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| 20:15 Uhr

WissenschaftsTransferpreis 2019
Kleine Energiewunder „made in Cottbus“

 Wissenschafts-Transferpreis-Träger 2019: Sebastian Kießling, Chef der Euro-K GmbH, am Plan einer Gasturbine. Der BTU-Absolvent will mit seinem Unternehmen Mikrogasturbinen am Standort Cottbus produzieren.
Wissenschafts-Transferpreis-Träger 2019: Sebastian Kießling, Chef der Euro-K GmbH, am Plan einer Gasturbine. Der BTU-Absolvent will mit seinem Unternehmen Mikrogasturbinen am Standort Cottbus produzieren. FOTO: Hilscher
Klettwitz. Mikrogasturbinen-System erhält Lausitzer Wissenschafts-Transferpreis 2019. Technologie soll in Cottbus in Serie gehen.

Sebastian Kießling ist schon ein Visionär. Und auch unerschütterlicher Idealist. Immerhin arbeitet er seit mehr als zehn Jahren daran, ein Mikrogasturbinen-System zur dezentralen Energiewandlung auf den Markt zu bringen. Am Anfang hat der Absolvent der BTU Cottbus-Senftenberg alles allein gemacht. „Ich habe geschweißt, die Projekte geplant, Angebote geschrieben und stand selbst am Prüfstand“, schildert der Geschäftsführer der Euro-K GmbH und fügt hinzu, dass er mit potenziellen Kunden im Millionenbereich verhandelt hat. „Ohne dass mir dies jemand gezeigt hätte.“

Inzwischen ist seine Euro-K gemeinsam mit der Prof. Berg & Kießling GmbH über den Prototyp einer Hochtechnologie-Anlage im mobilen Container hinaus. Forschungsergebnisse der BTU sind in den High-Tech-Container eingeflossen. Und die ersten Mikrogasturbinen-Systeme haben den Montage-Hangar auf dem Cottbuser Ex-Flugplatzgelände verlassen.

Das Musterbeispiel für die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft ist dafür am Montag mit dem Lausitzer Wissenschafts-Transferpreis 2019 ausgezeichnet worden. Die mit insgesamt 11 000 Euro dotierten drei Preise der länderübergreifenden Wirtschaftsinitiative Lausitz (WiL) wurden in der Dekra Automobile GmbH in Klettwitz übergeben.

Dass sich die Wettbewerbsjury, trotz starker Konkurrenz, für die Mikrogasturbine aus der Lausitz entschieden hat, dürfte mit dem Durchbruch bei der Produktion der Systeme zu tun haben. Denn, was bisher von den Wissenschaftlern der BTU um Prof. Heinz Peter Berg und den Praktikern als Hochtechnologie, die den Weltmarkt erobern kann, bezeichnet wurde, hat erste Abnehmer gefunden. Zwei in Cottbus gefertigte Anlagen gehen nach Indonesien.

International seien zudem enge Kontakte nach China geknüpft worden, erklärt Sebastian Kießling und verweist auf die dort angestrebte Kombination mit Hochtemperatur-Brennstoffzellen. „Wir sind inzwischen Teil eines starken internationalen Netzwerkes, zu dem auch Fraunhofer Institute gehören.“

Weshalb die Mikrogasturbinen „made in Cottbus“ kleine Energiewunder sind, hängt für Sebastian Kießling mit der großen Bandbreite der Kraftstoffe zusammen, die darin verbrannt und in Energie umgewandelt werden können. Für die Anlagen in Indonesien könnten es Plantagen-Abfälle sein. Aber auch Ultraschwachgase, die bei der Förderung von Erdöl nutzlos abgefackelt werden, können verwendet werden. Biogas, Bioöl oder Mischgase mit hohem Wasserstoffanteil kämen hinzu.

„Anders als Motoren verbrennen Gasturbinen nicht getaktet, sondern sind durch eine permanente Verbrennung charakterisiert“, nennt Kießling das Besondere seiner Systeme, die einen nahezu 100-prozentigen Ausbrandgrad erreichen. „Wir haben Lösungen für jeden – auch für Heizung und Warmwasser im Haushalt“, ergänzt er.

Das Prinzip des extern befeuerten Mikrogasturbinen-Systems zur dezentralen Energiewandlung (50 bis 200 kW) beschreibt Kießling wie folgt: In einer Feuerungsanlage werden Reststoffe verbrannt. Das heiße Gas wird von Partikeln getrennt, kommt in einen Wärme-Tauscher und wird auf die Turbine geleitet. Ein Generator liefert den Strom. Das noch immer rund 500 Grad heiße Gas wird wieder in die Feuerung geleitet, was die Effizienz der Anlage erheblich steigert.

Pro Woche würden zurzeit bis zu vier Kunden auf die Euro-K zukommen, um Mikrogasturbinen zu bestellen. „Wir fangen also in Kürze an, für unsere Kunden in größerem Stil zu produzieren“, sagt Kießling, der dafür Mitte 2019 anvisiert. Die zurzeit 18 Mitarbeiter werden dann wohl nicht mehr ausreichen. Um künftig in Serien von drei bis vier Systemen produzieren zu können, ist neben dem gegenwärtigen Firmen-Hangar ein größeres Gebäude geplant. „Wir halten an unserem Konzept fest, ein Mikrogasturbinen-Kompetenzzentrum zu entwickeln.“ Kießling hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass der Standort Technologie- und Innovationspark TIP Cottbus mit der nahe gelegenen BTU dafür der ideale Standort ist.

 WissenschaftsTransferpreis-Träger 2019: Sebastian Kießling, Chef der Euro-K GmbH, am Plan einer Gasturbine. Der BTU-Absolvent kooperiert mit der Wirtschaft, um eine Mikrogas-Turbine auf den Markt zu bringen.
WissenschaftsTransferpreis-Träger 2019: Sebastian Kießling, Chef der Euro-K GmbH, am Plan einer Gasturbine. Der BTU-Absolvent kooperiert mit der Wirtschaft, um eine Mikrogas-Turbine auf den Markt zu bringen. FOTO: Hilscher