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IG-Metall-Tarifkonflikt
Warnstreikwelle erreicht Südbrandenburg

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in Görlitz (Sachsen) im Dezember 2017 bei einem Weihnachtsliedersingen vor dem Siemens-Werktor. Die Siemens-Werke in Görlitz und Leipzig mit insgesamt 920 Arbeitsplätzen sollen geschlossen werden.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in Görlitz (Sachsen) im Dezember 2017 bei einem Weihnachtsliedersingen vor dem Siemens-Werktor. Die Siemens-Werke in Görlitz und Leipzig mit insgesamt 920 Arbeitsplätzen sollen geschlossen werden. FOTO: Pawel Sosnowski / dpa
Cottbus/Görlitz. Warnstreiks und Protestaktionen gehen in der kommenden Woche tiefer ins Land. Metaller trommeln in Görlitz für größte Protestaktion zum Erhalt von Arbeitsplätzen bei Siemens und Bombardier, die Ostsachsen jemals erlebt hat. Von Beate Möschl

In der kommenden Woche sind auch Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie in Südbrandenburg zu Warnstreiks aufgerufen. Auf RUNDSCHAU-Nachfrage kündigt der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Cottbus und Südbrandenburg an: „Wir dehnen die Aktionen aus. Es wird auch in unserer Region Warnstreiks geben.“ Details nennt er nicht. Nur so viel: Ab Dienstag kann es in verschiedenen Branchenbetrieben Südbrandenburgs zu Aktionen kommen. Die Metallbranche - von der Metallerzeugung über die technische Bearbeitung bis zum fertigen Produkt - gehört zum Rückgrat der Wirtschaft des Landes Brandenburg. Allein im Netzwerk (Cluster) Metall sind 2600 Brandenburger Unternehmen mit rund 38 200 Beschäftigten organisiert. In Südbrandenburg gilt die Region um Finsterwalde (Elbe-Elster) als Schwerpunktstandort der Branche. Auch an den Kraftwerken ist die Branche mit den hier tätigen Dienstleistungsunternehmen und innovativen Mittelständlern konzentriert sowie im Raum Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz).

In Ostsachsen weitet die IG Metall unterdessen die Protestaktionen für den Erhalt der Kraftwerkstechnik- und Waggonbaustandorte aus. Zeitgleich laufen wöchentlich in immer mehr Betrieben Warnstreiks, um die Forderung der mitgliederstärksten Industriegewerkschaft in Deutschlands im aktuellen Tarifkonflikt zu unterstreichen. Wie Jan Otto, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen, ankündigt, wird es in der kommenden Woche Warnstreiks und Aktionen bei Bombardier in Bautzen, beim WBN Waggonbau Niesky und bei Bosch in Sebnitz geben. Für Freitag ruft die IG Metall zu einer Großdemo in Görlitz auf. Die wird ihren Anfang am Siemens-Turbinenwerk und am Bombardier-Waggonbauwerk nehmen „Wir treffen uns vor den Werksstandorten und ziehen gemeinsam zur Kundgebung zum Marienplatz“, sagt Jan Otto. Er rechnet mit einer hohen Beteiligung seitens der Belegschaften und der Bevölkerung, denn seit der Wende und dem Wegfall zahlreicher Arbeitsplätze haben bereits mehr als 15 000 Menschen die Stadt verlassen. Die Befürchtung liegt nahe, das Szenario könnte sich wiederholen. Auch der Besuch des Siemens-Konzernchefs vor Ort in Görlitz im Dezember habe an diesen Befürchtungen nichts ändern können. Die Frage sei, was der Besuch am Ende für Görlitz bringen wird, wie belastbar die Position von Vorstandschef Joe Kaeser wirklich ist, so Jan Otto. Kaeser hatte nach dem Besuch im Turbinenwerk Görlitz öffentlich geäußert, dass es „echt schade“ wäre, „wenn dieser Standort verloren ginge, nur weil uns nichts Gutes gemeinsam einfällt". Die IG Metall jedenfalls zeigt sich belastbar und steigerungsfähig im Protest. Otto rechnet am Freitag in Görlitz „mit einer der größten Demonstrationen, die Ostsachsen seit der Wende erlebt hat“.

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