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| 18:16 Uhr

Unfallrisiko toter Winkel
Peitzer Kfz-Meister: Abbiege-Assistenten sind kein Hexenzeug

Sven Minetzke sieht auf dem Monitor im Kabinenraum, was sich rechts neben dem Lkw befindet. Sobald der Brummi-Fahrer den Blinker setzt, schaltet sich die Kamera rechts am Außenspiegel ein und überträgt das Bild.
Sven Minetzke sieht auf dem Monitor im Kabinenraum, was sich rechts neben dem Lkw befindet. Sobald der Brummi-Fahrer den Blinker setzt, schaltet sich die Kamera rechts am Außenspiegel ein und überträgt das Bild. FOTO: LR / Sybille von Danckelman
Peitz. Immer wieder werden Radfahrer oder Fußgänger von abbiegenden Lkw überfahren. Einfach übersehen. Ein toter-Winkel-Assistent könnte Leben retten. Der Markt ist voll von solchen Systemen. Doch irgendwie traut sich keiner zu handeln. Der Peitzer Kfz-Meister Sven Minetzke ahnt auch, warum: Weil die Politik derzeit nicht sagt, was sie für ein System favorisiert. Von Sybille von Danckelman

Gesetzlich vorgeschrieben sind Abbiege-Assistenzsysteme bei Nutzfahrzeugen ohnehin noch nicht. Eine entsprechende Gesetzesinitiative wurde zwar im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgelegt. Doch solange eine Nachrüstung nicht verbindlich ist, scheuen die meisten Speditionen die zusätzlichen Kosten.

Dabei wäre Unfallprävention so einfach, das ist „alles kein Hexenzeug“, sagt Sven Minetzke, der in Peitz einen Online-Shop für Nutzfahrzeugersatzteile betreibt. Man könnte so einfach den Verkehr sicherer machen - vor allem für die, die nicht selbst am Steuer sitzen.

Sven Minetzke zeigt die Komponenten seines Abbiege-Assistenten: LED-Monitor, Verbindungskabel, Kamera. „Das kann jeder Kfz-Meister oder Kfz-Elektriker einbauen“, sagt er.
Sven Minetzke zeigt die Komponenten seines Abbiege-Assistenten: LED-Monitor, Verbindungskabel, Kamera. „Das kann jeder Kfz-Meister oder Kfz-Elektriker einbauen“, sagt er. FOTO: LR / Sybille von Danckelman

Der 39-Jährige hat da mal was vorbereitet. Mit Monitor, Kamera und Verbindungskabel, Prinzip Rückfahrkamera. Die Kamera wird in den rechten Außenspiegel montiert, ein kleiner LED-Monitor im Kabinenraum im Sichtfeld des Fahrers angebracht. Setzt der Brummifahrer nun rechts den Blinker, dann schaltet sich die Minikamera automatisch ein. Diese überträgt das Bild sogleich auf den kleinen Monitor im Kabinenraum. Dort kann der Fahrer sehen, ob sich neben dem Lkw im toten Winkel ein Radfahrer oder Fußgänger befindet. Wenn der Laster abgebogen ist, schaltet sich zusammen mit dem Blinker auch der Monitor wieder ab.

Die Idee aus Peitz überzeugt: Poredda Logistik Service aus Cottbus hat bereits fünf Fahrzeuge mit dem Minetzke-System nachgerüstet. „Um unsere Fahrer zu unterstützen“, sagt Geschäftsführer Christian Poredda. Ihre Lkw seien oft in Berlin und anderen Ballungsräumen mit stressigem Großstadtverkehr, vielen Radlern und engen Straßen unterwegs. Da sei so ein Abbiege-Assistent eine große Hilfe, um den toten Winkel besser erkennbar zu machen. „Die Fahrer sind sehr zufrieden damit. Wir werden noch weitere Lkw umrüsten“, sagt Poredda, der gemeinsam mit seinem Bruder die Spedition betreibt.

Die Montage zeigt die beiden einfachen Einzelkomponenten. Oben: die kleine Kamera am rechten Außenspiegel. Unten: der Monitor, der im Kabinenraum den toten Winkel zeigt.
Die Montage zeigt die beiden einfachen Einzelkomponenten. Oben: die kleine Kamera am rechten Außenspiegel. Unten: der Monitor, der im Kabinenraum den toten Winkel zeigt. FOTO: LKW-Teile 24 / Abbiege-Assistent

Auch die Lausitzer Wassergesellschaft (LWG) wartet nicht auf die große politische Lösung. Das Cottbuser Versorgungsunternehmen hat inzwischen alle vier Lkw seines Fuhrparks, darunter auch die Hochdruckspül- und saugwagen, mit einem Abbiege-Assistenten nachgerüstet. Ein Fahrzeug fährt mit dem Peitzer System.

Das System von Sven Minetzke ist nicht nur einfach und effektiv. Auch preislich liegt es im überschaubaren Rahmen: zwischen 300 und 1000 Euro kostet es, ohne Einbau. Volvo und Mercedes haben inzwischen werksseitig ihre Sattelschlepper mit einem akustischen System aufgerüstet, das bei einem seitlichen Hindernis ein Warnsignal abgibt. Die Einrichtung koste das Vierfache, der Fahrer sehe aber nicht genau, was sich tatsächlich im toten Winkel befindet. Und wenn er womöglich das xte Mal wegen nichts Dollem seinen Laster abgebremst hat, reagiert er womöglich nicht mehr oder macht das System ganz aus. So, wie die meisten Brummi-Fahrer auch den Notbrems-Assistenten ausstellen. Minetzke betont: „Mein Abbiege-Assistent-System lässt sich nicht ausschalten.“

Bleibt das Problem: Keiner weiß derzeit, was solch ein Abbiege-Assistent, wird er mal rechtlich verbindlich, leisten soll. Soll er piepen, soll er ein Videobild zeigen oder beides? „Der Markt ist voll von Systemen und könnte sofort reagieren, wenn es mal eine klare Ansage geben würde“, ist sich Sven Minetzke sicher.