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| 11:50 Uhr

Lausitzer Unternehmergeschichten
Vom Buttergeschäft zu Kunella-Feinkost

Kunella ist sein Leben: Lothar Parnitzke führt das Unternehmen bereits seit 1974.
Kunella ist sein Leben: Lothar Parnitzke führt das Unternehmen bereits seit 1974. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Lausitzer Unternehmer berichten in loser Folge von ihren Erfahrungen in der sich wandelnden Region – heute: Lothar Parnitzke, Geschäftsführer der Kunella Feinkost GmbH aus Cottbus. Von Lothar Parnitzke

Diese Cottbuser Firmengeschichte beginnt 1894 mit einem Buttergeschäft in der Sandower Straße 54. Ludwig Kunert und seine Frau Anna legten hier den Grundstein für das heutige Unternehmen Kunella Feinkost GmbH. In Schlesien, Westpreußen, Sachsen und Brandenburg eröffneten sie weitere Geschäfte. Die eigenen Läden boten ausschließlich Kunella-Produkte an unter dem Slogan: „Fragen könnt ihr, wen ihr wollt, das Beste ist Kunella Gold.“

In meinen Schulferien arbeitete ich erstmals im Juni 1963 in dem noch privaten Unternehmen Gebr. Kunert. Nach vierzehn Tagen wurde ich von den kinderlosen Unternehmern gefragt, ob ich nicht bleiben wolle, um das Unternehmen später weiterzuführen. In meinem jugendlichen Leichtsinn hatte ich die Vision, im weißen Kittel über den Hof zu gehen. „Das kann ich schaffen“, sagte ich mir.

Die Leitung des Unternehmens übernahm ich schließlich im Januar 1974 als Betriebsdirektor. Im gleichen Jahr wurde eine kleine Lagerhalle durch einen Brand komplett zerstört. Das war die „Initialzündung“ für eine grundlegende Modernisierung des Betriebes.

Nach der Wende 1989 stieg Kunella in einen gesättigten Markt ein und musste sich dem Wettbewerb (dem Konkurrenzkampf) unter marktwirtschaftlichen Bedingungen stellen.

In den modernen Anlagen gab es anfangs für die vierzig Mitarbeiter wenig zu tun. Oft wurde an nur einem Tag in der Woche gearbeitet. Einige Jahre gingen ins Land, bis die Anlagen wieder täglich liefen.

In der Verwaltung beschäftige ich heute als verantwortlicher Leiter die dritte Generation. Immer an meiner Seite und inzwischen 46 Jahre im Unternehmen ist Ursula Merkel. Sie präsentierte Kunella nach außen. Sie besuchte mit mir viele Messen, opferte Samstage und Sonntage für die Firma. Darunter waren große Messen, wie die Internationale Grüne Woche in Berlin und die Anuga in Köln. Ursula Merkel leitete das Unternehmen, wenn ich allein unterwegs war. Das kam oft vor, denn nach der Wende verfuhr ich allein 1,45 Millionen Kilometer im Auto.

Auslandsmessen wurden in den ersten Jahren über den Verband der pro agro organisiert. Kunella Feinkost wurde gefördert und auch begleitet. So entstanden erste Kontakte und Exporte. Exportieren war die eine Seite. Die Voraussetzungen dafür zu schaffen, die notwendigen Papiere zu organisieren, Übersetzungen, Zollformalitäten oder Ursprungszeugnisse verlangten uns bei Kunella alles ab. Nichts davon kannten wir aus früheren Zeiten.

Die Auslandsmessen prägten uns. Dabei kamen wir mit den großen Unternehmen aus den alten Bundesländern zusammen. Wir lernten viel im Umgang mit den Außendienstmitarbeitern und konnten uns profilieren, wir lernten, wie Messestände im Ausland aufgebaut werden müssen und wie die Warenwege aussahen, wie man die Produkte aus dem Zoll bekam. Noch wichtiger war es jedoch, Kontakte aufzubauen und das Unternehmen bekannt zu machen.

Die positive Ausstrahlung unseres Unternehmens ist in der Cottbuser Öffentlichkeit wenig bekannt. Viele Bürger aus den alten Bundesländern schreiben uns, dass Kunella sie an ihre Kindheit in Schlesien erinnert. Sie freuen sich, dass sie Kunella heute wieder im Handel finden. Mitarbeiter, die in der Verwaltung gearbeitet hatten und aus der DDR geflohen waren, schicken uns Bilder und erzählen uns aus der Vergangenheit.

Es kamen Enkelkinder, um ihren Großeltern einen großen Wunsch zur Goldenen Hochzeit zu erfüllen. Die beiden hatten sich bei Gebr. Kunert kennengelernt: Er brachte als Kraftfahrer die Ware in die Geschäfte, sie arbeitete im Betrieb. Die Feierlichkeiten zu ihrem fünfzigsten Hochzeitstag wollten sie am Ort ihres Kennenlernens beginnen.

Wir freuten uns auch über die Erzählungen einer Rentnerin, die bei den Gebrüdern Kunert gelernt hatte und sich an die Zeit der Kunella-Geschäfte in Schlesien erinnerte. Kunella war seinerzeit Wettbewerber von Kaiser‘s (später Kaiser’s Tengelmann). Am Morgen wurde geschaut, wie viel Margarinepunkte es bei Kaiser‘s gab. Die gleiche Punktzahl gab es dann auch in den Kunella-Geschäften.

Kaiser’s gibt es heute nicht mehr. Kunella dagegen besteht weiter erfolgreich am Markt.