Von Marion Hirche

Die Fischzeit im Spreewald geht ins Finale. Die Ernte der Flossentiere in den Fließen endet im Oktober. „Unsere Familie  lebt in Fischertradition. Mein Großvater Erwin und sein Bruder Fritz gehörten zu den erfahrensten und  hoch geachteten Spreewaldfischern“, erzählt Steven Rehnus, der Juniorchef des gleichnamigen Bootshaus-Unternehmens. „Wir sind alle mit dem Fischen aufgewachsen. Und da versteht es sich von selbst, dass wir  bei der Fischzeit mitmachen“, ergänzt er.

Einen gut besetzten Kahn stakt Andreas  Worreschk vom Hafen am Ende der  Burger Waldschlösschenstraße durch das Schöne Fließ, dann durch den von Menschenhand geschaffenen Nahkegraben hin zur Kleinen Spree, um nach 90 Minuten wieder am Bootshaus Rehnus anzukommen. Unterwegs hat der Fischer und Kahnfährmann jede Menge zu berichten.

„Der Holzkahn ist uns heilig“, erzählt er. Aus gutem Grund: Er liegt besser im Wasser als der Alu-Kahn.  Das Wassergefährt, das er routiniert stakt, ist ein historisches: „Den Kahn hat unser Chef, Rainer Rehnus, vor fast 30 Jahren beim Kahnbauer in Lehde gekauft.“

Vorbei geht es an saftigen Wiesen, auf denen Rinder weiden, an zahlreichen Herbergen, die  nach historischem Vorbild schmuck und vor allem spreewaldtypisch saniert wurden. Zahlreiche Paddler passieren den Kahn. Die Kinder  freuen sich, dass sie  die Schleuse bedienen können. Und alle erleben mit, wie der Kanu-Fisch-Pass neben der Schleuse genutzt wird.

Andreas Worreschk macht auf die alte Aalreuse aus Schilf am Restaurant „Zur Alten Aalreuse“ aufmerksam, erklärt die Funktion von Fischkästen und zeigt diese.  Der erfahrenen Kahnchauffeur berichtet von Fischen, die in den Fließen leben,  verrät, dass es kaum noch Aale gibt im Spreewald und die Fischer angehalten sind, Welse unbedingt zu entnehmen. Jetzt im Herbst laben sich wieder sehr viele Kormorane am gedeckten Tisch der Spreewaldfließe.

Zum anerkannten Fischer im Spreewald ist es ein langer Weg, erzählt Andreas Worreschk. Und auf dem Kahn sorgt er auch dafür, dass der Appetit kommt, indem er erklärt, wie richtiger Fischfond zubereitet wird. „Wir haben überlegt, ob wir schwimmen gehen und haben uns dann aber doch für die Kahnfahrt entschieden“,  sagt Kurzurlauber Robert Ohme aus Leipzig, der mit Bekannten den Spreewald erkundet.

„Das sind die ersten Ferien für unseren Sohn, und deshalb machen wir den Kurzurlaub und sind hier dabei. Schließlich kommen wir aus Wahrenbrück und damit aus dem Kleinen Spreewald“,  erzählen  Silke und René Scholz. Lucas (7) verdient sich  zusammen mit  Michelle und André Heerwagen aus Saalfeld ein Eis vom Kahnfährmann, denn sie übernehmen stolz das Kahnschleusen.

„In unserer Herberge in Vetschau ist uns dieser Ausflug empfohlen worden. Und er ist wirklich sehr informativ und schön“,  berichteten die Eltern, Kristin und Michael Heerwagen.

Susann Noack aus  Blankenfelde und ihre beiden Begleiterinnen freuten sich schon nach der ersten Fahrt und dem Fisch-Mittagsmahl auf die nächste Kahnpartie und den Plins-Nachtisch.

Fisch schlemmen ist jetzt noch in allen Burger Restaurants angesagt: im Bio-Hotel Kolonieschänke bei einem Menü mit Zanderfilet,  im Hotel am Spreebogen mit gebratenem Wels, und Welsfilet ist auch ein Gang  des Fischmenüs im Kur- und Wellness-Haus Spreebalance. Frischer Räucherfisch lockt am Bootshaus „Zum Leineweber“ – bis zum Monatsende. Und an diesem laden die Spreewald-Fischer dann zum Zuschauen an Teichwirtschaften ein: Am letzten Oktoberwochenende findet das Schaufischen am Peitzer Hälterteich statt. Die Peitzer Fischer haben bereits mehr als 100 Tonnen Karpfen  aus dem Teufelsteich geholt.