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| 13:50 Uhr

Cottbuser Rathauschef im Kuhstall
Streicheleinheiten vom Rathauschef

Christian Kuhlmann, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Kahren, zeigt  Oberbürgermeister Holger Kelch gut gelaunt, was Landwirte in der Stadt Cottbus leisten.
Christian Kuhlmann, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Kahren, zeigt Oberbürgermeister Holger Kelch gut gelaunt, was Landwirte in der Stadt Cottbus leisten. FOTO: Beate Möschl / LR Beate Möschl
Cottbus . Bei bestem Agrarwetter – Sonnenschein und   Regenschauer  - haben sich Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU), sein Wirtschaftsexperte Manfred Hurraß  sowie Marion Hadzik und Arno Schütze, beide Projektmanager der Cottbuser Wirtschaftsfördergesellschaft EGC,  bei der Agrargenossenschaft Kahren umgeschaut. Dabei bekamen Milchkühe und Kälbchen  gleich ein paar  Streicheleinheiten ab vom Cottbuser Rathauschef. Kelch und sein Team haben bei den Landwirten im Cottbuser Ortsteil Kahren Kritik erfahren, die sie sich mal nicht ans eigene Revers heften mussten. Denn die Förderrichtlinien und Verordnungen für die Landwirtschaft werden nicht in Cottbus gemacht. Unterstützen allerdings kann die Verwaltung in Cottbus die Agrargenossenschaft bei allen Dingen vor Ort, bedeutete ihnen Christian Kuhlmann. Die Zusammenarbeit klappt im Wesentlichen, der kurze Dienstweg zu den erforderlichen Ämtern funktioniert, auch zum an den Landkreis abgegebenen Landwirtschaftsamt, berichtet der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Kahren. Den Ball etwas besser zurückspielen aber könne die Stadtverwaltung ab und an durchaus, vor allem durch Kenntnis der Örtlichkeiten, sagt er mit Blick auf inzwischen geklärte Genehmigungsfragen. Holger Kelch empfiehlt, immer zügig auf das Rathaus zuzugehen, wenn dort die Säge klemmt. Am besten zu Manfred Hurraß, „Das ist Ihr Mann“, sagt Kelch, „und Arno Schütze, der den Staffelstab von Frau Hadzik übernehmen wird“. Von Beate Möschl

Bei bestem Agrarwetter – Sonnenschein und   Regenschauer  - haben sich Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU), sein Wirtschaftsexperte Manfred Hurraß  sowie Marion Hadzik und Arno Schütze, beide Projektmanager der Cottbuser Wirtschaftsfördergesellschaft EGC,  bei der Agrargenossenschaft Kahren umgeschaut. Dabei bekamen Milchkühe und Kälbchen  gleich ein paar  Streicheleinheiten ab vom Cottbuser Rathauschef. Kelch und sein Team haben bei den Landwirten im Cottbuser Ortsteil Kahren Kritik erfahren, die sie sich mal nicht ans eigene Revers heften mussten. Denn die Förderrichtlinien und Verordnungen für die Landwirtschaft werden nicht in Cottbus gemacht. Unterstützen allerdings kann die Verwaltung in Cottbus die Agrargenossenschaft bei allen Dingen vor Ort, bedeutete ihnen Christian Kuhlmann. Die Zusammenarbeit klappt im Wesentlichen, der kurze Dienstweg zu den erforderlichen Ämtern funktioniert, auch zum an den Landkreis abgegebenen Landwirtschaftsamt, berichtet der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Kahren. Den Ball etwas besser zurückspielen aber könne die Stadtverwaltung ab und an durchaus, vor allem durch Kenntnis der Örtlichkeiten, sagt er mit Blick auf inzwischen geklärte Genehmigungsfragen. Holger Kelch empfiehlt, immer zügig auf das Rathaus zuzugehen, wenn dort die Säge klemmt. Am besten zu Manfred Hurraß, „Das ist Ihr Mann“, sagt Kelch, „und Arno Schütze, der den Staffelstab von Frau Hadzik übernehmen wird“.

Die Kenntnis der Örtlichkeiten bessern der Stadtchef und seine Wirtschaftsexperten beim Rundgang auf. Christian Kuhlmann, Jenny Hanske, Abteilungsleiterin Tierproduktion der Agrargenossenschaft Kahren/Branitz und René Matusch, Abteilungsleiter Pflanzenproduktion haben sie zuvor bereits ins Bild gesetzt, womit eine typische landwirtschaftliche Genossenschaft auf den Böden der Lausitz im Einzugsgebiet des Tagebaus Nord, am Rande einer Großstadt und des Fürstlichen Landschaftsparks in Branitz unter der Glocke europäischer Gesetzgebung zu kämpfen hat.

Die 1990 aus der LPG Pflanzenproduktion „Glück Auf“ Kahren und der LPG Tierproduktion „Karl Marx“ Kahren/Branitz hervorgegangene Genossenschaft ist einer der letzten Milchproduzenten der Stadt Cottbus. Circa 10 000 Liter Milch liefern die Kahrener Kühe pro Jahr. Verarbeitet im sächsischen Leppersdorf in der Molkerei der weltweit tätigen Unternehmensgruppe Theo Müller, (Bayern), kommt sie als Sachsen-Milch-Produkt in die Lebensmittelmärkte und auch bei Cottbusern auf den Tisch; zu zwischenzeitlich überraschend hohen Preisen.

Doch haben die Landwirte davon nichts, wie der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft anhand von Zahlen und Fakten deutlich macht: Der Betrieb mit Sitz im Cottbuser Ortsteil Kahren bewirtschaftet gegenwärtig knapp 1400 Hektar Fläche. Das Bewirtschaftungsterritorium umfasst die Gemarkungen Kahren, Branitz Dissenchen, Haasow, Merzdorf, Sandow, Schlichow und Kiekebusch. 70 Prozent der Fläche unterliegt den Grundwasserentzug durch den Tagebau. Die durchschnittliche Ackerzahl liegt bei 28, das heißt, die Getreidesorte, die hier am besten gedeiht ist Roggen.

Was auf den Feldern der Agrargenossenschaft wächst, ist zuvorderst für die Fütterung der 500 Rinder, darunter 250 Milchkühe, bestimmt. Wichtiges „Nebenprodukt“ des Futtergetreideanbaus ist Stroh, denn auf selbigem liegen die Tiere im Stall und das kommt als Mist und Dünger wieder aufs Feld. Was übrig bleibt an Fläche wird mit Marktfrüchten wie Raps, Sonnenblumen und Winterrogen bestellt. Deren Verkaufserlöse sind wichtige Einnahmen, sie können aber die Schere nicht schließen helfen zwischen steigenden Aufwand und sinkendem Ertrag durch den Verfall der Milchpreise, wie Christian Kuhlmann deutlich macht.

„Wir haben zwei Jahre lang zehn Cent pro Liter Milch zugesetzt. Das ist an die Substanz gegangen. Noch ein Jahr länger, und wir hätten die Milchproduktion wohl aufgeben müssen. Wir bräuchten als Ausgleich mindestens zehn gute Jahre, um wieder auf den Stand vor der Milchkrise zu kommen.“ Aktuell zahle Müllermilch den Milchbauern 29 Cent pro Liter Milch. Auskömmlich wären 35 Cent.

Die 22 Beschäftigten, den Vorstand und den Aufsichtsrat der Genossenschaft mit 32 Mitgliedern drückt noch ein weiteres existenzielles Problem. „Uns fehlt der Nachwuchs. Wir wissen nicht, ob wir in zehn Jahren noch Melker finden. Deshalb überlegen wir schon, ob es sich lohnt, einen neuen Melkstand zu bauen, oder ob wir lieber gleich auf Robotertechnik setzen, wenn denn der Standort und die Milchproduktion erhalten bleiben sollen“, schildert Kuhlmann.

Der Erhalt des Betriebes, auch diese Information nehmen Oberbürgermeister Kelch, Manfred Hurraß und die Projektmanager der EGC mit, hängt wesentlich von der politischen Großwetterlage ab. Christian Kuhlmann verweist auf die geplante Neuausrichtung der Förderpolitik der Europäischen Union ab 2020, die für größere Landwirtschaftsbetriebe eher weitere Beschränkungen als Erleichterungen verheißt. Oder auf das Russland-Embargo, das die Milchbauern durch den Verfall der Milchpreise empfindlich zu spüren bekommen. „Das ist nicht gesund. Die Politik ist der Unsicherheitsfaktor Nummer eins für die Landwirtschaft“, so Kuhlmann.