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Wo Hochschullehrer und Hausmeister gemeinsam musizieren

Jeden Freitag treffen sich die Mitglieder des Vetschauer Musikvereins zur Probe in Vetschau.
Jeden Freitag treffen sich die Mitglieder des Vetschauer Musikvereins zur Probe in Vetschau. FOTO: Hirche/jul1
Vetschau. Der Vetschauer Musikverein feiert am 29. und 30. Oktober sein 60-jähriges Bestehen. Zum Auftakt gibt es am Sonnabend in der Solarsporthalle am Vetschauer Schulzentrum ein Festkonzert des Jubilars mit anschließendem Tanzabend für geladene Gäste. Marion Hirche/jul1

Am Sonntag soll dann mit allen Musikfreunden zünftig gefeiert werden. Ab 10.30 Uhr spielen die "Lindenmusikanten" auf und es gibt Gänsebraten. Von 12.45 bis 14.15 Uhr spielen die "Fröhlichen Hechte" auf und dann ist bis 16 Uhr wieder der Vetschauer Musikverein dran. Ab 16.30 Uhr beschließt dann das Orchester Lausitzer Braunkohle das Jubiläumsfest.

Vorfreude aufs Jubiläum

"Wir freuen uns schon sehr auf dieses Jubiläum, obwohl wir bis dahin noch harte Probenarbeit vor uns haben", sagt Professor Martin Neumann, der im Musikverein Trompete spielt und seit 1995 der Vereinsvorsitzende ist. Auch Petra Mothes fiebert dem Wochenende entgegen. Sie spielt in dem Orchester schon seit 1964 Waldhorn. Damals war sie sechs Jahre alt. Ihr Vater Herbert Mothes hat das Pionier- und FDJ-Blasorchester ins Leben gerufen. 1955 zogen Vater und Sohn Steffen Mothes nach Krieschow. Die Wohnung befand sich im Krieschower Kulturhaus. Dank seiner Erfahrungen mit einem Schalmeienorchester gründete er das Pionierensemble. Sie konnten auf Instrumente vom Mas-Blasorchester des Ortes zurückgreifen.

Anfangs organisierte der Neu-Krieschower alles allein. Am 1. Mai 1957 hatte der heutige Musikverein seinen ersten großen Auftritt in Großräschen. Die Proben fanden in Krieschow im Kulturhaus statt. "Am Montag war Einzelunterricht, am Donnerstag und Sonnabend Probe für alle", erinnert sich Petra Mothes. Sie berichtet vom großen Zusammengehörigkeitsgefühl: "Wir haben auch viele Streiche zusammen gemacht. Die vielen Bewährungsproben bei unseren Konzerten haben uns zusammengeschweißt", meint die Berlinerin. Jeden Freitag kommt die Waldhornspielerin zur Probe. Sie hat Musik zu ihrem Beruf gemacht, unterrichtet in Berlin Deutsch und Musik. Die gleiche Fachrichtung hat auch Harald Hoffmann gewählt. Seine Begeisterung für Musik entwickelte sich auch Dank der Förderung durch Herbert Mothes. Hier lernte Harald Hoffmann das Dirigieren. Heute ist der Vetschauer Lehrer und musikalischer Leiter der "Limberger Lindenmusikanten".

Posaunist Andreas Munitzk aus Fehrow hat eine ganz besondere "Musikvereins-Biographie": Als Jugendlicher hat er bereits in dem Orchester mitgespielt. Nach seinem Berufseinstieg folgte dann eine musikalische Pause. " Aber einmal Musiker, immer Musiker. Deshalb habe ich jetzt wieder angefangen und es macht ganz viel Spaß. Zehn Jahre war ich nicht dabei."

Außerdem hat der Posaunist auch die Geschichte des Vereins aufgeschrieben. Darin erfährt der Leser von der Unterstützung des Ensembles seit den 1960er-Jahren durch das Kraftwerk Vetschau und vom Ortswechsel nach Vetschau 1969, weil dort bessere Räumlichkeiten für die Proben waren. Berichtet wird über zahlreiche Auftritte, über die Mitgliedschaft im Zentralen Musikkorps der FDJ und über viele Auszeichnungen. Erinnert wird an die beliebten Konzerte in der Region und es wird über Peter Ettelt geschrieben, der 1986 die Stabführung übernahm und 2009 leider viel zu früh verstarb.

42 Musiker im Ensemble

Harald Hoffmann war der Stellvertreter des Kolkwitzers. Heute dirigiert Frank Kornauke den Musikverein, der jetzt 42 Mitglieder zwischen 14 bis 60 Jahren hat. Der Berliner spielt im Stabsmusikkorps der Bundeswehr die Tuba. Am Jubiläumswochenende wird er natürlich die Konzerte dirigieren.

Am Sonnabend gehören zum Programm beim Festakt viele Titel aus der Geschichte des Musikvereins. Ein Medley von den X. Weltfestspielen, bei denen die Vetschauer 1973 dabei waren, wird ebenso zu hören sein, wie "Moskau im Mai" - eine Zusammenstellung russischer Titel, die zum Beispiel beim IV. Festival der Freundschaft in Wolgograd gespielt wurde. Das Programm reicht von Nationalhymne zu Nationalhymne, verbunden mit vielen Geschichten über die Musikvereinsgeschichte.