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Wo Lutki lesen lernen

Mit Brot und Salz begrüßen Viktoria Puttke (l.), Caroline Stevens (2.v.l.) und Edith Häßner (r.) die Gäste der Namensfeier.
Mit Brot und Salz begrüßen Viktoria Puttke (l.), Caroline Stevens (2.v.l.) und Edith Häßner (r.) die Gäste der Namensfeier. FOTO: Halpick
Sielow. "Warum haben denn alle schon gegessen?", fragt Edith Häßner enttäuscht. Das Mädchen im Lutki-Kostüm gehört zum Empfangskomitee, das den Gästen Brot und Salz reichen soll. Silke Halpick

Doch es wird nur selten zugegriffen. Die Grundschule Sielow feiert am Freitagvormittag ganz groß ihre Namensgebung.

"Lutki Grundschule Sielow" - so heißt die Bildungseinrichtung im Cottbuser Norden jetzt auch ganz offiziell. Lutki, das sind Zwerge aus der sorbischen Sagenwelt, die im Erdreich wohnen, den Menschen gut gesinnt sind, ihnen aber auch zahlreiche Streiche spielen. "Das passt zu uns", stellt Schulleiterin Irena Götze fest. Die Schule liegt im sorbisch-wendischen Siedlungsgebiet. Rund 50 Prozent der insgesamt 272 Schüler lernen hier auch Sorbisch - im Fremdsprachenunterricht oder bilingual in den sogenannten "Witaj"-Klassen.

Den Namen haben die Schüler selbst ausgesucht. Vor zwei Jahren wurde das neue Schulprogramm erarbeitet. "Da fragten wir uns, warum haben wir eigentlich keinen Namen?", erzählt Götze. Es folgte ein Wettbewerb, bei dem alle Schüler ihre Ideen einreichen konnten. Zu den Favoriten gehörten unter anderem Waldgrundschule, Bunte Grundschule, Jurij-Koch-Grundschule und Witaj-Grundschule. "Am häufigsten wurde aber der Name Lutki-Grundschule vorgeschlagen", berichtet Götze.

Doch sich einfach selbst einen Namen zu geben, das funktioniert nicht. "Die Stadt als Schulträger muss zustimmen", erklärt Schulrat Michael Koch. Das hat die Stadtverordnetenversammlung auch getan. In Kochs Zuständigkeitsbereich fallen 30 Schulen. Die Sielower Bildungseinrichtung ist die zweite, die einen sorbischen Namen gewählt hat. Ihm persönlich gefällt er.

Häufig werden Schulen nach berühmten Persönlichkeiten benannt, wie Erich Kästner, Carl Blechen oder Reinhard Lakomy. Den Namen des 2013 verstorbenen Künstlers trägt die Grundschule in Groß Gaglow schon seit 16 Jahren. Das ist ein absoluter Sonderfall. Laut Brandenburger Schulgesetz soll von der Benennung nach noch lebenden Personen abgesehen werden.

Fast zwei Stunden lang ist das Programm, das die Grundschüler aller Jahrgangsstufen zur Feier des Tages in der chic sanierten Turnhalle aufführen. Sie singen, tanzen, spielen Theater, führen Kunststücke auf und improvisieren sogar fast so gut wie Profis, als die Musik kurzzeitig ins Stocken gerät. Ganz am Ende der Show präsentieren die Sechstklässler die neuen Schultrikots: grün, mit dem neuen Namen auf dem Rücken und einem kleinen Lutk auf der Brust.