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Wo Kiwi und Bananen wachsen

Hans-Joachim Gussor verschwindet fast im tropischen Grün. In diesem Jahr trägt die Banane sogar Früchte.
Hans-Joachim Gussor verschwindet fast im tropischen Grün. In diesem Jahr trägt die Banane sogar Früchte. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Gudrun und Hans-Joachim Gussor sind Rentner. Sie lachen. In dem Garten wachsen nicht nur Kartoffeln und Schnittlauch, sondern fühlen sich einige Exoten wohl. Bei Gussors gedeihen Feigen und Mandarinen. Eine Zitrone haben sie schon geerntet, die nächsten Früchte sind prall, allerdings noch quietschgrün. Die Kiwi hat es noch nicht bis zur Frucht geschafft. In diesem Jahr kommen dafür die Bananen. Peggy Kompalla

Die breiten Blätter der Staude recken sich in die Höhe. Sie beschatten eine ganze Hausseite. Mitten im Grün hängt eine riesige Blüte wie eine Glocke. Darüber wächst eine Krone aus kleinen grünen Bananen. Hans-Joachim Gussor freut sich: "Dieses Jahr ist perfekt - es ist feucht und warm." Was für eine Pracht! Der Sielower winkt ab und erklärt bescheiden: "Das schafft die Pflanze ganz allein." Der Rest sei gutes Zureden. Mitnichten! So einfach ist es dann doch, wie sich zeigt, sonst gäbe es in manchem Cottbuser Garten eine Bananenzucht.

Hans-Joachim Gussor hebt die schweren Blätter an und lüftet das Geheimnis. Die Banane mit den Früchten steht in einem großen Kübel. "Die überwintert im Anbau", erklärt er. "Ansonsten braucht sie zu lang, um in die Gänge zu kommen und eine Blüte zu entwickeln. Bei uns ist die Wärmeperiode nicht lang genug." Ob Gussors die Bananen wirklich pflücken werden, bezweifelt der Gärtner. Einmal gab es jedoch eine Ernte. "Verwandte hatten aus Spaß Bananen in die Staude gehangen", sagt er und lacht. Diesmal sind keine Supermarkt-Früchte nötig.

Hans-Joachim Gussor bekommt die Bananen sogar draußen über den Winter. Die mächtigen Stauden könnte er nicht alle in den Anbau packen. Der sowieso schon vor lauter Pflanzen überquillt, wie seine Frau anmerkt. "Sobald der erste Frost kommt, schneide ich die Blätter auf einer Höhe von einem dreiviertel Meter ab", erklärt er. "Dann packe ich sie dick in Laub und Reisig ein. Die Leute haben schon gemutmaßt, dass ich unten eine Heizung eingebaut hätte." Bei dem Satz huscht ein Lächeln über seine Lippen.

Bei Gussors gedeiht alles besonders prächtig, dabei müssen sie mit demselben Sandboden klarkommen, wie die Nachbarn. Chemiedünger kommt den Gussors nicht in den Garten. "Ich setze einen Sud mit Stickstoff und Kieselsäure an. Davon bekommen die Pflanzen mindestens einmal in der Woche einen Schluck." Mehr verraten die beiden Gärtner nicht. Sie sitzen im Schatten und genießen den Blick in ihr grünes Reich, das auf einer Seite von hohen Kiefern begrenzt wird. Alles ist gepflegt und liebevoll gestaltet. "Die Ideen hat meine Frau", sagt er. Gudrun Gussor verrät: "Das ist alles Gefühl, gar kein Konzept." Die beiden haben ein ziemlich gutes Gefühl für ihr Grün.