| 18:03 Uhr

Wo Radler in Cottbus gefährlich leben

Zu zwei Unfällen mit Radfahrern musste die Polizei in diesem Jahr an die Kreuzung Straße der Jugend / Franz-Mehring-Straße ausrücken.
Zu zwei Unfällen mit Radfahrern musste die Polizei in diesem Jahr an die Kreuzung Straße der Jugend / Franz-Mehring-Straße ausrücken. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Auf Cottbuser Straßen sind innerhalb weniger Wochen zwei Radfahrer nach Unfällen gestorben. Ein 87-Jähriger Radler erlag nach einem Unfall am Sonntag wenig später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Daniel Steiger

Der Schock sitzt noch tief. Am 23. August war eine 29-jährige Frau an der Kreuzung Karl-Liebknecht-Straße / Waisenstraße von einem Lkw erfasst worden. Sie erlag am Unfallort ihren schweren Verletzungen. Drei Wochen später gibt es nun den nächsten tödlichen Unfall mit einem Radfahrer in Cottbus. Polizeisprecher Ralph Meier schildert den Unfall so: "Ein 80-jähriger Autofahrer hat am Sonntagmittag im Bereich der Karlstraße / Bonnaskenplatz beim Abbiegen einen 87-jährigen Fahrradfahrer übersehen und kollidierte mit diesem." Der Radfahrer hatte demnach an der Kreuzung die Vorfahrt. Der 87-Jährige stürzte und erlitt dabei schwere Verletzungen. Mit dem Rettungswagen kam der Mann zur weiteren Behandlung ins Carl-Thiem-Klinikum. Am Dienstagmorgen gab es nun die schlimme Nachricht: Der Radfahrer hat den Unfall nicht überlebt und ist am frühen Dienstagmorgen an seinen Verletzungen gestorben.

Wie bei dem tödlichen Unfall im August werden Experten jetzt den genauen Unfallhergang untersuchen. Die Gutachten der Dekra gehen dann direkt an die Staatsanwaltschaft, die bei solchen Unfällen ermittelt. Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum gegenüber der RUNDSCHAU: "Uns liegt noch kein Untersuchungsergebnis für den Unfall im August vor. Das dauert erfahrungsgemäß immer ein paar Wochen." Am 23. August saß ein 23-jähriger Fahrer aus Polen hinter dem Lenkrad des Sattelschleppers. Es wird vermutet, dass er die Radfahrerin im toten Winkel der Lkw-Außenspiegel übersehen hat. Im Allgemeinen müssen die Kraftfahrer in solchen Fällen mit einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung rechnen, blickt Horst Nothbaum voraus. Ihnen drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe.

Dass Fahrradfahrer in Cottbus gefährlicher leben als früher, kann Polizeisprecherin Ines Filohn nicht bestätigen. Laut Polizeistatistik gab es im vergangenen Jahr 221 Unfälle mit Radfahrern, in diesem Jahr bis 31. August 159. Die häufigsten Unfallursachen sind missachtete Vorfahrt oder Fehler beim Abbiegen.

Auch am gestrigen Dienstag musste die Polizei einen Unfall mit einem Fahrradfahrer vermelden: In der Gaglower Landstraße Ecke Hähnchener Straße ereignete sich gegen 10.30 Uhr ein Vorfahrtunfall. Dabei kollidierten ein Auto und eine 73-jährige Fahrradfahrerin. Die Rentnerin erlitt einen Schock sowie Verletzungen am Bein und musste durch Rettungskräfte in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Im gesamten Land Brandenburg sind im vergangenen Jahr neun Radfahrer bei Unfällen gestorben. Allein im ersten Halbjahr 2017 waren es laut Erhebungen des Brandenburgisches Landesamtes für Statistik schon elf.