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Handwerk sucht Lehrlinge und Fachkräfte
Generationswechsel mit vielen Facetten und Chancen

Cottbus/Dresden. Das Thema Generationswechsel im Handwerk hat viele Facetten: Da sind zum einen Mitarbeiter, die in absehbarer Zeit in den wohlverdienten Ruhestand gehen und ihre Erfahrungen gern an die nachwachsende Generation weitergeben wollen. Zum anderen sucht das Handwerk Lehrlinge und Fachkräfte, die den Abgang der "Älteren" kompensieren.

Andererseits werden auch Inhaber oder Betriebsführer älter und müssen über die Zukunft ihrer Betriebe entscheiden.

Nach Angaben der Handwerkskammer Cottbus stehen über alle Branchen hinweg rund 2300 der insgesamt knapp 10 000 Handwerksbetriebe Südbrandenburgs in den kommenden fünf Jahren vor der Thematik Übergabe und Unternehmensnachfolge. Das ist ein knappes Viertel (23,2 Prozent) aller Handwerksbetriebe im Kammerbezirk. Aus dem Bereich der einzelhandelsrelevanten Handwerke sind besonders Uhrmacher, Fleischer und Konditoren betroffen.

Viele davon haben die Unternehmensberater der Handwerkskammer schon eingeschaltet, suchen gemeinsam mit ihnen nach dem geeigneten Weg. "Da sind tolle Unternehmen dabei, wo wir keine Bedenken haben, dass sich ernsthafte und gut aufgestellte Übernahmeinteressenten finden", sagt Manja Bonin, Leiterin Unternehmensberatung bei der Handwerkskammer Cottbus. Häufig sind es auch "Externe", die gut aufgestellte, alteingesessene Handwerksbetriebe oder auch nur bestimmte Geschäftsbereiche übernehmen.

Im Lebensmittelhandwerk hätten Mitbewerber vorrangig ein Interesse an Filialen und sind da auch bereit, dafür zu zahlen. In der Tischlerbranche wiederum gibt es Interesse an Unternehmen, weil damit auch gut qualifizierte Mitarbeiter übernommen werden können. Hier zeigt sich eine weitere Seite des Fachkräftemangels.

"Der Mangel an Nachwuchskräften befördert auch die Anwendung digitaler Technologien und Verfahren im Handwerk", schildert Manja Bonin. Gerade im Bau- und Ausbauhandwerk helfe das, deutlich effizienter zu arbeiten. Abläufe und Prozesse werden so optimiert, das stärkt die Ertragskraft und hat zudem einen weiteren Nebeneffekt: Der Einzug neuer Informations- und Kommunikationsmedien macht auch das Berufsbild interessanter und manch einen Schulabgänger aufgeschlossener für eine Lehre im Handwerk. Darauf deuten zumindest die gestiegenen Lehrlingszahlen sowohl im Kammerbezirk Cottbus (plus elf Prozent) als auch in Dresden hin.

Während die Hoffnung auf guten Fachkräftenachwuchs wächst, rückt auch in Sachsen das Thema Generationswechsel nach vorn.

3274 Inhaber von 17 809 inhabergeführten Handwerksbetrieben im Kammerbezirk Dresden sind 60 Jahre und älter, darunter 800 im Landkreis Bautzen und 556 im Landkreis Görlitz. "Das heißt nicht, dass all diese Betriebe in den kommenden fünf Jahren einen Nachfolger suchen", informiert Carolin Schneider, Pressesprecherin der Handwerkskammer Dresden. Das habe unterschiedliche Gründe. Beispielsweise arbeiten manche Inhaber länger als bis 65 oder sie haben bereits eine Nachfolgelösung geplant. Wieder andere wollen keinen Nachfolger suchen, so Schneider.