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| 11:40 Uhr

Ministervisite
Vizekanzler: Strukturwandel wird ausfinanziert

Vizekanzler Olaf Scholz (2.v.r.) und Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD/3.v.r.) haben am Freitag die Ausbildungswerkstätte im Kraftwerk Jänschwalde (Spree-Neiße) besucht.  Mehr als 600 Leag-Azubis hoffen hier auf eine Perspektive in der Region.
Vizekanzler Olaf Scholz (2.v.r.) und Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD/3.v.r.) haben am Freitag die Ausbildungswerkstätte im Kraftwerk Jänschwalde (Spree-Neiße) besucht. Mehr als 600 Leag-Azubis hoffen hier auf eine Perspektive in der Region. FOTO: LR / Christian Taubert
Jänschwalde. Von Azubis im Kraftwerk Jänschwalde hören Olaf Scholz und Ministerpräsident Dietmar Woidke, dass sie eine Perspektive in der Lausitz wollen. Von Christian Taubert

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) kam am Freitag zu seinem Antrittsbesuch nach Brandenburg. Dass er dafür die Lausitz und das Kraftwerk auswählte, kommt nicht von ungefähr. Als Finanzminister der Großen Koalition will er sich vor Ort ein Bild machen, welche Mittel notwendig sein werden, um den Strukturwandel in den Kohleregionen zu finanzieren. „Hier geht um die Zukunft einer ganzen Region“, sagt Scholz. Dafür leiste die Lausitz Energie Kraftwerke AG (Leag) mit einer exzellenten Lehrausbildung gute Voraussetzungen. 663 junge Menschen erlernen in der Jänschwalder Ausbildungsstätte zurzeit einen Beruf. Und sie sagen zum großen Teil, dass sie hier nach der Ausbildung einen Job haben möchten, um in der Lausitz bleiben zu können.

Der Finanzminister macht am Ende seiner Visite klar, „dass wir die Mittel für den Strukturwandel auch in der Lausitz einsetzen werden, die wir brauchen“. Und er verweist darauf, dass dafür  Jahrzehnte notwendig sein werden. Diese Aussage geht auch mit der Einschätzung von Leag-Vorstandschef Helmar Rendez konform. „Wir brauchen Zeit und verlässliche Rahmenbedingungen“, wendet er sich an die in Berlin beratende Strukturkommission. Und er sendet eine Botschaft aus der Lausitz an die Kommissionsmitglieder, die schon bis Ende des Jahres ein Kohleausstiegsdatum festlegen wollen. „Auch wenn die Energiepolitik in Berlin gemacht wird: Wir wollen hier keinen Strukturbruch wie nach 1990 erleben.“

Für Rendez ist es wohltuend, dass Olaf Scholz am Freitag dorthin gekommen ist, „wo das wahre Leben spielt“. Zurzeit gebe es zwar extrem viel Sonne, aber die Anlagen könnten bei dieser Belastung nur 80 Prozent ihrer Leistung erreichen. Die Leag-Kraftwerke in der Lausitz würden dagegen nicht wegen zu warmen Kühlwassers gedrosselt oder abgeschaltet. „Jänschwalde läuft volle Pulle.“ Für Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gehört das zur ganzen Wahrheit der Gestaltung der Energiewende. „Ich vermisse zu oft Ehrlichkeit und Realitätssinn“, verweist er darauf, dass niemand konkret sage, woher der Strom kommen solle, wenn zehn Prozent Kohlestrom vom deutschen Netz gehen würden.

Zudem gehe es um eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung. Um deutsche Klimaziele zu erreichen, Kohlestrom aus Polen und Tschechien sowie Atomstrom aus Frankreich zu importieren – „das kann keine Alternative sein“. Der Regierungschef fügt hinzu, „dass die Menschen mitgenommen werden müssen“. Es gehe um die Sicherung von Industrie-Arbeitsplätzen hierzulande. Es gehe um die Ausgestaltung von Leitlinien, die auch der Lausitz über Jahrzehnte eine energiepolitische Zukunft sichern.

Darauf bauen bei der Leag gegenwärtig 663 junge Menschen, die hier nach einer soliden Ausbildung auf eine berufliche Perspektive in der Region setzen. In dieser Woche haben insgesamt 138 Azubis ihre Ausbildung in verschiedenen Ausbildungsberufen bei der Leag begonnen. Auch in diesem Jahr, teilte der Energiekonzern mit, haben sich junge Leute für ein duales Studium entschieden. Damit bietet die Leag jungen Menschen zusätzlich zu den Ausbildungsgängen die Möglichkeit der praktischen und theoretischen Ausbildung im Rahmen dualer Studiengänge. Für das Studium zum Bachelor of Arts in der Fachrichtung Industrie kooperiert das Unternehmen mit der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.