ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 06:17 Uhr

Cottbus
Viele Lausitzer unzufrieden mit Gehältern und Arbeitsumfang

FOTO: LR / Katrin Janetzko
Cottbus. Bei Beurteilung der Arbeitssituation stehen Arbeitsverdichtung auf der Minusseite und gute Kollegen auf der Habenseite.

Der weit überwiegende Teil der Lausitzer ist mit seiner Arbeit zufrieden. Haben die kritischen Thesen von Martin Wehrle in unserer  Region deshalb nur Einzelfallcharakter? Wohl nicht, denn immerhin jeder  Dritte gab in der aktuellen RUNDSCHAU-Umfrage an,  mit seiner Arbeitssituation unzufrieden zu sein. Bei den Gründen liegt Unmut mit dem Gehalt mit 28 Prozent an der Spitze.

Das Durchschnittsgehalt liegt in der Region bei 2500 Euro brutto. Rund 41 Prozent der Befragten verdienen  mehr, 45 Prozent weniger und rund 14 Prozent ungefähr diese Summe. Bei dieser grundsätzlichen Verdienstsituation geben rund 46 Prozent an, dass sie etwas zurücklegen können, 40 Prozent vermögen zumindest die laufenden Kosten zu decken. Alle andern müssen aufstocken oder einen Nebenjob annehmen.

Auf das Gehalt folgt als Grund für Unzufriedenheit mit 21 Prozent der Arbeitsumfang und schon an dritter Stelle stehen mit 14 Prozent Probleme mit den Vorgesetzten. Konkret werden Punkte wie  „schlechtes Arbeitsklima“, „immer befristete Verträge“, „zu wenig Mitarbeiter, viele nicht gut organisierte Abläufe“, „Missgunst und Denunziantentum von Mitarbeitern“, „extrem lange  Anfahrtswege zur Arbeitsstelle“ oder „inkompetenter Chef“ angegeben.

Verallgemeinernd lässt sich festhalten, dass als ungerecht empfundene  Bezahlung, Mängel in Personalführung und Arbeitsorganisation bis hin zum Mobbing, Personalmangel und Mehrarbeit sowie schlechte Rahmenbedingungen — wie lange Pendelzeiten oder die Befristung von Verträgen — zu hoher Unzufriedenheit führen. Damit liegen die Probleme in der Lausitz genau da, wo sie auch deutschlandweit beschrieben werden. Als Klammer steht über diesen Problemen die Arbeitsverdichtung. Auch darauf gibt die Umfrage deutliche Hinweise.  So müssen rund 29 Prozent der Befragten  regelmäßig Überstunden machen, weil die Arbeit sonst nicht zu schaffen ist, weitere 43 Prozent machen vor allem zu Stoßzeiten Überstunden. Rund ein Viertel der Befragen gibt zudem an, dass immer mehr Aufgaben auf ihrem Tisch landen, weil sie personell dünn bestückt sind. Das spiegelt sich dann wider in solchen Aussagen: „Es wird immer mehr Bürokratie und mehr Arbeit für immer weniger Köpfe“ oder  „Übernahme von Aufgaben, die nicht meine sind“.

Alarmierende 30 Prozent geben  an, dass sie neben der Arbeit keine Zeit mehr für Hobbys haben. Dem stehen 70 Prozent gegenüber, die, wenn auch teilweise mit Einschränkungen, Zeit für Sportkurse oder Familie haben. Trotz des viel beschworenen Fachkräftemangels sind 25 Prozent der angebotenen Arbeitsverträge nur befristete Stellen.

Im Ergebnis dieser Verhältnisse denkt ein Viertel der Befragten  über einen Jobwechsel nach. Als größtes Hemmnis dafür gilt, dass die Menschen in der Region bleiben möchten. Es folgt, zu alt zu sein, um auf Jobsuche zu gehen.

Auf die Frage nach dem grundsätzlichen Verhältnis zu Arbeit antworten rund 70 Prozent: „Ich arbeite, um zu leben.“ Knapp 18 Prozent „leben, um zu arbeiten“. Die Spanne der Antworten reicht  von „Der Job macht mich glücklich“ bis zu: „Ich arbeite nur noch, es gibt kein Privatleben“.

Über Verbesserungen im Arbeitsleben haben die Lausitzer sehr konkrete Vorstellungen. 28 Prozent hätten gern ein Wunschgehalt, rund 20 Prozent flexible Arbeitszeiten, 14 Prozent mehr Entwicklungschancen, und jeweils rund acht Prozent wünschen sich mehr Gleichberechtigung und einen anderen Chef. Dazu kommen Punkte wie mehr Wertschätzung der eigenen Arbeit, Arbeit in Wohnortnähe, weniger Aktionismus, mehr Mitarbeiter  und mehr Planbarkeit.

Und von einem Chef wünschen sie sich beispielsweise, dass er: „Trotz einer gewissen Strenge Menschlichkeit  und Freundlichkeit ausstrahlt“,„sich an getroffene Vereinbarungen hält“, „kompetent, nicht cholerisch und offen für andere Meinungen“ ist und „seine Mitarbeiter schützen sollte“.

Neben dem Chef spielt das Verhältnis zu den Kollegen eine entscheidende Rolle. Denn rund 27 Prozent geben als Grund für ihre Zufriedenheit am Arbeitsplatz „nette Kollegen“ an. Es folgen mit je rund 22 Prozent „gutes Gehalt“ und „ansprechende Arbeitsaufgaben“. Für  13 Prozent ist ein „guter Chef“ Anlass für Zufriedenheit. Und eine Antwort lautet folgendermaßen: „Arbeit ist viel, aber nicht alles im Leben“.