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| 20:04 Uhr

Wissenschaft
Was bringt Fraunhofer Cottbus?

Noch jede Menge Platz. Irgendwo auf dem Zentralcampus der BTU würde sich bestimmt ein schönes Plätzchen für das Fraunhofer-Institut finden.
Noch jede Menge Platz. Irgendwo auf dem Zentralcampus der BTU würde sich bestimmt ein schönes Plätzchen für das Fraunhofer-Institut finden. FOTO: Michael Helbig
Cottbus/Potsdam/München. In Cottbus soll ein Institut für Speichertechnologien entstehen. Zumindest das Land will es so. Doch was bringt der Region eine solche Einrichtung? Von Daniel Schauff

In trockenen Tüchern ist noch lange nichts. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wünscht sich ein Fraunhofer-Institut für Speichertechnologien in der brandenburgischen Lausitz. Die Voraussetzungen dafür seien gegeben – jahrzehntelange Wirtschaftserfahrung im Energiesektor, eine auf dem Feld bereits breit aufgestellte Universität in Cottbus und Senftenberg. In Cottbus trifft Woidkes Vorstoß auf offene Ohren – doch was würde der Region ein Fraunhofer-Institut überhaupt bringen?

Arbeitsplätze Im Schnitt beschäftigt ein Fraunhofer-Institut 320 Mitarbeiter, die Schwankungsbreite allerdings ist groß, sagt Pressereferentin Britta Widmann von der Fraunhofer-Gesellschaft. Die größte Einrichtung zählt demnach 920, die kleinste immerhin noch 80 Mitarbeiter.

Innovationen Rund 70 Prozent der Arbeit der Fraunhofer-Einrichtungen machen Aufträge aus der Industrie, von Dienstleistern oder öffentlichen Einrichtungen aus. 30 Prozent der Arbeit wiederum fällt auf die so genannte „Vorlaufforschung“. Die Institute beschäftigen sich dabei mit Problemen, die für Wirtschaft oder Gesellschaft erst in Zukunft relevant werden könnten. Dafür gibt es eine institutionelle Förderung von Bund und Land. Das von der Landesregierung und vom Landtag erhoffte Fraunhofer-Institut in der Lausitz soll im Bereich der Speichertechnologien forschen.

Speichertechnologien dienen im Grunde dazu, erzeugte Energie zu speichern. Besonders wichtig ist das zum Beispiel bei der Windenergie. Viel Wind heißt viel Energie, oft zu viel, als das Stromnetz aufnehmen kann. Die Folge: Die Windräder stehen still. Die Herausforderung: Energiespeicher müssen Strom speichern und den Ausgleich von Schwankungen im Netz ausgleichen können. Und sie müssen wirtschaftlich sein. Geeignete Energiespeicher gelten als wichtiges Puzzleteil der Energiewende. Kämen die wissenschaftlichen Impulse für die Speicher aus der Lausitz, wäre ein wichtiger Schritt in Richtung „Modellregion für die Energiewende“ getan.

Doch wer entscheidet, ob es tatsächlich ein Fraunhofer-Institut in Cottbus geben wird? „Grundsätzlich wird ein neues Institut vom Fraunhofer-Vorstand und -Senat beschlossen, mit Zustimmung durch den Fraunhofer-Ausschuss in Bezug auf die notwendige Finanzierungserhöhung vom Bund und dem jeweiligen Sitzland der neuen Einrichtung“, sagt Sprecherin Widmann.

Und wie stehen die Chancen? Britta Widmann: „Die Fraunhofer-Gesellschaft unterstützt ausdrücklich das Vorhaben der Politik, Deutschland als Standort für Batteriezellproduktion zu stärken und im internationalen Wettbewerb bestmöglich zu positionieren. Wir freuen uns, dass in diesem Kontext auch die Idee eines Fraunhofer-Instituts für Speichertechnologien aufgekommen ist. Davon abgesehen liegen uns zu diesem Zeitpunkt noch keine näheren Informationen hierzu vor. Einige Bundesländer wie Brandenburg oder Schleswig-Holstein bewerben sich um dieses Institut, das wir weder initiiert haben noch forcieren.“

Also doch mehr Wunsch als Plan? Noch ist ein Fraunhofer-Institut in Cottbus offenbar in weiter Ferne. Gleichzeitig hat die Bundesregierung aus CDU und SPD im Koalitionsvertrag die Gründung eines Fraunhofer-Instituts für Speichertechnologien festgeschrieben. Bisher stehen 15 der 72 Fraunhofer-Institute und -Forschungseinrichtungen im Osten Deutschlands, eins davon in Brandenburg. Zwischen 1990 und 2016 investierte Fraunhofer rund 590 Millionen Euro in Baumaßnahmen der Forschungseinrichtungen in den Neuen Bundesländern, zusätzlich flossen etwa 490 Millionen Euro in Erstausstattungen, heißt es vonseiten der Fraunhofer-Gesellschaft.