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| 18:06 Uhr

Cottbus
Bewerberchancen so gut wie nie

Zwei Mitarbeiter der MFT GmbH in Kolkwitz begradigen verbogene Metallzuschnitte. v.l.n.r. Marion Richter (operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Cottbus), Heinz-Wilhelm Müller (Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur), Knut Deutscher (Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus), Lars Wertenauer (Geschäftsführer MFT Kolkwitz)
Zwei Mitarbeiter der MFT GmbH in Kolkwitz begradigen verbogene Metallzuschnitte. v.l.n.r. Marion Richter (operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Cottbus), Heinz-Wilhelm Müller (Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur), Knut Deutscher (Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus), Lars Wertenauer (Geschäftsführer MFT Kolkwitz) FOTO: Stephan Meyer / LR
Kolkwitz . Arbeitsagentur und Handwerkskammer überzeugen sich von den Ausbildungsqualitäten der Kolkwitzer Metallbaufirma MFT. Von Stephan Meyer

Wie können Unternehmen ihren Personal-Engpass bekämpfen und Nachwuchskräfte finden? Diese Frage stelle sich, laut Heinz-Wilhelm Müller, nahezu in jeder Branche. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Cottbuser Arbeitsagentur war am Dienstag, zusammen mit Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus, zu Besuch bei der Metall-Form-Technik GmbH (MFT) in Kolkwitz. Im Rahmen der diesjährigen Woche der Ausbildung machten sie sich ein Bild vom Unternehmen und brachten in Erfahrung, wie es sich der Herausforderung des Fachkräftemangels stellt. Während der Woche der Ausbildung werben bundesweit Regionaldirektionen, Arbeitsagenturen und Jobcenter für die duale Berufsausbildung.

Sowohl die Installation der Blauen Uhr in der Rudolf-Breitscheid-Straße, als auch neuen Türen und Tore im Cottbuser Landgericht gehen auf das Konto von MFT. Doch die Kolkwitzer Firma, die sich auf Stahl- und Aluminiumbau spezialisiert hat, ist nicht nur in der Lausitz tätig. So wurden auch schon Sicherheitsfenster, die nach Addis Abeba gingen, ebenfalls in der Gemeinde gefertigt. 50 Mitarbeiter bearbeiten die Aufträge, darunter fünf Auszubildende und ein Umschüler. Für das im Herbst beginnende Lehrjahr sucht Geschäftsführer Lars Wertenauer wieder einen Jugendlichen, der Metallbauer in der Fachrichtung Konstruktionstechnik lernen möchte.

Aktuell liege ihm eine Bewerbung vor. In der Regel habe er pro Jahr nur vier bis fünf Bewerbungen auf dem Tisch. Wertenauer bildet mit dem Ziel aus, die Jugendlichen später zu übernehmen. Das habe in den vergangenen fünf Jahren auch immer geklappt. „Viele der Bewerber hatten Fachabitur oder waren Studienabbrecher“, sagt der Unternehmer. Mit 16-Jährigen gestalte sich der Ausbildungsalltag hingegen schwieriger. „Da muss man einfach Geduld haben.“

Wenn es um die Wahl des Ausbildungsbetriebes geht, würden viele nur nach einem Bürojob oder den großen Unternehmen wie LEAG und Deutsche Bahn schielen, so Wertenauers Einschätzung. Daher begrüßte er die jüngste Erhöhung der Lehrlingsentgelte durch die Innung. Diese habe den Handwerksberuf wieder etwas attraktiver gemacht. Dennoch sei die Lust zur Ausbildung nicht bei jedem Azubi immer da. Dann sucht Wertenauer schon mal den Kontakt zu den Eltern, einem Sozialarbeiter oder versucht, Nachhilfemöglichkeiten zu organisieren. Heinz-Wilhelm Müller kennt diese Probleme auch von anderen Betrieben. Dazu biete die Arbeitsagentur Unterstützung an. So können Azubis In speziellen Programmen Hilfe während der Ausbildung erhalten.

Müller ist überzeugt: „Noch nie waren die Chancen besser gewesen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.“ Im Grunde könnten sich die Azubis ihren Lehrbetrieb aussuchen. 600 Stellen blieben vergangenes Jahr trotzdem unbesetzt. Um dem Nachwuchsproblem entgegen zu wirken bemühe sich die Arbeitsagentur, neue Wege zu gehen. So veranstaltet sie beispielsweise während der Woche der Ausbildung Speed Datings, bei denen Ausbildungssuchende mit verschiedenen Unternehmen ins Gespräch kommen können. Auch Knut Deutscher weiß, dass die Handwerkskammer neue Wege gehen muss und setzt unter anderem auf das Berufliche Gymnasium plus Handwerk. Dabei haben Schüler die Möglichkeit zusätzlich zum Abitur eine verkürzte Berufsausbildung und einen Teil der Meisterausbildung abzuschließen.

Heinz-Wilhelm Müller (Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur) bei der Pulverbeschichtung. Sie dient zum Korriosionsschutz.
Heinz-Wilhelm Müller (Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur) bei der Pulverbeschichtung. Sie dient zum Korriosionsschutz. FOTO: Stephan Meyer / LR