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| 16:19 Uhr

Lehrling des Monats
Theater mit Nadel und Faden – ein Traum

Jasmin Halangk und Beate Teichert erläutern an einem von Jasmin genähten Frack für Bariton Heiko Walter, worauf es beim Schneidern ankommt.
Jasmin Halangk und Beate Teichert erläutern an einem von Jasmin genähten Frack für Bariton Heiko Walter, worauf es beim Schneidern ankommt. FOTO: Beate Möschl / LR
Cottbus. Handwerkskammer ehrt angehende Maßschneiderin Jasmin Halangk aus Forst als Lehrling des Monats. Von Beate Möschl

Kameras, Blitzlicht, Mikrofone – für die örtlichen Medien ist Jasmin Halangk als Lehrling des Monats der Handwerkskammer Cottbus der Star und die Schneiderei des Staatstheaters die aussagekräftigste Kulisse für die Übergabe des Preises. Ihre Arbeit an der Hose, die noch schnell gekürzt werden muss, hat die Forsterin für den Moment beiseite gelegt und nimmt, flankiert von Ausbilderin Beate Teichert, Gewandmeisterin Gabi Ludwig und Kostümdirektorin Nicole Lorenz, Urkunde, Bildungsgutschein, eine kleine Geldprämie entgegen und viele gute Wünsche für die Gesellenprüfung und vielleicht auch eine Meisterausbildung. Dazu jedenfalls animieren Steinbildhauermeister Maik Brunzel sowie Jürgen Naujokat als Vorsitzender und Stellvertreter des Versorungswerkes der Handwerkskammer. Sie gratulieren auch Nicole Lorenz, Gabi Ludwig und Beate Teichert stellvertretend fürs Staatstheater zum Ausbildungserfolg.

Mit Jasmin Halangk ist erstmals ein Maßschneiderlehrling unter den prämierten besten Lehrlingen der Handwerkskammer Cottbus. Zu Recht, wie schnell klar wird, wenn die 21-jährige Forsterin und ihre Ausbilderin, die Herrenmaßschneiderin Beate Teichert, aus dem Nähkästchen plaudern. „Ich habe schon während meiner Schulzeit hobbymäßig genäht, wollte es aber immer richtig lernen. Nach meinem Abitur in Forst habe ich mich spontan am Cottbuser Staatstheater beworben – und die Lehrstelle bekommen“, berichtet die Forsterin. Neben Geschick bringt sie den nötigen Ehrgeiz mit: „Ich gebe mir beim Arbeiten einfach Mühe. Wenn etwas nicht so klappt, wie ich es mir vorstelle, probiere ich solange, bis alles passt.“

Entsprechend positiv fällt das Lob ihrer Ausbilderin aus. Für Beate Teichert ist Jasmin Halangk eine der besten bisherigen Lehrlinge. „Sie hat eine sehr gute Auffassungsgabe. Was wir ihr zeigen, kann sie schnell umsetzen. Mit der Qualität bin ich sehr zufrieden. Besonders Handarbeiten liegen ihr, das i-Tüpfelchen sind Knopflöcher. Die gelingen ihr teilweise besser als mir. Aber auch große Arbeiten, wie das Fertigen eines Fracks, bewältigt sie sehr gut.“

Die Entscheidung, sich am Staatstheater um eine Maßschneiderlehre zu bewerben, war genau richtig, sagt Jasmin Halangk. Sie will dem Metier treu bleiben und nach der Lehre unbedingt wieder an einem Theater arbeiten, am liebsten in Berlin-Brandenburg, Sachsen oder Thüringen. „Mich fasziniert die Vielseitigkeit, die die Theaterschneiderei mit sich bringt, und dass ich auf der Bühne öfter sehen kann, was ich genäht habe“, sagt sie und hofft, mit ihrer guten Ausbildung punkten zu können. „Wir drücken Jasmin ganz fest die Daumen“, sagt Beate Teichert.

Seit 2008 bildet das Staatstheater wieder Herrenmaßschneider aus. Jasmin Halangk ist die vierte Auszubildende. Ihre Vorgängerin hat eine Festanstellung am Theater in Hannover bekommen. Andere haben studiert. Die Möglichkeit, junge Menschen gut ausbilden und ihnen damit eine eine Perspektive geben zu können, sei ausschlaggebend gewesen, dass sie zugestimmt hat, als Ausbilderin Verantwortung zu übernehmen, sagt Beate Teichert. „Wir haben hier in der Theaterschneiderei so viele Aufträge und vielseitige Anforderungen, dass die Azubis auch wirklich alles erlernen können, was in der Prüfungsordnung gefordert ist. Für ein Einzelunternehmen ist das schon schwieriger.“