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| 11:41 Uhr

KOLUMNE MEINE WIRTSCHAFTSWOCHE
Etwas für Ausgeschlafene

FOTO: LR / Sebastian Schubert
Nu mal langsam mit den jungen Pferden! Hat sich hier wirklich knapp 30 Jahre lang kein Rad gedreht? Mal ehrlich, wen zieht denn so eine Geschichte an, sich hier zu engagieren?  Haben wir so wenig gelernt und uns so sehr unser Selbstbewusstsein wegknicken lassen?

Beileibe nicht! So engagiert freilich wie die  Lausitzer ihre Zukunft  angehen, hat man Berliner und Brüsseler Politiker in all den  knapp 30 Nachwendejahren nicht wirklich strukturell voranbringende Entscheidungen treffen sehen.

Hier und da eine Prise Förderung, ja auch in Milliardenhöhe, für die Rekultivierung und das Entstehen eines europaweit einzigartigen Lausitzer Seenlands – hartnäckig abgerungen in unendlich vielen Sitzungen. Ein wenig Agieren per Fördermitteltropf und ein paar Sonntagsreden allein machen den Kohl eben nicht fett. Erst recht nicht, wenn  die politischen  Händchen – gefühlt – gern und lieber mehr über Standorte gehalten werden, wo es wirklich brummt.  Schon rufen aus dem Schwabenländle Unternehmensberater im Ruhestand um Hilfe. Weil die Wirtschaft dort schon fast unerträglich brummt, die schönen Gebirgstäler zugebaut werden, dass die Luft knapp wird und Wohnraum Mangelware ist, was immer mehr Menschen auf längeren Strecken zur Arbeit pendeln lässt. Mit Tausenden Diesel-Pkw und Aussicht auf saftige Selbstzahler-Beteiligung am Umstieg auf vermeintlich saubere Lösungen – dank einem nicht lupenreinen politischen Deal.

Da fällt manch Blick dann doch prompt auf den Osten. Nach Sachsen und Brandenburg. In die Wirtschaftsregion Lausitz – eine Region mit einst weltweit namhaften industriellen Wurzeln, die nach der Wende drastisch gekappt, heute nach neuen Trieben dürstet und gut und gerne Tausende neue Arbeitsplätze aufnehmen kann.

Eine Region mit einem leistungsfähigen, exzellent aufgestellten Mittelstand, starkem Handwerk und ausbaufähigen Forschungsinitiativen, die freilich industrielle Kerne als Treibstoff brauchen. Das ist hinlänglich bekannt, doch lässt der Blick in die Region nur einen Schluss zu.

Der Wille, im Osten voranzukommen, ist einseitig ausgeprägt. Der Region wird zweifelsohne und zu Recht viel zugetraut, aber auch viel zugemutet. Eine ausgeglichene, wirtschaftliche starke Einheit sieht anders aus und muss auch nicht eifersüchtig darüber diskutieren, wer mehr leistet, Ost oder West. So schwelgt Deutschland in einem Luxus, den es nicht (mehr) hat: Zeit, um Zukunft zu gewinnen.

Wer hier vorausschauend und nachhaltig investieren und Ansiedlungen fördern will, der muss wissen, womit Zukunft gemacht wird, wie im Wettlauf um die Digitalisierung, der von Amerika und Asien längst gewonnen ist, Anschluss und mehr Finesse erreicht wird, und was die Digitalisierung mit unserer Arbeits- und Lebenswelt macht. Das sind die Dinge, die produktiv voranbringen, nicht das Sichern und Schachern um Posten auf der Regierungsbank. Angst vor Veränderung hat die Menschen in eine sich ungewohnt artikulierende Bewegung gebracht. Nicht erst gestern oder heute. Es sind Antworten nötig. Mit Substanz, Mut und dem Blick nach vorn.

Das Lichtermeer, mit dem die Lausitz am 18. Oktober  Signale in den Tesla-Orbit senden will, in der Hoffnung, dass ein Musk das Feuer der Leidenschaft in den Herzen der Lausitzer erkennt und hier daraus etwas Solides macht, sollte in Regierungs- und Wirtschaftskreisen auch in unserem Land  ein Licht aufgehen lassen. Nicht nur verbal.