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| 17:55 Uhr

Gesundes Land - gesunde Früchtchen
Pralle Holunder-Ernte in Sicht

Heinz-Jürgen Hanschke und seine Tochter Jördis Siwik kontrollieren die  prall besetzten Dolden der robusten, spät reifenden  Sorte „Haschberg“  in Briesen. Geerntet wird dieses Jahr voraussichtlich schon  ab Mitte August, circa 14 Tage früher als gewöhnlich.
Heinz-Jürgen Hanschke und seine Tochter Jördis Siwik kontrollieren die prall besetzten Dolden der robusten, spät reifenden Sorte „Haschberg“ in Briesen. Geerntet wird dieses Jahr voraussichtlich schon ab Mitte August, circa 14 Tage früher als gewöhnlich. FOTO: LR Beate Möschl
Briesen/Heinersbrück. Aus einer Schnapsidee sind Saft und Likör geworden – zwei Land­wirte pflegen in Briesen und Heinersbrück die einzigen Kultur-Holunder-Plantagen in Südbrandenburg. Die Ernte wird in einem typisch-regionalen Kreislauf verarbeitet: in der Spreewald-MostereiJank in Burg und in der Spreewälder Spirituosen-Manufaktur von Gode­hard Ließ in Laubsdorf. Von Beate Möschl

Renate und Heinz Wollenick schwören auf das tägliche Gläschen frischen Holundersaft. Sobald die Saison losgeht,  beginnt der Tag bei den Heinersbrückern gesund und frisch. „Das ist prima, das wussten schon unsere Vorfahren. Wenn bei uns mal eine Grippe im Anmarsch ist, gibt es wie früher eine Tasse heißen Holunderbeersaft, und schon wird alles ausgeschwitzt.“

Der Heinersbrücker Landwirt im Ruhestand schreibt diese wunderbare Wirkung auch den kultivierten Sorten zu, die seit 2011 im Landkreis Spree-Neiße gedeihen. Er bewirtschaftet drei Hektar Fläche mit Kulturholunder der Sorten Sampo und Haschberg. „Dolden und Beeren sind etwa doppelt so groß und sie enthalten etwa 30 Prozent weniger Gerbstoffe als die Wildfrucht“, erklärt er den Unterschied zum „Schwarzen Holunder“, der hierzulande in Feld und Flur  und manchen Gärten gedeiht.  Schon in den nächsten Tagen werden er und seine Frau, die die Holunderplantagen im Nebenerwerb betreut, die ersten Beeren der diesjährigen Saison ernten. Das Sommerwetter und die Fruchtansätze  versprechen eine pralle-Holunder-Ernte. Nicht nur in Heinersbrück. Auch in Briesen.

Saft und Likör werden aus dem schwarzen Holunder gewonnen.
Saft und Likör werden aus dem schwarzen Holunder gewonnen. FOTO: Heinz-Jürgen Hanschke / H.J. Hanschke

„Die Ernte wird gut ausfallen, den Bäumchen geht es gut. Die Trockenheit hat ihnen nichts ausgemacht, sie werden ja bewässert“, sagt der Briesener Heinz Jürgen Hanschke. Vor sieben Jahren hat der Landwirt  und Sachverständige  am Ortsrand zwischen Briesen und Guhrow drei Hektar Land neu bestellt. Mit Holunder. „Das war eine Schnapsidee unter Dreien. Wir haben uns gesagt: Nur Getreide anbauen, das kann ja jeder, und haben nach einer Sonderkultur gesucht, die auf unseren Böden gut gedeiht und sich auch gut vermarkten lässt“, erzählt er. Den Anstoß, auf Holunder zu setzen, gaben der Trend zu regionalen und Bio-Produkten und die Tatsache, dass der internationale Verband für ökologischen Landbau (Naturland e.V.) damals regionale Holunder-Bauern auch in Brandenburg suchte, um den Nachschub für Bionade zu sichern, eine im bayerischen Teil des Biosphärenreservates Rhön hergestellte alkoholfreie, bio-zertifizierte Trend-Limonade.

Biozertifiziert ist der Holundersaft aus Briesen im Biosphären-Reservat Spreewald auch. Landwirt Heinz-Jürgen Hanschke hat schon im Jahr 2000 die Bewirtschaftung seiner Flächen auf Ökolandbau umgestellt, unterstützt vom Kolkwitzer Öko-Landwirt Hugo Melde. Davon profitiert nun auch der Holunderanbau bei Briesen: Die Plantage ist eingebettet in ökologisch bewirtschaftete Hirse-, Buchweizen- und Sonnenblumenfelder.

Heinz-Jürgen Hanschke und Heinz Wollenick sind die Holunder-Pioniere Südbrandenburgs. „Uns ist nicht bekannt, dass es noch andere vergleichbar große Anbaugebiete hier im Süden des Landes gibt“, sagen Wollenick und Hanschke. Die Hauptanbaugebiete für die Obst-Spezialkultur  liegen in Nordbayern und Hessen, auch in  Rheinland-Pfalz  sowie  im Raum Hamburg.

Die Erträge der Holunder-Plantagen in Briesen und Heinersbrück werden ausschließlich regional  verarbeitet und vermarktet. Das schont die Ressourcen der kleinen Landwirte – und die sensiblen Beeren. Dank der Spreewald-Mosterei Jank in Burg kommt der Saft in guter Qualität auf kurzem Weg zum Verbraucher. „Holunder verarbeiten wir schon seit etwa 15 Jahren – in Kleinmengen, die in Gärten oder an Feldrändern gepflückt werden, er wächst ja auch wild“, sagt Hans- Joachim Jank.

Mit dem Angebot der Kultur-Holunderbeeren aus Briesen und Heinersbrück habe sich die Verarbeitung erweitert.  Das bringt Vielfalt ins Sortiment und manche Herausforderungen für die Mosterei mit sich. Denn für gewöhnlich fällt die Erntezeit der dunklen Beeren mit der ersten Apfelernte zusammen. Da kann es dann schon mal eng werden. „Die Holunderbeeren kann ich nicht liegen lassen, die müssen zügig verarbeitet werden. Die Äpfel mögen es aber auch nicht, lange zu warten, es ist ja überwiegend Fallobst, das uns zum Mosten gebracht wird“, schildert Hans-Joachim Jank die Situation.

Der Briesener Holunder bekommt als Bioprodukt eine eigene Abfüllung. Der Bio-Holundersaft des Familienbetriebes Hanschke ist in Hofläden der Region Südbrandenburg erhältlich und auch als Likör   beliebt. Angesetzt wird der Holunder-Likör in der Spreewälder Spirituosen-Manufaktur von Godehard Ließ in Laubsdorf.