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| 18:54 Uhr

Cottbuser Lichtgalerie
Wo sich House und Klassik treffen

 Seit Februar arbeitet der Lichtkünstler Jörn Hanitzsch am alten Ballsaal in der Bahnhofstraße. Er hat ihn zu einem vielfältigen Veranstaltungsort umgestaltet.  Foto: Julian Münz
Seit Februar arbeitet der Lichtkünstler Jörn Hanitzsch am alten Ballsaal in der Bahnhofstraße. Er hat ihn zu einem vielfältigen Veranstaltungsort umgestaltet. Foto: Julian Münz FOTO: LR / Julian Münz
Cottbus. Die Lichtgalerie von Jörn Hanitzsch beeindruckt durch ihr ungewöhnliches Ambiente. Sie verbindet Kunst, Musik und Architektur. Von Julian Münz

Nicht vieles passt zusammen, wenn man zum ersten Mal den alten Ballsaal des preußischen Landratsamtes in der Bahnhofsstraße betritt, in der Jörn Hanitzsch seine Lichtgalerie aufgebaut hat. Siebeneinhalb Meter hoch ragt die Decke des Raums. Ein jahrzehntealter Klavierflügel am Rande des Raumes verstärkt das 20er-Jahre-Ambiente, den die Architektur des Raumes versprüht. Hier soll also zu elektronischen Beats gefeiert werden? So lautet zumindest der Plan von Hanitzsch, der unter anderem mit der Partyreihe BallHouse24 die Tanzbeine schwingen lassen möchte.

„Den meisten, die hier reinkommen, fällt erstmal die Kinnlade herunter“, erzählt der Raumbesitzer stolz. Dass er den Raum nutzen kann, verdankt er guten Kontakten zum Unternehmer Walter Stöber, dem das Haus gehört. „Er war oft in meiner alten Lichtgalerie an der Sprem zu Gast und hat gesehen, dass ich damit etwas gemacht habe“, erzählt er. Neben der besonderen Architektur des Ballsaals hat es Hanitzsch in seinem neuen künstlerischen Zuhause vor allem die Lage angetan. „Wir haben den Blick auf die schönste Straße in Cottbus“, schwärmt er. Die Dynamik der Bahnhofsstraße, so Hanitzsch, vermittele, dass man hier im Zentrum einer Metropole sei.

An klassische Clubs erinnert hier nur der kleine Nebenraum, in dem Hanitzsch mit Bierkästen eine kleine Bar sowie ein Sofa aufgestellt hat, auf dem man es sich gemütlich machen kann. Im Ballsaal selbst findet man hingegen zahlreiche Lichtkunstwerke an den Wänden und besagten Klavierflügel, der laut Hanitzsch etwa 80 Jahre alt ist. „Zwei Mal im Jahr lasse ich ihn stimmen“, erklärt Hanitzsch. Der Flügel gehöre zum Raum dazu und könne nicht einfach weggestellt werden. Um das Klavier finden sich die „Wächter der Zeit“, von unten angeleuchtete Kapuzenmäntel, die wie Geister wirken.

Mit einer Mischung aus Lichtkunst und Musik möchte er die Leute regelmäßig in den Ballsaal einladen. „Es gibt bestimmt 1000 Leute, die sich in Cottbus am Wochenende fragen, wo sie hingehen können“, führt Hanitzsch aus. Neben der BallHouse24-Reihe, in der elektronische Musik die Hauptrolle spiele, seien aber auch klassische Musikabende geplant. Und bald möchte Hanitzsch mit einer Swing-Party die 20er-Jahre wieder aufleben lassen.

Aber auch das Spielen von elektronischen Beats ist in diesem Umfeld für Hanitzsch kein Widerspruch. „Die Lichtinstallationen- und Performances funktionieren am besten mit Progressive House oder klassischer Musik“, so  der Lichtkünstler. Hanitzsch möchte die Architektur des Saals, seine Lichtperformances und die Musik in den Feiern auch verbinden. Vor der Party etwa könnten die Besucher die Kunstwerke betrachten oder sich die Videos an der Raumdecke ansehen, erklärt der Lichtkünstler. Dass die Besucher bald in Massen in die Lichtgalerie strömen, sei aber auch nicht das Ziel von Hanitzsch, „alleine schon aus veranstaltungsrechtlichen Gründen“, wie er sagt. Auch in größere Städte, in denen er vielleicht ein größeres Publikum anziehen könnte als in der Lausitz, möchte der Lichtkünstler nicht gehen.

„Cottbus ist für mich ein interessantes Medium. Wenn Dinge hier funktionieren, dann können sie überall klappen“, erklärt Hanitzsch.

In der Stadt hat sich der Vater von drei Kindern zudem auch gute Kontakte für die Arbeit aufgebaut. „In Cottbus erreicht man, wenn man mit den richtigen Leuten zusammenarbeitet, in zwei Stunden mehr, als in Berlin an einem ganzen Tag“, so Hanitzsch.

„In Berlin oder Leipzig könnte ich mir die Miete nicht leisten und hätte den Druck, permanent zu öffnen“, erklärt er. In Cottbus könne er sich hingegen abseits der Partyveranstaltungen auch seiner Kunst widmen. Im Sommer etwa möchte er wieder bei „Nachts im Tierpark“ seine Kunst ausstellen. Große Partys möchte er in der Lichtgalerie dann nicht feiern. „Die veranstalten wir hier nur im Winter“, sagt er.