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| 02:34 Uhr

Wo Branitzer Gärtner die Säge ansetzen

Claudius Wecke und Monika Greul zeigen den Riss, der durch die große Rotbuche im Bürgergarten geht.
Claudius Wecke und Monika Greul zeigen den Riss, der durch die große Rotbuche im Bürgergarten geht. FOTO: Elsner
Cottbus. Neben viel Wildwuchs sind diesen Winter zehn große und alte Bäume gefällt worden. Auch eine Rotbuche im Bürgergarten muss bald weichen. Ulrike Elsner

"Das wichtigste Werkzeug des Landschaftsgärtners im Winter sind Axt und Säge, sonst wachsen ihm die Bäume über dem Kopf zusammen." Der Wahrheitsgehalt dieses Pückler-Zitats erschließt sich dem Laien zwar erst auf den zweiten Blick. Doch wer mit wachen Augen durch den Branitzer Park geht, wird ihn bestätigt finden.

Auch in diesem Winter haben die Parkgärtner häufig die Säge angesetzt. "Vor allem musste Wildwuchs beseitigt werden, darunter Traubenkirschen, Kiefern und Robinien", berichtet Parkleiter Claudius Wecke. Außerdem ist ein Lindenbestand an der Pücklerallee deutlich verjüngt worden. Und rund um den Hermannsberg sind mit der Säge historische Sichtachsen wiederhergestellt worden.

Neben viel Wildwuchs mussten auch zehn große und alte Bäume gefällt werden, darunter eine Schwarzerle und eine Eiche am Blumensee. "Glücklicherweise aber keiner der großen parkprägenden Bäume", so Wecke.

Schätzungsweise ein Viertel der rund 12 500 Parkbäume - gezählt wird ab einem Stammdurchmesser von 20 Zentimetern - stehen seit der Pücklerzeit an ihrem Platz und genießen die besondere Obhut der Gärtner. Wenn die Standsicherheit aber nicht mehr gewährleistet ist und Gefahr für Leib und Leben der Besucher besteht, muss gehandelt werden.

Kürzlich hat Monika Greul, Baumkontrolleurin der Pückler-Stiftung, an einer 36 Meter hohen raumprägenden Rotbuche im Bürgergarten zwischen Parkinspektorenhaus, Rosenhügel und Schloss zwei markante Risse entdeckt. Zudem ist der Baum, dessen Alter auf 175 Jahre geschätzt wird, vom Brandkrustenpilz befallen. Ein Zollstock lässt sich genau einen Meter weit in den unteren rund vier Meter langen Riss einführen. Zwei Baumgutachter haben inzwischen bestätigt, dass die Buche leider gefällt werden muss.

Das aber muss auf den kommenden Winter verschoben werden. Denn Ende Februar endet die Fällzeit. Und wie überall sind auch für Baumfällungen im Branitzer Park Genehmigungen durch Naturschutz- und Denkmalschutzbehörden nötig.

Erschwerend kommt in diesem Fall hinzu, dass ein Waldkauz eine Baumhöhle in der Buche bewohnt. Weil er auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht, muss der Vogel die Zeit und Möglichkeit bekommen, ein neues Zuhause zu finden.

Um die Gefahr für Parkbesucher dennoch zu bannen, ist erst einmal ein Kronenschnitt geplant. An einer vollständigen Fällung führt jedoch kein Weg vorbei.

"Es handelt sich um den größten Baum in diesem Parkbereich. Das reißt eine Riesenlücke", stellt Parkleiter Wecke fest und räumt ein: "Das macht mir das Herz schwer, weil Bäume aus der Entstehungszeit des Parks besonders wertvoll sind. Wir bewahren sie so lange wie nur möglich."

Dabei hilft das digitale Baumkataster, das derzeit in Branitz entsteht und den Gärtnern einen raschen Überblick über den Zustand der Bäume vermittelt. Die Arbeit daran wird, unterstützt durch Bundesfördermittel, fortgesetzt. "Knapp 5000 Bäume sind bereits aufgenommen worden", berichtet Claudius Wecke. Dabei geht es vor allem um die Verkehrssicherungspflicht, aber auch um genauere Einblicke in die Struktur des Parks.

Bei allen Maßnahmen haben die Parkgärtner die Zukunft des Landschaftsdenkmals im Blick. Claudius Wecke verweist auf einen Eichen-Hochstubben, der den Übergang zur Weißen Brücke markiert. "Im Sommer sieht man kaum noch, dass dem Baum die Krone fehlt", sagt der Parkleiter. Eine Ersatzpflanzung komme derzeit nicht infrage, weil eine junge Eiche im Schatten benachbarter Bäume keine Chance hätte.

Die Buche allerdings ist ein schattenverträglicher Baum, und so wird wohl die Buche im Bürgergarten rasch nachgepflanzt werden können. "Und zwar punktgenau und artgenau", so Wecke. Nämlich direkt in den gefrästen Stubben des Altbaumes hinein und mit Originalpflanzen aus der natürlichen Verjüngung des Parks - wie gestern erst von den Stiftungsgärtnern Dietmar Scheler und Günter Konzack am Blumensee praktiziert.