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| 02:33 Uhr

Wohin mit dem neuen Grün?

Heulende Sägen in der Spremberger Vorstadt: 30 Bäume müssen im Zuge der Sanierung der Straße der Jugend gefällt werden.
Heulende Sägen in der Spremberger Vorstadt: 30 Bäume müssen im Zuge der Sanierung der Straße der Jugend gefällt werden. FOTO: Nocon
Cottbus. Wer abholzt, der muss wieder aufforsten. Das verlangt die Cottbuser Baumschutzsatzung. Doch das ist einfacher vorgeschrieben als umgesetzt, denn die Suche nach Standorten für Ersatzpflanzungen gestaltet sich schwierig. Nicole Nocon

30 Bäume in der Straße der Jugend, fünf Bäume in der Bodelschwingh-Straße, drei Bäume an der Priormühle. . . Die Liste der Bäume, die im Auftrag der Stadt allein in diesem Jahr gefällt werden mussten, ist lang. Und noch viel länger ist die Liste der gefällten Bäume, für die neues Grün gepflanzt werden muss. Denn die Baumschutzsatzung der Stadt Cottbus verlangt, dass für bestimmte Baumsorten ab einem festgelegten Stammumfang Ersatz geschaffen werden muss, wenn diese gefällt werden. Doch was die Satzung vorschreibt, ist auch für die Stadtverwaltung gar nicht so leicht umzusetzen. Der gute Wille ist zwar da, aber es mangelt an passenden Standorten für die neuen Bäume.

"Nicht immer können die neuen Bäume am alten Standort gepflanzt werden. Es ist sehr schwierig, geeignete Flächen für die Ersatzpflanzungen zu finden", sagt Marion Adam, die Leiterin des Fachbereichs Grün- und Verkehrsflächen. "Bei genauerer Prüfung der infrage kommenden Stadtorte stellt sich nicht selten heraus, dass diese für Ersatzpflanzungen ungeeignet sind, weil dort zum Beispiel unterirdische Kabel velaufen, dass die Flächen zu nah an der Fahrbahn liegen oder dass in absehbarer Zeit eine Straßen- oder Gehwehgssanierung ansteht, der die neu gepflanzten Bäume dann wieder weichen müssten", erklärt sie.

Ihr Kollegin Nina Dossow kümmert sich intensiv um die Suche nach geeigneten Standorten. Bei der Prüfung potenzieller Pflanzflächen arbeitet sie unter anderem auch mit dem Stadtplanungsamt und Leitungsbaufirmen zusammen. "Es ist ein sehr komplizierter und zeitaufwändiger Prozess. Gerne greifen wir auch Vorschläge von Bürgern auf und weichen für Ersatzpflanzungen schon mal auf private Flächen auf, wenn der Eigentümer auf uns zukommt. Aber auch die Anregungen von Bürgern müssen zunächst genau geprüft und dann leider oft wieder verworfen werden", bedauert sie, mit Blick auf den prall gefüllten Aktenordner, in dem sie die Unterlagen zu den anstehenden Ersatzpflanzungen und potenziellen Standorten gesammelt hat.

Marion Adam räumt ein, dass es in den vergangenen Jahren personalbedingt zu einem gewissen Bearbeitungsstau gekommen sei. Nina Dossow ist aber zuversichtlich, dass sich die Halde der unerledigten Ersatzpflanzungen in den kommenden Jahren abtragen lässt. "Allein 2014 wollen wir etwa 80 neue Bäume pflanzen, unter anderem am Skadower Sportplatz, am Eichenplatz, an der Schlosskirche und im Blechenpark", kündigt sie an.

Rund 80 000 bis 100 000 Euro wendet die Stadt Cottbus laut Marion Adam pro Jahr für die Ersatzpflanzung von öffentlichem Grün auf. Darüber hinaus falle ein hoher Pflegeaufwand an. Allein 40 000 Euro koste das Wässern von Bäumen die Stadt Jahr für Jahr.

"Wir achten bei der Auswahl der Standorte und der Wahl der Bäume sehr darauf, dass die Ersatzpflanzungen auch nachhaltig sind", betont Marion Adam. Aus diesem Grund habe sich die Stadt entschieden, in der Pappelallee nicht wieder Pappeln zu pflanzen. "Pappeln brechen zu leicht", erklärt die Leiterin des Grünflächenamtes.