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| 15:26 Uhr

Start-up-Unternehmen mit innovativer Idee
Werkzeuge aus dem Automaten leihen

 So sehen die Verleihautomaten aus, die an viel frequentierten Plätzen wie auf Bahnhöfen, Bushaltestellen oder Supermärkten aufgestellt werden sollen.
So sehen die Verleihautomaten aus, die an viel frequentierten Plätzen wie auf Bahnhöfen, Bushaltestellen oder Supermärkten aufgestellt werden sollen. FOTO: Jan Gerlach
Cottbus. Werkzeuge aus einem Automaten leihen und das für wenige Euro? Das Cottbuser Start-up-Unternehmen ThingkSystem will mit einem neuartigen Verleihautomaten den Markt revolutionieren. 1000 Arbeitsplätze sind in der Region möglich. Von Silke Halpick

Neu ist die Idee nicht, das muss auch Jan Gerlach, Geschäftsführer des Start-up-Unternehmens Thingk.Systems einräumen. Werkzeuge kann man heute in fast jedem Baumarkt ausleihen. Allerdings sei das meist teuer und zeitaufwändig, wie der 38-Jährige aus eigener Erfahrung weiß. „Ewig“ habe er in der Warteschlange gestanden, als er sich vor ein paar Jahren eine Stichsäge ausleihen wollte. Und dann fehlten ihm 100 Euro für die Kaution. „Letztlich habe ich mir die Stichsäge für 25 Euro im Baumark gekauft“, sagt er grinsend.

Doch das widerspricht dem Selbstverständnis des studierten Produkt- und Umwelt-Designers: Werkzeuge, die man nur ein- oder zweimal im Leben benutzt, müsse man nicht besitzen. Auch ökologisch sei es sinnvoller, wenn sich 100 Menschen ein Werkzeug teilen statt 100 Werkzeuge zu produzieren, selbst wenn die Herstellungsprozesse bereits im Hinblick auf Nachhaltigkeit optimiert sind.

Alles automatisiert und per App abrufbar

Gerlachs Lösung heißt tool.bot und ist ein automatisches Verleihsystem, das er gemeinsam mit dem zehnköpfigen Thingk.System-Team und in Zusammenarbeit mit Werkzeugherstellern entwickelt hat. Die Funktionsweise ist simpel: Die Privatkunden können per App überprüfen, ob die von ihnen benötigten Werkzeuge verfügbar sind und sich diese an der Verleihstation abholen. Auch Reservierungen und die Bezahlung erfolgen online.

„Das teuerste am Verleih sind die Personalkosten“, sagt Gerlach. Die von ihm entwickelte Variante kommt zumindest vor Ort ganz ohne Menschen aus. Die einzelnen Module werden von IT-Experten fernüberwacht und sind mit einem Vandalismus- und Diebstahlalarm ausgerüstet. Bei der Rückgabe können die Werkzeugkoffer automatisch auf Vollständigkeit überprüft werden, so Gerlach. Er rechnet mit Verleihkosten von ein bis zwei Euro pro Stunde.

Risikokapital gesucht, um Projekt zu starten

Der Prototyp des Verleihautomaten ist bereits entwickelt. Jetzt werden Investoren gesucht. Rund zwei Millionen Euro sind dem Geschäftsführer zufolge nötig, um mit dem neuartigen Verleihsystem „so richtig“ durchstarten zu können. Doch über so viel Eigenkapital verfügt das Start-up-Unternehmen nicht. Risikokapital-Anleger sind momentan auch nicht in Sicht.

Mit einer stark reduzierten Version soll jetzt zunächst der Testbetrieb an drei Standorten in Berlin erprobt werden. Ausgewählt dafür wurden drei Spätis (kurz für Spätverkaufsstellen), die auch außerhalb der üblichen Ladenöffnungszeiten geöffnet sind und von potenziellen Interessenten frequentiert werden. Später sollen die Verleihautomaten an Bahnhöfen, Bushaltestellen oder Supermärkten stehen und rund um die Uhr zugänglich sein.

Nicht nur Großstädte hat Jan Gerlach im Visier. „Auch Cottbus ist gut geeignet“, sagt er. Hier ist das Unternehmen angemeldet. Schließlich sind viele der Team-Mitglieder Cottbuser, das Start-up-Unternehmen könne aber auch von den im Vergleich zu Berlin erschwinglichen Mietpreisen für Gewerberäume und geringeren Lohnkosten profitieren.

1000 Arbeitsplätze in der Region, wenn Betrieb erstmal brummt

Ein bisschen hofft der Unternehmer aber auch auf Fördermittel, die im Rahmen des Strukturwandels in den kommenden Jahren in die Lausitz fließen sollen. 2000 Arbeitsplätze in Deutschland, davon 1000 in der Region sind Gerlach zufolge denkbar, wenn das Unternehmen erst einmal 3000 Standorte bundesweit und einen jährlichen Umsatz von 374 Millionen Euro hat. Potenzial sieht Gerlach weltweit, langfristig vor allem auch in den Schwellenländern.

„Das Verleihsystem selbst ist nicht nur auf Werkzeuge begrenzt“, sagt Gerlach. Mit der Technologie können auch schwere Geräte wie Bagger ausgerüstet und deren Verleih gemanagt werden. Auch andere Media-Hardware wie Drohnen oder VR-Brillen seien dafür geeignet.

Mit seiner Geschäftsidee will Jan Gerlach nicht nur Geld zum Leben verdienen, sondern auch „die Welt ein bisschen verbessern“, wie er sagt. Er ist davon überzeugt, dass der Besitz von Gebrauchsgütern in der Gesellschaft der Zukunft nur noch eine untergeordnete Rolle spielen wird. Das Modell des Car-Sharings, bei dem sich Menschen ein Auto teilen, sieht er als Anfang dieser Entwicklung.

An seiner Verleih-Idee arbeitet der Jung-Unternehmer schon seit einigen Jahren. Unterstützt wurde er dabei unter anderem von der Fachhochschule Potsdam, an der er studierte, aber auch durch das Fraunhofer Institut und die TU Berlin. Im Rahmen des Exist-Gründerstipendiums, das das Bundeswirtschaftsministerium an Studenten vergibt, die sich von der Universität aus selbständig machen, wurde der Prototyp entwickelt.