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| 15:40 Uhr

Arbeiten unter sengender Sonne
Hitzeschlacht auf den Dächern der Region

Dachdeckermeister Mirko Mroos auf einer Baustelle in Cottbus.
Dachdeckermeister Mirko Mroos auf einer Baustelle in Cottbus. FOTO: LR Beate Möschl
Cottbus. Der Deutsche Wetter­dienst warnt vor extremer Hitze in Deutschland. Beschäftigte auf Bau­stellen können es aber kaum vermeiden, sich in der prallen Sonne aufzuhalten. Dachdecker wie Mirko Mroos aus Neu Zauche fangen früher an und machen öfter Pausen — nur im Extrem­fall gibt’s hitzefrei. Von Beate Möschl

Die Dachbahnen sind aufgeheizt wie der Sandstrand am Mittelmeer. Nur dass oben auf dem Dach, der sechsten Etage einer Baustelle in Cottbus, jegliche Spur von Meeresbrise oder Windhauch fehlt. Die Sonne brennt – und mit jeder Stunde steigen die Temperaturen an den  Arbeitsplätzen von Mirko Mroos und seinen Kollegen – locker auf bis zu 60 Grad Celsius und mehr. Auf dem Dach gibt es keinen Schatten. „Oben ist es immer zehn bis 20 Grad heißer. Die Materialien heizen sich stark auf und strahlen noch mehr Wärme ab, irgendwann kann man das Material nicht mehr anfassen“, schildert Mroos. Er rät zu Sonnencreme „am besten mit Lichtschutzfaktor 50“, einem guten breitkrempigen Strohhut, zwei bis drei kurzen Pausen mehr im Schatten und viel trinken. „Fünf Liter sind da nichts am Tag.“ Ohne den obligatorischen Kasten Wasser verlässt diese Tage kein Fahrzeug den Hof des Dachdecker-Meisterbetriebs Geschwister Mroos GbR in Neu Zauche (Dahme-Spreewald).

Vier Baustellen hat der Betrieb derzeit in Arbeit. In Cottbus, in Burg, in Neu Zauche und im Raum Königs Wusterhausen steigen die sechs Mitarbeiter privaten Bauherren gekonnt aufs Dach. „Wenn wie angekündigt die 34 Grad kommen, wird es interessant“, sagt Mirko Mroos, denn dann verbieten sich Bitumen-Schweißarbeiten auf dem Dach. Da heißt es zirkeln und andere Arbeiten in Angriff nehmen, zum Beispiel Steildacharbeiten: Biberziegel in Doppeldeckung auf dem Mansardendach eindecken. Das ist für die erfahrenen Dachdecker zwar schon Routine, aber immer wieder anstrengend, denn die Termine drücken, egal wie das Wetter ist. Mirko Mroos, Sohn von Firmeninhaber Michael Mroos, ist damit groß geworden. Von Kindesbeinen an. Ihm liegen das Handwerk und das Meistern von Herausforderungen im Blut.

„Wir fangen um 6 Uhr an, um die noch etwas kühleren Stunden des Tages zu nutzen. Wenn die Mittagssonne hoch steht, braucht man nicht mehr probieren, etwas zu schweißen, dann wird die Masse unter der Folie weich. Da kann man die Bahnen nicht mehr ordentlich verlegen. Die Materialien für Flachdach- und Klempnerarbeiten werden im Schatten gelagert und immer nur so viel hoch geholt, wie gerade verarbeitet werden kann“, schildert Mroos, der mit seinen 23 Jahren schon den Dachdecker-Meisterbrief in der Tasche hat.

2015 hat er als Landessieger im Leistungswettbewerb der Nachwuchshandwerker im Dachdecker-Gewerk das Land Brandenburg  beim Bundesausscheid der sieben besten Nachwuchsdachdecker Deutschlands vertreten. „Gleich danach habe ich die Meisterschule angefangen. In Großräschen, auf dem Lehrbauhof der Handwerkskammer Cottbus.“ Inzwischen ist Mirko Mroos der jüngste Dachdeckermeister in Südbrandenburg. Damit kann er seinen Vater Michael Mroos bei der Lehrlingsausbildung zur Seite stehen und perspektivisch den Familienbetrieb einmal weiterführen. Wenn sich genug Fachkräfte finden, wie er sagt. „Wir bilden gerne Lehrlinge aus, die bei guten Leistungen auch übernommen werden. Dachdecker-Fachkräfte werden immer gebraucht, und der Verdienst ist gut“, so der 23-Jährige.

Die Baunachfrage ist groß. „Wir freuen uns, dass wir regional für die Bauherren tätig sein dürfen.“ Das Familienunternehmen ist ausgebucht bis unters Dach. Das ist kein Einzelfall. „Die Handwerksbetriebe haben alle gut zu tun. Dem längeren Winter ist es geschuldet, dass die Frühjahrsbaustellen später als erwartet begonnen werden konnten, deshalb kann es zu kleinen Verzögerungen kommen, bis wir das nächste Bauvorhaben beginnen können. Die extreme Hitze erschwert unsere Arbeit“, erklärt Mirko Mroos

Das Wichtigste für Bauherren wie Bauausführende bringt er ganz einfach auf den Punkt: „Kühlen Kopf bewahren!“ Es nützt keinem, wenn er in Hitze und Hektik Schaden nimmt. Zusätzliche Überstunden verbieten sich. „Um 16 Uhr ist Schluss. Der Mensch braucht Zeit, um sich zu erholen. Morgen ist ein neuer Tag, da geht es wieder frisch ans Werk.

Dachdecker benötigen in diesen heißen Tagen jede Menge „Löschwasser“.
Dachdecker benötigen in diesen heißen Tagen jede Menge „Löschwasser“. FOTO: FOTO-Werner