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Peitz
Metaller trotzen Wind und Wetter

Dem Aufruf der IG Metall zum Warnstreik folgten circa 70 Beschäftigte aus Kraftwerksservicebetrieben in Jänschwalde und von ABB Cottbus. Vor dem Rathaus in Peitz machten sie sich stark für die Tarifforderungen sowie die Angleichung der Löhne und Gehälter und der Wochenarbeitszeit.
Dem Aufruf der IG Metall zum Warnstreik folgten circa 70 Beschäftigte aus Kraftwerksservicebetrieben in Jänschwalde und von ABB Cottbus. Vor dem Rathaus in Peitz machten sie sich stark für die Tarifforderungen sowie die Angleichung der Löhne und Gehälter und der Wochenarbeitszeit. FOTO: Beate Möschl / Lausitzer Rundschau
Peitz. Rund 70 Beschäftigte aus Kraftwerksservice-Betrieben folgen Warnstreikaufruf der IG Metall und geben in Peitz Druck auf den  Kessel. Von Beate Möschl

Rund 70 Metaller aus vier Branchenbetrieben der Region waren am Donnerstag in Peitz (Spree-Neiße)  dem Warnstreikaufruf der Industriegewerkschaft (IG) Metall gefolgt. Während Wind und Wetter den Marktplatz menschenleer gefegt hatten, versammelten sie sich vor dem Rathaus, um in einer gemeinsamen Warnstreikaktion Flagge zu zeigen  und Druck zu machen auf die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie, die ins Stocken geraten sind.

Joern Homuth, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Cottbus und Südbrandenburg, verteilte vorsorglich rote Westen und Schals. Die halfen, dem scharfen Wind und Schneeregen zu trotzen. Bis die Kollegen von ABB Cottbus gegen 13.30 Uhr  dazu stießen, blieb Gelegenheit, sich unter den Beschäftigten aus Jänschwalde  umzuhören. Die kennen sich mittlerweile auch untereinander ganz gut. „Wenn die IG Metall zur Aktion ruft, sind wir selbstverständlich dabei“, macht ein Mitarbeiter von Sulzer Pumpen klar, da stehe man zusammen. Die Ziele sind klar: „Wir wollen dieselbe Arbeitszeit wie im Westen“, sagt Frank Kühnel. Er ist einer von rund 150 Mitarbeitern der Bilfinger Engineering und Technologies GmbH in Jänschwalde und Betriebsratsmitglied. Er steht nicht zum ersten Mal mit den Kollegen aus anderen Kraftwerksserviceunternehmen zusammen, um Tarifforderungen der Gewerkschaft Nachdruck zu verleihen. Es sei wichtig, mit Präsenz und Nachdruck den Kollegen den Rücken zu stärken, sie nicht alleine zu lassen bei Demos und Aktionen, sagt ein anderer: „Das haben wir doch von der Pike auf gelernt, dass man für seine Interessen auch einstehen muss, und das  geht gemeinsam am besten“, sagt Bernd Gebert von Emerson Sempell. „Man sollte Flagge zeigen. Die Gewinne werden immer größer. Und dann wird noch über den Mindestlohn diskutiert. Und alle wollen mal eine gute Rente haben“, sagt er und fügt an: „Wir haben einen relativ guten Tarifvertrag, aber immer noch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft mit 37,5 Stunden-Woche im Osten und 35 Stunden-Woche im Westen und entsprechenden Lohnunterschieden.“ Deshalb zeigen die Metaller in Peitz  auch die Schilder mit der Aufschrift „Keine Zeit für neue Mauern“ gerne hoch.

Gewerkschaftssekretär Paul Rothe aus Finsterwalde informiert über den Stand der Tarifverhandlungen, die sich zäh gestalten. Er kündigt weitere Aktionen an. Sollte sich am 24. Januar bei der Verhandlungsrunde  im Pilotbezirk Baden-Württemberg nichts bewegen, sind ab Ende Januar auch 24-Stunden-Streiks möglich. Zügig kommt er auf den Punkt, denn die Unwetterwarnung vor dem Sturmtief „Friederike“ schwebt über dem Marktplatz  und niemand soll zu Schaden  kommen. So ist die Warnstreikaktion nach knapp 45 Minuten vorbei, anders als sonst gewohnt ohne Publikum und Gespräche mit Anwohnern.