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| 15:42 Uhr

Wasserstoff-Offensive
Wo die Lausitz die Zukunft testet

 Im Industriepark Schwarze Pumpe sollen mit einem Wasserstoff-Referenzkraftwerk neue Wege bei der Energieerzeugung der Zukunft erprobt werden.
Im Industriepark Schwarze Pumpe sollen mit einem Wasserstoff-Referenzkraftwerk neue Wege bei der Energieerzeugung der Zukunft erprobt werden. FOTO: Radke Peter / Peter_Radke
Cottbus / Schwarze Pumpe. Cottbus, Spremberg, Lübbenau Lübben und der Industriepark Schwarze Pumpe sollen zu Reallaboren für die Energiewende in Deutschland werden. Dort soll schon bald die Zukunft zu besichtigen sein. Enttäuschung herrscht dagegen in Schwarzheide. Von Jan Siegel

Die Lausitzer hatten in den zurückliegenden Wochen gleich mehrere Tiefschläge hinnehmen müssen, als es um das Thema Batteriezellen ging. Nach vielen großen Versprechen waren sie bei mehreren milliardenschwer unterstützten Zukunftsvorhaben in diesem Bereich leer ausgegangen.

Am Donnerstag aber konnte in der Lausitz gefeiert werden. Gleich zwei Ideen für Großvorhaben haben sich nämlich beim bundesweiten Ideenwettbewerb „Reallabore der Energiewende“ durchgesetzt und können in den kommenden Jahren mit einer Millionenförderung umgesetzt werden. Den Wettbewerb ausgeschrieben hatte im Frühjahr Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Die Ressonanz war gewaltig. Immerhin hatten sich 90 Konsortien aus dem ganzen Bundesgebiet daran beteiligt.

Wasserstoffkraftwerk in Schwarze-Pumpe

Unterstützt wird der Bau eines Wasserstoff-Referenzkraftwerkes Industriepark Schwarze Pumpe. Das Industriegebiet auf der brandenburgisch-sächsischen Landesgrenze gilt als Areal mit außergewöhnlichem Entwicklungspotenzial. Auf dem Areal arbeiten inzwischen rund 120 verschiedene Firmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern.

 Manfred Heine, Vorsitzender des Zweckverbandes Industriepark Schwarze Pumpe hat Grund zur Freude über die Aussichten zum Bau eines Wasserstoff-Kraftwerkes.
Manfred Heine, Vorsitzender des Zweckverbandes Industriepark Schwarze Pumpe hat Grund zur Freude über die Aussichten zum Bau eines Wasserstoff-Kraftwerkes. FOTO: LR / Anja Hummel

„Das ist ein wirklich starkes Zeichen für unsere Region“, sagte am Donnerstag Manfred Heine. Der parteilose Bürgermeister der Gemeinde Spreetal ist Vorsitzender des Zweckverbandes Industriepark Schwarze Pumpe, der das zukunftsweisende Kraftwerksprojekt in den kommenden Jahren umsetzen will. Geplant wird es zunächst mit einer Leistung von zehn Megawatt. Dafür wurde bereits ein Konsortium gebildet. Beteiligt sind dabei neben großen Netzbetreibern beispielsweise auch das Energieunternehmen Leag, der Technologiekonzern Siemens und die BTU Cottbus-Senftenberg.

Sprembergs Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) hatte sich bereits als Mitglied der Kohlekommission vehement für die Erprobung der Wasserstofftechnologie im Revier stark gemacht. Von Anfang an unterstützt wurde sie dabei von Professor Harald Weber vom Institut für Elektrische Energietechnik der Universität Rostock. „Endlich werden nicht nur Überschriften produziert und Konferenzen veranstaltet, sondern damit begonnen, greifbare Realitäten für den Strukturwandel aufzubauen“, kommentierte Herntier den Zuschlag für das neue Kraftwerksprojekt.

Für Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ist die der bestehenden Kraftwerksstandorte ein besonderes Anliegen. „Ein schrittweiser Umbau in Schwarze Pumpe mit Einbindung der Erzeugung erneuerbarer Energien, dem Aufbau eines Speicherkraftwerkes und einer intelligenten, wasserstoffbasierten Sektorenkopplung ist dafür ein sehr guter Weg“, sagte Woidke.

Cottbus, Spremberg, Lübbenau und Lübben werden zu Laboren

Gefeiert werden kann seit Donnerstag auch in Cottbus, Spremberg, Lübbenau und Lübben. Die Lausitzer Städte sollen im Verbund zum „Reallabor Lausitz“ werden. Dabei geht es im Grundsatz um das energieeffizientes Bauen, den emissionsarmen Verkehr der Zukunft und die städtische Versorgungsinfrastruktur.

 Lachen kann auch der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch über die Millionenförderung aus dem Bundeswirtschaftsministerium.
Lachen kann auch der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch über die Millionenförderung aus dem Bundeswirtschaftsministerium. FOTO: LR / Peggy Kompalla

Als „Paukenschlag und Meilenstein“ hat der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) am Donnerstag den Zuschlag im „Reallabor-Wettbewerb bezeichnet. „Die zielgerichtete Vorbereitung mit Partnern wie der BTU Cottbus-Senftenberg, der Gebäudewirtschaft Cottbus, der Stadtwerke oder von Cottbusverkehr trägt erste Früchte“, sagte Kelch. Zu den Vorhaben in der Lausitzmetropole zählen beispielsweise die Entwicklung eines „Nullenergiequartiers“ an der Marienstraße (bisheriger Busbahnhof), der Neubau einer Energie- und Umweltschule am Cottbuser Ostsee, ein innovatives Energiemonitoring kommunaler Gebäude oder die Umstellung des ÖPNV auf Wasserstoffantriebe für klimaneutrale Mobilität beispielsweise am Cottbuser Ostsee. Cottbusverkehr beispielsweise arbeite schon lange an einem Projekt „Wasserstoffbus und Wasserstoffinfrastruktur“, sagt Geschäftsführer Ralf Thalmann. Mit der Förderzusage könne jetzt die praktische Umsetzung angegangen werden.Die Projekte zum „Reallabor Lausitz“ haben ein finanzielles Gesamtvolumen von immerhin rund 58 Millionen Euro.

Das Bundeswirtschaftsministerium stellt zur Umsetzung der Projekte in den kommenden fünf Jahren jährlich 100 Millionen Euro zur Verfügung. Für die Projekte in den vom Kohleausstieg betroffenen Regionen stellt die Bundesregierung zusätzlich 200 Millionen Euro in Aussicht. So steht es in einem vor etwa einem Monat verabschiedeten Eckpunktepapier, das die Grundlage für ein Gesetz zum Strukturwandel in den Revieren bildet.

Enttäuschung in Schwarzheide

Beim Wettbewerb der Reallabore beworben hatte sich auch der Industriestandort Schwarzheide. Er war am Donnerstag nicht unter den 20 ausgewählten Projekten zu finden. Das ist besonders bitter, weil der Industriestandort in der Westlausitz mit dem Chemieunternehmen BASF auch in Sachen Batteriezellenproduktion kräftig mitmischen wollte. Ministerpräsident Dietmar Woidke: „Ich setze darauf, dass Projekte wie das von BASF Schwarzheide in der Lausitz vom Bund über den Prozess des Strukturwandels unterstützt werden.“

 Die BASF Schwarzheide ist ein großer Hoffnungsträger als wachsender Industriestandort in der Westlausitz.
Die BASF Schwarzheide ist ein großer Hoffnungsträger als wachsender Industriestandort in der Westlausitz. FOTO: dpa / Patrick Pleul