ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:00 Uhr

Handwerk
In der Lausitz geben immer mehr Bäcker auf

Diana Lewandowski, Innungsobermeisterin der Lausitzer und Spreewälder Bäcker - und Konditoreninnung, setzt in ihrer Bäckerei Schmidt konsequent auf Bio-Produkte.
Diana Lewandowski, Innungsobermeisterin der Lausitzer und Spreewälder Bäcker - und Konditoreninnung, setzt in ihrer Bäckerei Schmidt konsequent auf Bio-Produkte. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Die Zahlen sind deutlich: 1998 waren 202 Bäckereibetriebe für den Bereich der Handwerkskammer Cottbus gemeldet. 2018 sind es nur noch 119 Bäckereien. Noch dramatischer ist der Rückgang bei den Azubi-Zahlen. Von Nils Ohl

Nicht nur die Zahl der Bäckereien schrumpft. Immer weniger Jugendliche entscheiden sich für diesen Beruf.  Absolvierten 1998 noch 290 junge Menschen eine Bäckerausbildung, haben sich 2018 nur noch 46 dafür entschieden, davon ganze vier in der Stadt Cottbus. Das sind Zahlen der Handwerkskammer Cottbus. Stirbt das Bäckerhandwerk aus?

„Gegen die Industrie mit ihren Fertigprodukten haben wir preislich tatsächlich keinen Chance“, meine Diana Lewandowski. Sie ist Chefin der Cottbuser Bäckerei Schmidt und Innungsobermeisterin der hiesigen Bäcker- und Konditoreninnung.  „Dazu kommt, dass jetzt vielen Filialisten gekündigt wurde, weil die Einzelhandelsketten eigene Backshops einführen.“  Zudem steigen die Kosten für Butter, Mehl und Rohstoffe genauso wie die Löhne.

Die Bäcker müssten sich künftig noch stärker als bisher spezialisieren und Dinge anbieten, die es im Kaufhaus nicht für kleines Geld gibt. „Handwerk im Sinne von selber machen ist weiter gefragt. Aber dafür muss ich auch beweisen, dass ich die Qualität habe.“

Diana Lewandowski hat ihre Bäckerei konsequent auf Bioprodukte ausgerichtet. „Die Leute merken, ob du den Brotteig selbst ansetzt oder aus der Tüte bäckst. Ob du künstliche Aromen oder echten Geschmack bietest.“ So wie bei einer ihrer Spezialitäten – dem Roggenbrot. Doch wenn der Bäcker sich spezialisiert, bekommt er dafür auch die nötigen Mitarbeiter?

Gewerkschaft: Nicht jedermanns Sache, so früh aufzustehen

Warum immer weniger  Azubis den Weg in den Bäckerberuf finden, begründet Birgit Weiland von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten so: „Es ist eben nicht jedermanns Sache, zwei Uhr in der Früh aufzustehen.Dazu kommt, dass sich in den vergangenen Jahren zu wenig bemüht wurde, den Jugendlichen attraktive Perspektiven in diesem Beruf zu bieten. Nach der Lehre kann man als Fachkraft in anderen Branchen einfach mehr verdienen.“ Wobei die Bäcker mit ihren Problemen, Fachkräfte zu finden, innerhalb der Handwerksberufe nicht allein stehen.

Diana Lewandowski kennt die Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter zu gewinnen, aus eigenem Erleben. Sie hat erst vor wenigen Monaten einen neuen Bäcker eingestellt und eine junge Frau in der Einstiegsqualifizierung. „Ich hoffe, dass sie  bald soweit ist, die Lehre zu beginnen“, sagt Lewandowski. Doch einfach mit höheren Löhnen locken, das gibt die Ertragslage nicht her. „Ich kann nur Tarif zahlen.“

Die Meisterin setzt dafür bewusst auf ein gutes und familiäres Betriebsklima. „Meine Leute entscheiden mit. Was wir verkaufen, ist ihr Erzeugnis. Wir gehen gemeinsam auf Messen. Wir sind auch bei den Arbeitszeiten flexibel.“ Das funktioniere allerdings so nur in kleineren Betrieben.

„Der Bäcker stirbt nicht!“

Auch Birgit Weiland ist überzeugt: „Der Bäcker stirbt nicht!“ Aber sie glaubt ebenfalls, dass sich die Branche dafür neu sortieren muss. „Man muss seine Nische finden – ob Bio, ob gläserne Bäckerei oder ein Spezialbrot. Vor allem muss man den Beruf insgesamt attraktiver machen. Da geht es um Themen wie Urlaubszeiten und Mitarbeiterführung, und auch ganz direkt um die  Entlohnung.“  Erste Schritte sind erfolgt. So erhöht sich beispielsweise ab 1. September 2019 die Ausbildungsvergütung.

So erhält ein Azubi im ersten Ausbildungsjahr laut Tarif Brutto  565 Euro monatlich,  ab 1. September 2019 sind es 615 Euro. Im dritten Ausbildungsjahr  werden jetzt 800 Euro gezahlt, ab 1. September 2019 820 Euro. Und für einen Jungfacharbeiter im ersten Jahr nach der Ausbildung beträgt ab 1. November 2018 der Stundenlohn 9,47 Euro.

Meisterin Lewandowski fordert größeren Einsatz von der Politik: „Wir brauchen Erleichterungen, beispielsweise bei den Steuern, damit die kleinen Unternehmen höhere Löhne zahlen können.“ Und mehr Marketing für den Bäckerberuf. Sie selbst lädt regelmäßig Schulklassen ein und zeigt den Kindern, wie das Brot und die Brötchen auf ihrem Frühstückstisch entstehen. „Wenn ich dann frage: Was wollt ihr werden? Rufen alle – Bäcker!“