ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:22 Uhr

Herbstkonjunktur-Umfrage in Südbrandenburg
Goldener Herbst fürs regionale Handwerk

Für das Kfz-Gewerbe gibt es keinen goldenen Herbst. Das Diesel-Desaster führt zu Umsatzeinbußen im Neuwagengeschäft, die vom stabil laufenden Reparaturgeschäft nur zum Teil kompensiert werden können.
Für das Kfz-Gewerbe gibt es keinen goldenen Herbst. Das Diesel-Desaster führt zu Umsatzeinbußen im Neuwagengeschäft, die vom stabil laufenden Reparaturgeschäft nur zum Teil kompensiert werden können. FOTO: dpa / Sebastian Kahnert
Cottbus.. Unternehmen im Kammerbezirk Cottbus bis Weihnachten nahezu ausgebucht. Sorgen im Kfz-Handel.

Das Südbrandenburger Handwerk hält sich fest im Konjunkturhoch. Das bestätigt die aktuelle  Herbstumfrage der Handwerkskammer Cottbus (HWK), deren Ergebnisse gestern in Cottbus vorgestellt wurden. Wie im Vorjahr sind die Unternehmen mit ihrer wirtschaftlichen Situation zufrieden. Sorgen bereiten den Betrieben der Nachwuchs- und Fachkräftemangel.

96,7 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage mit gut oder zufriedenstellend (2017: 96,3 Prozent). Treiber dieses positiven Geschäftsklimaindex sind nach wie vor das Bauhaupt- und Ausbaugewerbe sowie die Unternehmen des gewerblichen Bedarfs. Sie  profitieren von der anhaltend hohen Nachfrage nach Baudienstleistungen, wie Manja Bonin, Leiterin der Abteilung Wirtschaftsförderung und Fachkräftesicherung der Handwerkskammer Cottbus berichtet.

„Die anhaltend gute Auftragslage im Bauhauptgewerbe – die Auftragsreichweite liegt bei 11,8 Wochen – verstärkt den Fachkräftebedarf. Jedes vierte Unternehmen konnte die Zahl der Beschäftigten erhöhen. Im Durchschnitt sucht jedes Unternehmen im Bauhauptgewerbe vier Fachkräfte, zwei Hilfskräfte und einen Auszubildenden“, so Bonin. „Die Bauunternehmen werden auch in den nächsten Monaten ausreichend zu tun haben.

Wenn sie die steigende Nachfrage bedienen und wachsen wollen, brauchen sie Fachkräfte.“ Das Fachkräfteproblem sei zu einem Umsatzproblem geworden.

30 Prozent der befragten Unternehmen haben ihre Investitionen gesteigert und damit den Wert im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt (2017: 12,3 Prozent). 92,5 Prozent der Betriebe hielten am Personal fest oder stellten neue Mitarbeiter ein. „Grundsätzlich ist es für die Unternehmen schwer, Fachkräfte am Markt zu finden.“

Das Gesamthandwerk arbeite fast pausenlos auf Hochtouren. Gegenüber dem Vorjahr sei der Auftragsbestand in 40 Prozent der Unternehmen angestiegen, über die Hälfte der antwortenden Betriebe berichten über eine unverändert stabile Auftragslage. „Die Auftragsreichweite im Gesamthandwerk liegt bei knapp neun Wochen. Das heißt, Kunden müssen sich weiterhin auf lange Wartezeiten einstellen.“

 Dank der guten Auftragslage und hohen Nachfrage konnten 35 Prozent der Unternehmen (2017: 24,1 Prozent) höhere Verkaufspreise am Markt durchsetzen. „Das gilt vor allem für das Bau- und Ausbaugewerbe“, berichtet Bonin und fügt  an: „Es wäre schön, wenn davon auch etwas bei den Betrieben hängen bliebe.“ Das meiste werde von gestiegenen Materialkosten und deutlich verteuerten Entsorgungskosten  wieder aufgefressen.

Sorgen indes bereitet das Kfz-Gewerbe. Hier ist ein Abwärtstrend deutlich spürbar: Fast ein Viertel der Unternehmen (22,2 Prozent) mussten sinkende Preise und Umsatzeinbußen in Kauf nehmen und kompensieren, was im Vorjahr nicht der Fall war. „Die sinkenden Werte sind nicht zuletzt auf die bestehende Dieselproblematik mit drohenden Fahrverboten und veränderte Zulassungsverfahren zurückzuführen“, erklärt Hauptgeschäftsführer Knut Deutscher. Das habe Auswirkungen auf das Neuwagengeschäft und das Fahrzeugleasing. „Die Händler bleiben auf ihren Fahrzeugen sitzen. Das stabil laufende Reparaturgeschäft kann nur einen Teil der Rückgänge kompensieren.“ Der Kfz-Handel signalisiere perspektivisch Liquiditätsprobleme. „Perspektivisch heißt  2019, wenn die Situation und die Verunsicherung der Verbraucher weiter  anhält“,  so Deutscher. Die Situation für Handel und Verbraucher sei „frustrierend“. „Zahlreichen Händlern droht die Insolvenz.“

Im Handwerkskammerbezirk Cottbus sind insgesamt 778 Unternehmen im Kraftfahrzeughandwerk tätig. Davon sind 263 Betriebe auch Mitglied der Industrie- und Handelskammer Cottbus, aufgrund des Handels mit Fahrzeugen.