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Wo Baumkuchenbäckerei und Centralhotel standen

Die Taubenstraße in früheren Zeiten.
Die Taubenstraße in früheren Zeiten. FOTO: Sammlung Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte von der Taubenstraße zwischen Bürger- und Blechenstraße. Zum Vergleich nutzt sie eine historische Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Dora Liersch / dli9

Zu Verlauf und Bedeutung der Taubenstraße war bereits in der LR vom 31. Juli zu lesen. Diese uralte Ausfahrtsstraße von Cottbus nach Klein Gaglow und Drebkau war einst viel schmaler. Nachempfinden kann man das heute nur noch in Höhe des Hotels Zur Sonne und den Häusern der Taubenstraße 30 und 31. Auch der südliche Teil der Taubenstraße, war einst schmal und eng bebaut. Das letzte fast bis zur Mitte der Straße stehende Gebäude war einst die Taubenstraße 11, ein kleines einstöckiges Wohnhaus, das Anfang der 1930er-Jahre abgerissen wurde.

Doch beginnen wir, wenn auch noch nicht links auf der alten Ansichtskarte zu sehen, mit dem Haus Nr.10, gleich nach der Einmündung der Bürgerstraße. Es war ein großes Mietshaus mit Erdgeschoss und drei Etagen. Dazu gab es noch einen bewohnten Seitenflügel mit Erdgeschoss und einer Etage. Das Haus stammte mit seiner Stuckfassade aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und gehörte dem Schornsteinfeger Gustav Marks, später seiner Witwe und seinen Nachkommen. 1909 übernahm die ausgebildete Kindergärtnerin Bertha Beutler, Tochter des damaligen Cottbuser Stadtbaurats, den "Fröbelschen Kindergarten", der hier mietweise untergebracht war, bis sie 1930 mit ihrem Kindergarten in die damalige Promenade 15 umzog. Das Grundstück kam später in den Besitz der Familie Kircher, und im Erdgeschoss hatte Fritz Gaß sein Friseurgeschäft. Beim Bombenangriff im Februar 1945 wurde das Haus total zerstört. Später wuchsen auf dem Restgrundstück einige Säulenpappeln, und ein Steinmetz stellte seine Arbeiten aus.

Die Nr. 11 gehörte ebenfalls Familie Marks, später Kirchers. War zwar das Vorderhaus wegen der Straßenbegradigung beseitigt worden, so gab es doch weitere Hintergebäude, die als Büro- oder auch als Werkstatträume genutzt wurden. Den Cottbusern dürfte eine Firma zwischen 1965 bis 1975 noch gut in Erinnerung sein: der Batteriedienst von Fritz Matzk. Hierher kamen nicht nur Autobesitzer, sondern auch Fotografen, deren Elektroblitzlichtgeräte mit Nassbatterien betrieben wurden.

Die Häuser Nr. 12 und 13 waren in ihrem Erscheinungsbild ähnlich: Erdgeschoss und zwei Etagen. Die 12 gehörte 1891 Zesch'schens Erben und 1940 Hedwig Pötzsch, die 13 im Jahr 1891 dem Böttchermeister Carl Schrottke und 1940 Frieda Balzke. Ein Teil der Nr. 13 ist auf der Ansichtskarte ersichtlich. Das nächste Gebäude, ein Stockwerk höher als die Nachbarhäuser, war ein Eckhaus und die Marienstraße 7. Eng bebaut war das Eckgrundstück mit Seiten- und Hinterhäusern. Handwerker waren hier zuhause. Eigentümer war 1940 Wilhelm Vogt. In Erinnerung dürfte noch der kleine Lebensmittelladen von Hedwig Röstel sein, der auch nach 1945 ein bescheidenes Dasein führte. Auf dieser Seite der Taubenstraße waren Robinien gepflanzt worden. Das gegenüberstehende Haus, ebenfalls ein Eckgebäude, war die Marienstraße 26.

Zum Ende der Häuserzeile der östlichen Taubenstraße schmiegte sich das Haus Nr. 14 an sein linkes Nachbargebäude an, 1891 dem Maurer Christian Flemming gehörend, 1940 den Geschwistern Hartwig aus Klein Gaglow. Die gesamte Häuserzeile ist stückweise abgerissen worden (für den Bau des Busbahnhofs, andere erst nach 1990). Es folgte noch an der Ostseite der Straße die westliche Mauer des neuen Friedhofs vor dem Spremberger Tor. Dieser Friedhof, ein städtischer, war 1835 angelegt worden. Seine Feierhalle und diverse Erbbegräbnisstellen, ein Muster an klassischer Bauweise, war rund zehn Jahre später vom Cottbuser Maurermeister Friedrich Wilhelm Kahle, einem ehemaligen Schinkel-Schüler, gebaut worden. Den Cottbusern ist für dieses Areal der Begriff Barackenstadt geläufig. Auf einem Teil des alten Friedhofs steht heute das neu gebaute evangelische Seniorenzentrum "Johann Hinrich Wichern" mit der Anschrift Taubenstraße 15. Einige alte Kastanien verdecken die Reste der Friedhofsmauer. Die Taubenstraße endet heute an der Blechenstraße.

Das zwar nicht hohe, aber ziegelsichtige Haus, in dem einst die Baumkuchenbäckerei von Nikus/Förster zu Hause war, 1940 Franz Henze seine Schlosserei betrieb und später in der Mineralwasserfabrik von Arno Bock das erfrischende Getränk produziert wurde, war die Wilhelmstraße 10. Sie ist in den 1990er-Jahren abgerissen worden, nachdem man vergeblich von einem Wohnquartier am Park (Friedhofsgelände) geträumt hatte.

Bekannter war aber die Taubenstraße 19 - Stichwort Hotel Preußischer Hof und später Centralhotel. Dabei handelt es sich um das gleiche Objekt. Schon 1874 war Carl Kätsch der Gastwirt auf dem nördlichen Teil des Grundstücks, das die Nummer 20 trägt. als das Centralhotel wegen Leerstands und Einsturzgefahr abgerissen werden musste, kam an dem freigelegten Seitengiebel des Nachbarhauses eine Werbung zum Vorschein: "Gasthaus zur Eisenbahn". Auf einer Lithografie um 1870, wo die erste Eisenbahn in Cottbus unterwegs ist und es noch keinen Bahnhofsberg gab, ist dieses Gasthaus ebenfalls abgebildet. Zwischen diesem Gebäude und dem Eckgrundstück zur Marienstraße ist nur noch ein inzwischen saniertes Wohnhaus vorhanden, die Taubenstraße 21.

Bekannt ist die Taubenstraße 24. Hier findet man seit vielen Jahren die Keramikerin Ilona Möbert. Nebenan versuchte sich nach 1990, die kleine Pizzeria Candela mit einem hübschen Cafégarten zu etablieren. Vor 1940 war in dem Eckhaus ein kleines Haushaltswarengeschäft. Die westliche Seite der Taubenstraße, zwischen Marien- und Adolph-Kolping-Straße war nicht bebaut. Eine große Mauer verhinderte den Blick in die Hofräume der Marienstraße 6 und der einstigen Lausitzer Straße/Wilhelm-Külz-Straße 1.

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Blick auf das Eckhaus der Taubenstraße 24.
Blick auf das Eckhaus der Taubenstraße 24. FOTO: Dora Liersch/dli1