenheit, sich über Entwicklungen in der Innenstadt zu informieren. Foto: Daniel Schauff
25 LR-Leser hatten am Mittwoch die Gelegenheit, sich über Entwicklungen in der Innenstadt zu informieren. Foto: Daniel Schauff FOTO: LR / Daniel Schauff
Cottbus. Beim LR vor Ort-Stadtrundgang gibt es Neuigkeiten zu den Plänen fürs Einkaufszentrum. Von Daniel Schauff

Es sind ein paar Tausend Innenstadt-Quadratmeter, die den Cottbusern heftig unter den Nägeln brennen. Zwischen Stadthalle und Blechen-Carré sind die Bagger bereits angerückt, der Postparkplatz ist auf allen Seiten abgesperrt, die Umgestaltung seit Kurzem voll im Gange. Angelika Linke, Sachbearbeiterin im Fachbereich Grün- und Verkehrsflächen bei der Cottbuser Stadtverwaltung, zeigt auf einer Zeichnung, wie die Flaniermeile Cottbuser und Gäste durch das Herz der Stadt leiten soll – viel Grün, ein parallel zum Weg an der Stadtmauer führender Rad- und Fußgängerweg, Hecken sollen die jetzt noch kahle Fläche zu einem Ort zum Verweilen machen. In zwei Bauabschnitte hat die Stadt die Gestaltung der Flaniermeile geteilt, bis zum Ende des Jahres soll der erste fertig sein, sagt Angelika Linke. Postparkplatz, Verkehrsflächen und Gehwege werden erneuert, Gesamtkosten: rund 890 000 Euro. Knapp 600 000 Euro davon kommen aus dem Modellstadt-Programm. Bauabschnitt zwei folgt, unklar allerdings ist noch, wann. Weiter kommt die Stadt erst, wenn der lange geplante zweite Abschnitt des Blechen-Carré steht.

„Wohin sollen wir denn jetzt flanieren?“, fragt eine RUNDSCHAU-Leserin, die mit 24 weiteren Gästen am LR vor Ort-Stadtrundgang entlang der großen Bauprojekte in der Cottbuser Innenstadt teilnimmt. Einen Baustart-Termin für das Einkaufszentrum gibt es immer noch nicht. Bauherr René Becker, Geschäftsführer der EKZ Stadtpromenade Cottbus GmbH, hat seine Teilnahme am Rundgang abgesagt. Nicht aber, ohne einen Ausblick zu geben: „Einen großen Teil der Unterlagen, die die Stadt für die Erteilung der Baugenehmigung brauchte, haben wir vor fünf Jahren eingereicht. Wir haben mit der Stadt vereinbart, dass diese Prüfung nach Erteilung der Baugenehmigung bis zu vier Monaten in Anspruch nehmen kann.“ Seit der vergangenen Woche ist der Bau genehmigt. Es sei auch sein Interesse, sagt Becker, so schnell wie möglich mit dem Bau zu beginnen.

Die Stadt ist offenbar guter Dinge. Stadtplaner Egbert Thiele spricht im Hinblick auf die Baugenehmigung von einem „großen Schritt“, verweist etwa auf die Gebühr, die der Bauherr dafür zahlen muss – eine Investition, die keiner tätigt, der nicht auch bauen will. 30 Geschäfte sollen im neuen Einkaufszentrum entstehen. Welche, ist noch unklar. Das treibt dem Altstadt-Händlern die Sorgenfalten ins Gesicht, sagt Altstadt-Manager Gottfried Lindner. Der Investor, so sein Vorschlag, solle sich mit den Händlern zusammensetzen, um ihnen die Angst vor der Konkurrenz im Zentrum zu nehmen. Die Sorgen der Inhaber von Läden in der Sprem und auf dem Altmarkt höre er jeden Tag.

Kritik üben die Teilnehmer des Rundgangs am Erscheinungsbild des Grundstücks. Ein Zaun vermag es nicht, den Blick auf eine überwucherte Fläche zu versperren. Ob die Stadt den Investor nicht hätte verpflichten können, für ein besseres Erscheinungsbild zu sorgen, fragt ein Teilnehmer. Wie die Fläche jetzt aussieht, sei ein riesiger Imageschaden für den Bauherrn.Thiele verweist darauf, dass es sich bei dem Grundstück um Privatbesitz handelt. Der Sicherungspflicht sei der Investor nachgekommen, das Ästhetikempfinden der Cottbuser und der Stadtverwaltung reiche nicht aus, um den Bauherrn zum Handeln zu bewegen.

Ob die Arbeiten am neuen Blechen-Carré die Ergebnisse des ersten Bauabschnitts der Flaniermeile nicht zerstören werden, will ein weiterer Teilnehmer wissen. Nein, sagt Alice Kunze, Leiterin des Fachbereichs Grün- und Verkehrsflächen. Der Rad- und Fußgängerweg werde als Zuweg auch für die Arbeiten am Zentrum genutzt. Geeignet sei er dafür, weil über ihn auch der reguläre Lieferverkehr zum Zentrum erfolgen soll. Gebe es Schäden, sei der Bauherr in der Pflicht, die zu beseitigen.

Unter den Teilnehmern des LR vor Ort-Rundgangs finden sich sowohl Befürworter als auch Kritiker des Zentrums. Eine Leserin würde sich eine Markthalle wünschen, andere eine reine Freizeitfläche. Letztere soll künftig die Flaniermeile zumindest bereits teilweise bieten. Für die rollen die Bagger bereits fleißig durchs Zentrum.

Einige Hundert Meter weiter an der Briesmannstraße will die Gebäudewirtschaft Cottbus (GWC) bis 2022 ein riesiges Wohnungsbauprojekt realisieren. GWC-Chef Torsten Kunze hat den LR-Lesern am Donnerstag mehr dazu verraten. Was genau, lesen Sie am Samstag in der LR und auf www.lr-online.de.

LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR