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| 15:17 Uhr

Ich kaufe regional
Einkaufen mit Genuss und Überraschungen

Um mit kostenloser Unterhaltung Kundschaft in die Innenstadt zu locken, hatte der Cottbuser Turmverein die Aktion „Guten Morgen Cottbus!“ im April 2015 ins Leben gerufen. Im Schnitt kamen etwa 200 Besucher zum Heronplatz am Stadtbrunnen. Im vergangenen Jahr lief die Aktion aus.
Um mit kostenloser Unterhaltung Kundschaft in die Innenstadt zu locken, hatte der Cottbuser Turmverein die Aktion „Guten Morgen Cottbus!“ im April 2015 ins Leben gerufen. Im Schnitt kamen etwa 200 Besucher zum Heronplatz am Stadtbrunnen. Im vergangenen Jahr lief die Aktion aus. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus/Peitz. Das Einkaufsverhalten ändert sich, damit zwangsläufig auch die Einzelhandelslandschaft. Während Einzelhändler und Gewerbetreibende digital aufrüsten, lassen sich online-verschworene Kunden für ihren Einkauf im Web oder danach gern mal in der City nieder. Bei Eiscafé und geeisten Tee-Spezialisten ist das dieser Tage in Cottbus besonders beliebt. Von Beate Möschl

Gastronomie und Handel sind hier genussvoll enger zusammengerückt Und siehe da: Weil der Sommerschlussverkauf im Gange ist, wird analog prompt das eine oder andere Schnäppchen gemacht.

In der City von Cottbus ist immer viel in Bewegung. Wer in größeren Abständen durch die Innenstadt bummelt, ist manchmal überrascht, schon wieder etwas Neues zu entdecken neben den geschätzten Adressen alteingesessener Einzelhändler, die immer auf dem Laufenden sind und beispielsweise in Sachen Mode auch weit über regionale Grenzen hinweg Zulauf und einen guten Ruf genießen. Zwar gibt es Leerstand und Sorgenkinder wie die Passagen zwischen Brandenburger Platz, Burgstraße, Schloßkirchplatz und Altmarkt. Aber Zwischennutzungen – zum Beispiel mit Ausstellungen oder Schaufenster-Deko, um das Stadtbild trotz Leerstands ansehenswert zu halten – sind nicht üblich. Anders als beispielsweise in der Rosenstadt Forst mit einer Laden-Leerstandsquote von 41 Prozent.

„So gravierend ist das Problem in der Cottbuser Altstadt nicht“, schätzt Altstadtmanager Gottfried Lindner ein. „Es gibt eine relativ zügige Wiedervermietung. Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden“, sagt er und verweist auf die Sprem: Bei Mc Paper wird ein Tourismusanbieter einziehen und im ehemaligen Burger King eine neue gastronomische Einrichtung öffnen. Auch in die ehemaligen Kunstsammlungen kommt Bewegung. Das sind die positiven Signale, die wir empfangen“, so Lindner weiter.

Dafür seien Immobilienverwalter, Stadtverwaltung und Altstadtverein aktiv unterwegs. Auch oder erst recht, weil es schwieriger geworden ist, Gewerberäume zu vermieten. „Fast schon traumhaft“, nennt Lindner die Zusammenarbeit mit der Gebäudewirtschaft Cottbus, die „sehr rührig ist bei der Vermietung“. Auch mit Immobilienverwaltern wie der Apex und der Märkischen Grundstückszentrale gebe es engen Kontakt. „Wir tauschen uns aus, was aktuell passiert, darüber sind wir sehr froh.“ Das hält auf dem Laufenden und sieht so aus: Es wird schwieriger, Mieter und einen guten Branchenmix zu finden. Anders als noch vor gut zehn Jahren könne man heute nicht mehr aus drei bis fünf Anbietern wählen, heißt es bei Maklern. Die Nachfrage nach gastronomischer Nutzung ist weiterhin groß. Allerdings müssen Eigentümer hier sowohl Umbau-Aufwand und erzielbare Mietpreise als auch verträgliche Nutzung von Gebäuden und Mietern im Umfeld abwägen.

Nicht alles lässt sich mit Engagement ausgleichen. Im Vergleich ist in Südbrandenburg die zur Verfügung stehende Verkaufsfläche je Einwohner überdurchschnittlich hoch. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus weist im aktuellen Handelsatlas 5917 Einzelhandelsbetriebe in Südbrandenburg aus. Davon stehen mehr als 1500 Ladengeschäfte leer. Das sind 13 Prozent mehr als bei der vorangegangenen Erhebung im Jahr 2011 und entspricht einer Leerstandsquote von 25 Prozent im gesamten Kammerbezirk. Im Vergleich schneidet die Lausitz-Metropole Cottbus noch verhältnismäßig gut ab mit einer Leerstandsquote von 22 Prozent. Am höchsten ist diese Quote im Landkreis Spree-Neiße (30 Prozent), am niedrigsten in Dahme-Spreewald (17 Prozent).

Der Umgang mit Laden-Leerstand ist unterschiedlich in Stadt und Land. Wichtig sei, offensiv damit umzugehen, sagt Jörg Krakow. Er ist Bürgermeister der Stadt Peitz, und die besticht durch erstaunlich lebhaftes Markttreiben. „Dienstags könnte etwas mehr los sein, aber freitags bekommen Sie rund um den Markt keinen Parkplatz mehr, da ist die Hölle los“, sagt er und schreibt das dem großen Einzugsgebiet des Amtes zu, den Pendlern und auch der Bundesstraße, die mitten durch den Ort führt. Das bringt Kundschaft mit. Trotzdem gibt es auch im Fischerstädtchen leere Schaufenster. Unter anderem prominent direkt am Markt. „Die könnten inzwischen bedeutend besser aussehen und deutlich sichtbar zur Nutzung einladen. Wenn man nicht dranschreibt, dass sie zu vermieten sind, kann auch keiner fragen“, ärgert sich Krakow. Das habe er beim Eigentümer, der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Vorspreewald mbH (WBVG), bereits moniert.

Lutz Schneider, Geschäftsführer der WBVG Peitz, sagt, dass das mit der geplanten Fassadensanierung erfolgen werde. Er macht zugleich deutlich, dass das Problem Laden-Leerstand grundsätzlich an der Wurzel gepackt werden muss. „Bislang hatten wir Glück und konnten das eine oder andere leer stehende Ladengeschäft an Rechtsanwälte und Versicherer vermieten, die Publikumsverkehr wünschen. An Einzelhändler konnten wir überhaupt nicht mehr vermieten.“ Die Konkurrenz der großen Einkaufsmärkte setze sich durch, ebenso das Online-Geschäft.

Was sich gut halte, das seien Bäcker und Fleischer. Das typische Ladengeschäft werde es wohl nicht mehr lange geben. „Diese Tendenz ist nicht auf Peitz beschränkt, das können Sie weltweit beobachten“, sagt Schneider. Schaufenstergestaltung allein helfe da nicht weiter. Das Problem werde damit nicht gelöst, und es bringe kein Geld ein. „Ich denke dass man eher über Wohnraumnutzung nachdenken muss. Das wäre eine effektivere Nachnutzung.“